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Staatlich angeordnete API oder Revolution von unten

Die einen machen die Tür zu und halten sie von Innen fest. Die anderen machen die Tür auf, weil sie wissen, dass nichts so bleibt wie es ist, auch wenn wir uns das so oft wünschen. In der Finanzbranche möchten sehr viele Player die Tür lieber geschlossen halten. Einige – und man kann durchaus sagen – eine  wachsende Zahl von Unternehmen öffnet die Türen, wenige von innen, immer mehr von außen.

 

Das Finanzunternehmen sich verändern sollten, ist für viele Menschen klar. Vor allem die Kunden und Stakeholder sind überwiegend dieser Meinung. Nicht zuletzt deshalb erleben wir einen boomenden FinTech Markt. Immer mehr Herausforderer nutzen die interne Schwäche der Banken und Versicherungen, um neue – sehr häufig bessere, fairere und einfachere – Services anzubieten. Aus eigener Erfahrung kann ich übrigens berichten, dass auch innerhalb der Banken durchaus der Bedarf und der Wunsch nach Veränderungen vorhanden ist. Je nach Bank mal mehr mal weniger.

 

Gestern durfte ich als einziger Mitarbeiter eines Unternehmens aus einer Bankengruppe im Rahmen des ersten FinTech Events am Startplatz in Köln an einer Podiumsdiskussion zum Thema Kundenorientierung teilnehmen und die Stimmung der Teilnehmer war nicht besonders Banken freundlich. Auf der anderen Seite waren aber viele – der überwiegend aus dem Startup Umfeld kommenden Teilnehmer –  durchaus noch Kunde bei einer klassischen Bank mit Filiale. Die Frage, ob und wofür wir zukünftig noch Bankfilialen benötigen, konnten wir natürlich nicht endgültig beantworten, aber das Kundenorientierung mehr mit „Digital First“ als mit „Filiale“ zu tun hat, war eigentlich Konsens.

 

http://www.startplatz.de/event/fintech-konferenz/

 

Bei der Frage Tür auf oder Tür zu geht es natürlich noch um viel mehr. In Großbritannien – ich berichtete darüber – gibt es immer deutlichere Anzeichen dafür – dass Banken dazu gezwungen werden könnten offene APIs anzubieten, um dadurch ihren Kunden mehr Transparenz und Kontrolle zu ermöglichen. Die britische Regierung oder Regulierung nimmt hier eine deutlich andere Position als die Deutsche ein. Während man hier auf mehr Kontrolle und weniger Wettbewerb setzt, ist man dort der Meinung mehr Wettbewerb, auch durch nicht Banken, schafft mehr Druck für die Banken sich in Richtung Kunde zu verändern und führt gleichzeitig zu weniger zerstörerischem Finanzgebaren, wie es im Rahmen der Finanzkrise offenbar geworden ist.

 

Ein weiteres Ziel der britischen Regierung, die sozusagen am Tropf der eigenen Finanzindustrie hängt, besteht darin zum wichtigsten FinTech Standort der Welt zu werden. Dabei dürfte die weniger FinTech orientierte Politik in Deutschland den Briten noch in die Karten spielen. Allein das neue Anlegerschutzgesetz wird viele deutsche crowdinvesting Plattformen vor nicht mehr lösbare Probleme stellen und einerseits einige Plattformbetreiber zu Standort Verlegungen in Ausland bewegen andererseits werden viele Crowdinvestoren eben auf britischen oder anderen ausländischen Plattformen investieren. Vielleicht auch in britische FinTech Unternehmen.

 

Bleibt natürlich die Frage, ob bei der Initiative wirklich das Interesse der Bürger und Verbraucher im Mittelpunkt steht. Denn über den Umgang mit Nutzer, Kunden und Bürgerdaten kann man vieles sagen, nur nicht, dass Nutzer, Kunden und Bürger selber darüber entscheiden dürften, wer, was, wann und wo mit seinen Daten macht. Insofern liegen womöglich noch mehr Chancen im Blockchain Protokoll und auch in dieser spannenden Initiative aus Schottland mit dem Namen Maidsafe.

Denn wirkliche und befreiende Veränderungen kommen immer aus der Peripherie, niemals aus dem Zentrum

 

Maidsafe.org

Standardised APIs could aid data accessibility in UK banking within two years

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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