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Shout: Wofür Content Marketing?

Prolog

„Shout, shout, let it all out

These are the things I can do without

Come on, I’m talking to you, come on

Shout, shout, let it all out

These are the things I can do without

Come on, I’m talking to you, come on“

TEARS FOR FEARS – SHOUT 

In den achtziger Jahren habe ich diese Zeilen oftmals laut gesungen. Eine Hymne in den bunten Jahren. Damals wusste ich jedoch noch nicht, dass ich drei Jahrzehnte später nahezu jeden „Shout“ dieser Welt mitbekommen kann.Es gab noch kein Social Media und unsere menschliche Eloquenz blieb hinter verschlossenen Türen bzw. war nur dann zu erleben, wenn wir unter real Anwesenden waren. Heute sind wir potentiell immer Anwesend.

Facebook ist schon lange nicht mehr cool. War es das jemals? Heute ist es bereits überbevölkert und jeder neue Freund oder Fan beschert uns eine Potenzierung der Banalitäten, weil der menschliche Alltag nun mal überwiegend banal ist. Auch meiner übrigens

Das Geschrei der Unternehmen

Viel schlimmer aber. Das Geschrei der Unternehmen, die immer neuen Anwendungen und Orte, von den,  um ein Geschäftsmodell bemühten Plattformen geliefert bekommen. Kein Wunder: Wer etwas verkaufen muss, geht unlocker ins Gespräch. Wer unlocker in ein Gespräch geht macht Fehler und beansprucht unsere Geduld, die jedoch immer mehr abnimmt. Denn schließlich haben wir ja alle ADS.

Natürlich. Ich könnte ja gehen und den kostenlosen Service der Netzwerke nicht mehr in Anspruch nehmen. So ähnlich hat mein Vater früher auch immer argumentiert, wenn über das politische System diskutiert wurde. Wer heute Facebook und Co. verlassen soll, wurde damals nach Drüben geschickt und Drüben gibt es ja nicht mehr.

Dabei braucht das Unternehmen eigentlich nur ein gutes und überzeugendes Angebot. Nicht mehr und nicht weniger. Und wenn Sie ein solches Angebot haben, dann brauche Sie gar nicht schreien. Gehen Sie locker ins Gespräch. Es reicht wahrscheinlich aus, wenn Sie Fragen beantworten und da sind, wenn der Mensch Sie braucht. Investieren Sie lieber in Ihr Angebot und Ihren Service. Ich habe zum Beispiel gerne ein gutes Produkt bei mir daheim aber nicht Ihr ganzes Unternehmen.

Gehen oder bleiben?

Manche gehen trotzdem. Ab und an liest man schon, dass Nutzer beginnen das weltumspannende Facebook zu verlassen. Manche haben Datenschutz- und Privatheitsbedenken, manche fühlen sich von Eltern, Personalchefs, Unternehmen oder sonstigen Daseinsformen gestalkt. Andere sind schlichtweg gelangweilt. Neue soziale Netzwerke wie snapchat, dort werden alle Posts nach kurzer Zeit wieder gelöscht, erfreuen sich erster Nachfrage. Gerade die jungen Menschen, die wir so oft für ihr gefährliches Online Verhalten tadeln, haben erkannt, dass nicht jede Banalität des Alltags bis in alle Ewigkeit als Identitätsmerkmal und Kaufinformation im Netz festgehalten werden muss.

Die“Four Horseman of the Internet Apocalypse, wie sie in den USA spöttisch und kritisch genannt werden, bestimmen und definieren unser Leben, indem sie das digitale Netz in eine von uns kaum noch beeinflussbare Richtung prägen. Sie bestimmen- so schreiben Kösch/Knoke in ihrem lesenswerten Artikel: Die Vier Reiter der Infokalypse-Internet: Abschalten oder nicht? in der Zeitschrift für elektronische Lebensadpekte DE BUG 03/2012 Seite 12-15–  was aus unseren Daten wird und wem der Kuchen (die Cloud) gehört.

“ Google, Facebook, Apple und Amazon. Google gehört das, was uns beschäftigt. Facebook das, was uns mit anderen Menschen verbindet. Apple die Instrumente auf denen wir basieren. Und Amazon das, was wir zum stofflichen Leben brauchen“

Und wir? Wir können ja mehrheitlich nur lesen, rechnen und schreiben. Beherrschen aber die verändernde Kernkompetenz der Zukunft, das Programmieren nicht und haben alleine kaum noch eine Chance die verlorene Selbstbestimmung zurückzugewinnen.

Neues Buzzword Content Marketing

Aber nochmal zurück zu den von Verkaufsinteressen getriebenen Social Media Aktivitäten der vielen Unternehmen. Sind wir nicht alle ein wenig ernüchtert? Zumindest so ernüchtert, dass das Kind schon einen neuen Namen hat. Wir machen jetzt Content Marketing. Was ist das? Ich definiere es so: Menschen mit der geschickten Auslegung von Content Fallen im Netz zum Kauf zu bewegen. Klingt nicht neu. Ist auch nicht neu!

Content ist das magische Marketing Wort des Jahres. In diesem Jahr wird jedes Unternehmen sich mit Content Marketing beschäftigen. Die Berater -formerly known as Social Media Gurus – kommen ins Haus. Jeder hat heute einen Facebook oder twitter Account. Warum. Weil die anderen Unternehmen doch auch schon da sind, wo sie das menschliche Leben in eine 100 % Konsumwelt umformen möchten. Der Adcontrarian umschreibt das Dilemma so:

 

„The essence of social media is democracy. Everyone has something to say. Unfortunately, everyone doesn’t have something interesting to say. Or intelligent to say. As a matter of fact, almost no one has anything interesting or intelligent to say.

As user-generated-content has become the standard, and as marketers‘ content tries to emulate and imitate user-generated-content, it is being relentlessly dumbed down. It is devolving into empty platitudes and boosterism“

In den USA – so kann man dem Artikel entnehmen- haben viele der großen und schnell wachsenden Unternehmen das bloggen inzwischen eingestellt und wechselten auf die sozialen Medien der Faulen, wo schon ein banales Foto oder 140 bis sagen wir mal 280 Zeichen ausreichen um manchmal Millionen von Clicks zu generieren.

Ein Beispiel? Der Adcontrarian liefert es:

„One way to make this the best week EVER is to ____. (With a picture of a Pepsi can.)“

4000 Likes

Was also auf uns zukommt 2013:

Es wird das Jahr des Contents ohne Inhalte! Muss das wirklich sein?

Anhang

Link zum Artikel: The Content Con aus dem Blog Adcontrarian

http://adcontrarian.blogspot.de/2013/02/the-content-con.html

In diesem Artikel verwendeter popkultureller Verweis:

Shout – Tears for Fears (1984)

http://www.tape.tv/vid/104705

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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