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Secco befreit uns aus dem Erfahrungskäfig

Banken und Fintechs haben momentan wenig Selbstzweifel. Beide sind fest davon überzeugt, dass es in der Zukunft ohne sie nicht gehen wird. Immer häufiger sprechen sie über Kooperationen, reichen einander die Hände und gehen auch den Bund der Ehe ein.  Es sei – so sagen manche Mitarbeiter der Branche –  eine  im positiven Sinne aufregende Zeit.

 

Fintech und Banken in einem Boot?

 

Wie die Zukunft aussieht, können wir alle nicht sagen, es ist aber durchaus angebracht – so wie es Paymentbanking Blogger und Fintecch Gründer Andre M Bajorat in einem Gastbeitrag für das IT- Finanzmagazin schreibt – zu fragen, ob Kooperationen zwischen Fintechs und Banken – zumindest aus Sicht der ersteren- überhaupt Sinn machen? Und – so schreibt Ralf Keuper– sitzen Banken und Fintechs vielleicht sogar in einem Boot. Leider aber in einem sinkenden Boot, da die wahren Disruptoren die grossen digitalen Player, also Apple, Amazon, Alibaba, Google, Tencent, Samsung und Co. sein könnten. Jene Unternehmen also, die uns zeigen, dass wir längst in einer horizontalen Ökonomie leben, in der es weder regionale noch andere Grenzen gibt, die ein Unternehmen davon abhalten könnten in fremde Branchen einzutreten und dort erfolgreich zu sein.  Zu wenig Geld ist für die genannten Unternehmen ohnehin kein Problem. Es geht auch nicht darum eine Bank zu werden. auch wenn Alibaba und Tencent bereits Banklizenzen besitzen. Stattdessen werden einfach alle Bankdienstleistungen wegrationalisiert oder vereinnahmt, die den eigenen Kundenprozess stören oder die einfach und ohne regulativ ins Portfolio aufgenommen werden können.

 

Banking ist erst disruptiert, wenn wir einen anderen Begriff dafür haben.

 

Vielleicht denken wir aber auch noch viel zu klein bzw. können uns noch gar nicht vorstellen, dass Banking ganz anders sein kann und erst dann disruptiert ist, wenn es keinen Begriff mehr dafür gibt bzw. die vorhandenen Begriffe nur noch mitleidiges nicken auslösen wie z.B. die Begriffe Scheibe oder Platte, wenn man über Musik spricht.

 

Spätestens mit Blockchain bewegen wir uns in eine neue Vorstellungs- und Begriffswelt in der z. B. jedes Unternehmen, jede Organisation, jede Gruppe und jeder Mensch, eigene Währungen ausgeben werden kann. Warum soll dann in Zukunft Banking noch davon abhängen, dass wir  unser Geld an ein Institut geben, dass dann damit arbeitet und daraus extreme Gewinne erzielt, mit denen dann weiter gearbeitet wird?

 

Erfindet Secco das Banking wirklich neu?

 

Das britische startup Secco ist da schon mindestens einen Schritt weiter. Gründer Chris Gledhill erklärt seinen Ansatz auf medium.com dabei folgendermaßen:

 

I think it’s a mindset thing. Many of us can remember a time before smartphones, a time before the internet, a time when we bought CDs, used paper maps, memorised phone numbers. What we can’t remember is a time before banking — it’s as old as the hills! We therefore take financial constructs as set in stone. Things like loans, savings, mortgages, accounts, balances, ledgers, statements, money, wealth. Most of these things are centuries old! When the internet came along banks simply converted all the paper process into HTML and called it internet banking. When mobiles came along they squashed it up onto a 3 inch screen and called it mobile banking. We’re still doing 20th century banking on 21st century tech. There has not been a proper rethink of the role banking can now play given the emerging technologies and societal trends happening today.

 

Im Zentrum von Secco steht eine Art Wertspeicher. Den Inhalt des Wertspeichers bilden Daten, die viel über die Identität und Reputation eines Menschen in der digitalen Welt aussagen und demzufolge einen bedeutenden, vielleicht sogar höheren Wert, als Geld haben. Secco will nun den Menschen die Kontrolle über ihr Geld und über ihre Daten wieder geben.

 

Secco befreit uns aus unserem Erfahrungskäfig

Banken vs. Secco

 

Bei Secco geht es um Interaktion und nicht um Transaktion. Menschen können ihre Daten sparen (sammeln), investieren und damit bezahlen. In einer digitalen Welt liegt der Wert eines Menschen nicht mehr auf seinem Bankkonto. Unser Wissen, unsere Erfahrungen, Verbindungen etc. sagen viel mehr über uns aus und sie können als Werte eingesetzt werden. Die Idee von Secco geht über die üblichen Fintech Lösungen hinaus. Sie führt uns in eine neue Vorstellungswelt

 

Weiterführende Links

Chris Gledhill: Banking Reinvented

Secco Internetseite

Andre Bajorat: Das Hecheln nach der großen Möhre

Ralf Keuper: Zweifel an der disruptiven Kraft…

 

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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