title

Blog

These: Keine Chance für Social Banking

Hauptsache Social

Immer mehr Banken und Agenturen erkennen die Vertriebs- und Marketingchancen des Begriffes „Social“. Jeder Artikel, jedes Seminar, jedes Produkt und auch jede Markenbotschaft, die direkt oder indirekt mit der aktuellen Strahlkraft des Wortes arbeitet, erzeugt automatisch ein hohes Interesse.

Was Social Banking, Social Business oder auch Social Media ist, hängt dabei auch stark von der Interessenslage des Menschen oder der Organisation ab,   die die jeweilige Begriffskombination verwenden

Muss ein Bank besser oder anders handeln, wenn sie „Social Banking“  betreibt oder muss sie sich nur anders positionieren, indem sie Ihr Handeln eigentlich beibehält, aber in Sachen Marketing, Kommunikation und Vertrieb mehr auf Kommunikation und Austausch setzt? Führt mehr Kommunikation und Austausch tatsächlich zu einer sozila verträglicheren Bank? Und kann eine Bank überhaupt von heute auf morgen auf ein anderes Geschäftsmodell umschwenken. Denn letztendlich sind die aktuellen Geschäftsmodelle der meisten Banken nicht auf diese Form des Bankings ausgerichtet?

Wann verändern sich Banken?

Banken verändern sich in der Regel durch Kostendruck, regulatorische Anforderungen, Anforderungen von Shareholdern und gelegentlich durch ausbleibende Erlösströme. Auf ein gänzlich Neues oder anderes Kundenverhalten mussten Sie bisher nur sehr selten reagieren. Nur die Direktbanken haben zwischenzeitlich ein für die klassischen Anbieter problematisches Kundenverhalten ausgelöst. Aber diese sind auch nicht durch Kunden entstanden und genausowenig ist es erwartbar, dass ein verändertes Kundenverhalten Social Banking voranbringen wird.

Nischenmärkte

Natürlich ist für die unterschiedlichen Formen des Social Bankings ein Nischenmarkt vorhanden. Jene Menschen, die sich stärker für Finanzthemen interessieren und bereit sind bzw. auch die Zeit haben, sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen, wechseln, insofern Sie darüber hinaus bereit sind mehr Geld für ein auch international nachhaltigeres Banking  auszugeben, zu den sozialen Banken oder auch Umweltbanken.

Die neuen internetgestützten Bankmodelle (Smava,Fidor,Kontoblick, etc.) können auf internetaffine und ebenfalls stärker an Finanzthemen interessierte Menschen bauen, die darüber hinaus aber auch preisbewusst sind. Ihnen gehört  sicherlich auch die Zukunft, da ihre Gründung und Entwicklung  von einer mit dem Internet aufgewachsenen Generation begleitet wird, welche zukünftig sicherlich ein ganz anderes Verhalten bei der Wahl einer Bankverbindung oder eines Finanzproduktes an den Tag legen wird.

Aber wie groß ist die Chance, dass sich Banking wirklich nachhaltig verändern wird. Was machen die Privatbanken und welche Chancen haben die Sparkassen und Genossenschaftsbanken?

Meine These

Von Seiten der Bevölkerung wird es in den nächsten 10 oder 20 Jahren keine nennenswerte Nachfrage nach „Social Banking“ oder „Social Banking Produkten“ geben, es sei denn diese Produkte wären kostenlos oder besonders Rendite stark.  Denn die meisten Menschen interessieren sich nicht für Finanzthemen und noch nicht einmal besonders dafür ihre eigene finanzielle Situation zu optimieren. Und wenn es keine Nachfrage gibt, warum sollten sich vorhandene Banken dann verändern? Woher sollte der Druck zur Veränderung kommen, wenn darin keine Marktchancen liegen? Wird eine Social Media nutzende Bank nur einen Euro mehr verdienen? Hat Social Media überhaupt eine Bedeutung für Social Banking? Entsteht durch die gleichberechtigte Diskussion über Bankprodukte oder die Banken selber wirklich ein nachhaltigeres Banking? Mir fehlt hier der Glaube!

Es mag vielleicht etwas weit hergeholt klingen. Aber zeigt der Fall des Ex – Verteidigungsministers nicht ganz gut, dass es keine Mehrheit für ein wertorientiertes, nachhaltiges und  ganzheitliches Handeln von Organisationen ,Institutionen und  von deren Vertretern gibt.Es würde mich nicht wundern wenn die Umfragewerte nun in die Höhe schießen würden, weil es schon immer so war, dass die Mehrheit des Volkes gänzlich anders denkt als irgendwelche echten oder gefühlten gesellschaftlichen Bildungseliten.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Hansjörg Leichsenring

    Hallo Herr Janek

    Spannende Frage, ob Social Banking à la Fidor & Co. nur ein Nischenmarkt bleibt.

    Am Beispiel „nachhaltige Geldanlagen“ kann man ablesen, dass es für innovative Konzepte schon einen Markt geben kann, dieser sich aber erst entwickeln muss, um selbst seine Nachhaltigkeit unter Beweis zu stellen.

    Ich glaube, so ist es auch hier: Gerade Sparkassen und Volksbanken werden auf kurz oder lang entdecken, dass sich mit sozialen Medien der Geist des regionalen Community-Bankings nicht nur (wieder)beleben, sondern auch zu völlig neuen Horizonten führen lässt.

    Ob sich damit das Banking an sich verändert? Daran habe ich auch meine Zweifel, zumindest wird sich aber die Beziehung zwischen Bank und Kunde verändern.

