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Sind Sie schon exponentiell?

Perfekte Organisationsform für die digitale Ökonomie?

Die Ruhe ist vorbei. Nur die Bücher schweigen im Regal.

Sie klagen aber an: Die Digitalisierung ist böse. Wir sind in Deutschland, wir sind in nahezu jedem Geschäft in dem es noch Bücher gibt. Aber es hilft nichts, die Welt wird in Information atomisiert.

 

Neue Unternehmen steigen wie Phoenix aus der Asche der Unternehmen, die schon brennen, es aber noch nicht wahr haben möchten. Digitale Technologien führen zu exponentiellen Entwicklungen. Und im Zuge dieser Entwicklungen erfolgt eine Evolution der Organisation. In den letzten Monaten habe ich mich intensiv mit der Frage auseinandergesetzt:

 

Ob es so etwas wie eine perfekte Organisationsform für die digitale Ökonomie gibt?

 

In 3 Büchern, die es in der typischen deutschen Buchhandlung natürlich nicht gibt, die aber jeder lesen sollte, habe ich entsprechende Antworten gefunden.

 

Erfolg hängt von der Organisationsform ab

Alle Bücher machen Kernelemente einer neuen Art von Organisation aus, die in komplexen, sich beschleunigenden und wenig vorhersehbaren Umwelten zu besseren Ergebnissen führt, als die bisher vorherrschenden Organisationsformen. In seinem Buch Reinventing Organizations beschreibt Fredric Laloux wie sich Mensch und Wirtschaft veränderten und jeweils andere Organsationsformen förderten.  Technologie spielt in diesem Buch nur am Rande eine Rolle, die neuen Organsiationsformen sind eher eine Reaktion auf die sich verändernde Umwelt, aber auch Produkt eines besonderen Menschenbildes der Gründer. Diese Organisationen sind dabei nicht mehr hierarchisch, sie setzen verstärkt auf Selbstführung, bevorzugen Ganzheit und evolutionären Sinn. Während die Digitalisierung bei „Reinventing Organizations“ und auch bei „The Connected Company“ eher eine Randnotiz ist, steht sie bei „Exponential Organizations“ im Fokus

 

Exponentielle Organisationen

Exponentielle Organisationen sind Unternehmen, die einen überproportionale Wirkung bzw. Output haben, der bis zu 10 x größer sein kann, wie bei vergleichbaren Unternehmen der Branche. Begründet wird dies durch eine Organisationsform, welche digitale Technologien als Hebel nutzt. Alle erforschten Unternehmen sind im Kern informationsbasiert und sie greifen auf externe Ressourcen zu, die ihnen nicht selbst gehören. Daraus entstehen gewaltige Kostenvorteile, die sich in einer deutlichen Tendenz in Richtung Null Grenzkosten zeigen.  Insgesamt haben die Autoren 10 Charakteristika bzw. Prinzipien herausgearbeitet ,die sie in einer Analogie zum menschlichen Gehirn den beiden Elementen Scale (extern und linke Gehirnhälfte) und Ideas (intern und rechte Gehirnhälfte) zuordnen:

 

Scale Elemente: Staff on Demand, Community + Crowd, Algorithms, Leveraged Assets, Engagement

Ideas Elemente: Interfaces, Dashboards, Experimentation, Autonomy, Social

 

Nicht alle Unternehmen besitzen alle 10 Charakteristika bzw. Merkmale. Jedoch werden alle Unternehmen über ein weiteres  11 Element, den sogenannten Massive Transformative Purpose. der auch gewisse Ähnlichkeiten zum evolutionären Sinn bei Reinventing Organizations aufweist,  getrieben und zusammen gehalten.  Auf der Internetseite zum Buch findet sich eine Rangliste von 100 exponentiellen Unternehmen, unter denen sich auch 7 Fintech Unternehmen befinden,

 

Liste der exponentiellen Organisationen

 

von denen wiederum 3 auf der Finovate Liste der Fintech Unicorns auftauchen,

 

Liste der Fintech Unicorns

 

Nicht alle exponentielle Unternehmen sind startups oder Technologieunternehmen und es gibt auch einige ältere etablierte Unternehmen, die exponentielle Eigenschaften besitzen. Die Autoren sind sich  darüber hinaus einig, dass jedes Unternehmen, dass überleben möchte, selber die Schlüsselfähigkeiten der exponentiellen Unternehmen übernehmen und sich entsprechend verändern müssen. Hier werden im Buch auch entsprechende Möglichkeiten aufgezeigt.

 

Schlüsselherausforderung für Banken

Die Veränderung der Organisation gegen die etablierten Organisationsmodelle und Weltbilder ist die Schlüsselherausforderung für Banken und verlangt schnelle und schmerzhafte Veränderungsprojekte, die sich kaum innerhalb der vorhandenen Strukturen bewerkstelligen lassen. Das Buch exponentielle Organisation zeigt dies sehr deutlich.

 

In Kombination mit den anderen genannten Büchern, lässt sich aber auch ein Weg ableiten, den die Mutigen begehen können und müssen.

 

In diesem Zusammenhang ist zusätzlich die Lektüre einer kürzlich veröffentlichten Studie von SWIFT/Innotribe zu empfehlen. Diese trägt den Titel: Innovation in Financial Services und zeigt auf, wie sich das grundsätzliche Geschäftsmodell der Finanzwelt verändert, wie Banken dadurch disruptiert werden, wie weit der Prozess der Disruption schon fortgeschritten ist und schließlich, ob die etablierten Player die Fähigkeit besitzen, die notwendigen Veränderungen einzuleiten.

 

Die Quellen

Reinventing Organizations (Autor: Frederic Laloux)

The Connected Company (Autor: Dave Gray)

Exponential Organizations (Autoren: Salim Ismail, u.a.)

Innovation in Financial Services (Autor: Haydn Shaughnessy)

 

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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