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring

    http://www.der-bank-blog.de

    • electrouncle

      Hallo,

      sicherlich wird alleine schon durch die heranwachsenden Generationen einiges Ändern. Und vor allem müssen Banken auch mehr auf externe Faktoren reagieren, sie können also nicht mehr so autistisch agieren.

      Auch ich sehe viel Potential für die genossenschaftliche Gruppe, wenn wir es denn schaffen, die Kräfte zu bündeln und auf die Strasse zu bringen.

      Wenn ich aber auf unsere Gesellschaft und das Verhalten meiner oder der nachfolgenden Generation schaue, dann muss Social Banking preisewerter und Rendite trächtiger als klassisches Banking sein. Zumindest aktuell.

  • lochmaier

    Einspruch Euer Ehren – Meine provokative Gegenthese: Für die Volksbanken ist der Social Banking Marktanteil höchstens bei ein bis zwei Prozent. Da gebe ich Ihnen recht, aus Ihrem Blickwinkel wäre dann kein Blumentopf zu gewinnen.
    Aber: Social Banking 1.0 und 2.0 ist jedoch (künftig) gerade für vermögendere Kunden attraktiv, die jedoch von der konservativ ausgerichteten Unternehmenskultur der Genossenschaftler gar nicht bedient werden können.
    Die relevante Nische ist ca. 15 Prozent groß, insofern kommt es drauf an, durch wessen Brille man die Thematik betrachtet.

    • electrouncle

      Hallo,

      geschenkt. Meinung ist ja immer eine Frage der Perspektive und damit rein subjektiv. Eine kleiner Hinweis aber noch. Meine Position ist nicht oder kaum beeinflusst durch meine sicherlich stark genossenschaftlich geprägte (berufliche) Sozialisation. Sie basiert eher auf meiner Einschätzung des Menschen und des menschlichen Verhaltens , natürlich immer nur vor dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen oder sogar kulturellen Verhältnisse.

      Und in meinem Artikel habe ich dargestellt, das social Banking eben – wenn überhaupt – eher ein Modell für neue Anbieter ist.

      Bei Zahlen im Hinblick auf das Potential für Social Banking bin ich skeptisch.

      Sie wissen aber natürlich das sich Niemand mehr freuen würde als ich, wenn meine These innerhalb der nächsten 5 Jahre widerlegt würde

  • Hansjörg Leichsenring

    „Wenn ich aber auf unsere Gesellschaft und das Verhalten meiner oder der nachfolgenden Generation schaue, dann muss Social Banking preisewerter und Rendite trächtiger als klassisches Banking sein. Zumindest aktuell.“

    Da frage ich mich allerdings schon, wo – angesichts der heutigen (Wettbewerbs) Situation des Retail Banking in Deutschland – dieses
    1. billiger (als umsonst, z.B. beim Girokonto) und
    2. Rendite trächtiger (bei gleicher Risikostruktur)

    werden soll.

    Unter den Gesichtspunkt ordne ich Bank 2.0 nicht ein, eher unter Transparenz und Beteiligung.

    Nichts für ungut, aber

  • lochmaier

    sollte keine persönliche Kritik sein, sehe das Modell aber nicht nur anbietergetrieben, sondern vom Kunden her. Social Banking muss auch nicht bessere Konditionen bieten, sondern gleichwertig sein. Von moralisch hohen Rössern sollten wir alle runtersteigen, der Mensch ist so wie er ist, mit viel Potential aber auch anfällig für geistige Irrungen und Verwirrungen. Fazit: Der Markt schafft neue Regeln und Produkte, und das ist die Botschaft, nichts sonst. Und das gilt auch für Social Banking. Die avisierten Zahlen der potentiellen Kundenzielgruppe sind übrigens keine blinden Spekulationen, es zu erschließen kostet allerdings viel harte Arbeit, das Vertrauen in neue Alternativen aufzubauen. Schaut man sich die heutige Presse zum entlassenen Mikrokredit-Vorreiter M. Yunus an, dann sieht man, dass der Kampf zwischen Rendite und Moral immer mit ungleichen Mitteln und Waffen geführt wird. Deshalb glaube ich nicht an den besseren neuen Menschen, sondern an Innovationen, die sich aus der Mitte der Gesellschaft heraus entwickeln. Und hier wird das Internet, und die Finance 2.0, wenn es einige Kinderkrankheiten und zu hoch gesteckte Ziele hinter sich gelassen hat, die relevante Zielgruppe schon erreichen können. Nicht mehr, nicht weniger.

  • Volksbank

    Hallo Herr Janek,
    Ihr letzter Absatz ließ mich sofort an folgendes Zitat denken:
    „Nie haben die Massen nach Wahrheit gedürstet. Von den Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn er sie zu verführen vermag. Wer sie zu täuschen versteht, wird leicht ihr Herr, wer sie aufzuklären sucht stets ihr Opfer.“ – Gustave Le Bon

  • Birger Hartung

    @Volksbank: Wundervoll!
    @ electrouncle: Nimm es doch nicht schwer. Lasst uns doch erstmal mit einer Community anfangen und Verständnis aufbauen.

    • electrouncle

      Eine Community klingt gut. Welche, wie und was ist die Idee?

Post A Comment

 

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Der Firmenkunde im Internet

Firmenkunde oder Privatkunde Banken unterscheiden  zwischen Firmenkunden und Privatkunden. Wenn man sich – wie ich täglich und beruflich- mit der...

Schließen