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Rework II: Zukunftsdenken

Wie entwickelt man eine Bank Strategie?

Eigentlich sollte es gar keinen zweiten Teil geben. Aber Chris Skinner hat einen Artikel geschrieben, der einerseits eine Würdigung verdient und andererseits einen methodischen Rahmen aufzeigt, den Banken verwenden könnten, um eine moderne Bankstrategie zu entwickeln. Meine 17 Empfehlungen für die Volksbanken Raiffeisenbanken müssten ja – wenn sie ganz oder teilweise auf Resonanz stoßen – in eine solche Strategie münden. Anders gesagt: Genossenschaftsbanken und andere Banken benötigen eine solche moderne Bankenstrategie, die – auf einen einfachen Nenner gebracht- das Kundenerlebnis in den Mittelpunkt stellt.

Nehmen wir also an, eine Bank – genauer gesagt die Mitarbeiter einer Bank – verspür(t)en die Lust (Ja – Arbeit und Geschäft können durchaus ein wenig Leidenschaftlichkeit gebrauchen) sich mit der Entwicklung der Bank zu beschäftigen. Handlungsdruck besteht möglicherweise nicht. Das Geschäft läuft gut. Die Mitarbeiter können bezahlt werden. Sie sind mit dem Gehalt sogar zufrieden. Die Kunden sind auch zufrieden, nicht unzufrieden oder haben uns noch nicht gesagt, dass sie unzufrieden sind. Die Filialen sind gepflegt. Internetauftritt vorhanden, Online Vertrieb möglich, Social Media Kommunikation gefällig. In den nächsten Jahren wird auch vermutlich kein Kunde aus eigenem Antrieb mobile payment, personal finance management oder irgend eine andere gehypte Anwendung aktiv nachfragen. Wir befinden uns also in einer Genossenschaftsbank.

Was ist zu tun?

Jetzt kommt Chris Skinner ins Spiel. Den Originalartikel: How to create a banking strategy findet man hier. Die erste Aufgabe für die Mitarbeiter der Genossenschaftsbank ist eigentlich eine Banalität, aber deshalb nicht weniger wahr. Wer eine moderne oder sagen wir zeitgemäße und zukunftsfähige Banken Strategie entwickeln oder vielleicht nur wissen möchte, ob die vorhandene Strategie noch tragffähig ist, muss sich zwangsläufig mit der Zukunft auseinandersetzen:

„First, use future thinking to see what pressures are out there to challenge them.“

Chris Skinner schlägt vor sich mit 4 Kräften zu beschäftigen, welche die zukünftige Entwicklung einer Bank beeinflussen werden. Er nennt sein Modell deshalb PEST. Bei uns müsste es dann wohl PWST heißen:

„PEST represents the Political, Economic, Social and Technological changes over the next 3-5 year horizon that may seriously impact the client’s business, as outlined yesterday.“

Es gibt also politische Kräfte für die Veränderung im Banking. Er nennt auch einige, die jedoch nicht  auf den deutschen Markt übertragbar sind. Bei den wirtschaftlichen Kräften sieht dies schon etwas anders aus:

  • Eurozone uncertainty
  • Sovereign debt issues
  • Remnimbi vs Dollar
  • CIVETS / Growth8
  • New Africa
  • Russia WTO
  • China inflation bubble
  • China 2018 or 2047
  • India post-2020

Auch bei den sozialen Aspekten ist abschreiben leicht:

  • crowdfunding
  • Social finance
  • Occupy Wall Street etc
  • Wikileaks
  • Anonymous
  • Global connectivity 1:1
  • New economies
  • Virtual currencies
Die vierte Kraft sind die technologischen Entwicklungen. Auch hier gibt es keine Unterschiede. Allenfalls die Ausprägungen der Entwicklungen sind bei uns  anders:
  • Mobile
  • Contactless
  • Tablet PCs
  • Social networking
  • Social media
  • Apps
  • Connectivity
  • Chips in everything
  • Wireless touch

Die nächste Stufe auf dem Weg zur Entwicklung der Bankstrategie wäre dann eine Zusammenfassung bzw. Pointierung der Anforderungen. Sehen Sie Unterschiede? Ich eigentlich nicht. Chris Skinners Anforderungen:

  • Boring banking vs casino capitalism
  • New regulations
  • New economies
  • Micromoney
  • Hybrid value management
  • Global currencies (Bitcoin)

Richtet man das ganze noch auf vorhandene Visionen zur Zukunft des Bankings aus, dann hat man das von Chris Skinner versprochene Rahmenwerk. Die Kunst besteht letztendlich in der Übertragung auf das eigene Modell und der Herausarbeitung der Veränderungserfordernisse. Ich denke dabei kämen alle oder einige meiner 17 Punkte heraus. Aber noch schwerer wird es dann, die Veränderungen auch umzusetzen.

Aber das ist eine andere Sache und ein anderer Artikel. In jedem Fall geht mein Dank noch einmal an Chris Skinner dessen Ansatz einen sehr einfachen Weg für eine Auseinandersetzung mit der Zukunft darstellt, den eigentlich jede Bank in einem Tag hinbekommen sollte.

Chris Skinners Visionen vom Banking der Zukunft sind übrigens ebenso beeindruckend, einfach und überzeugend.

  • Bank Produkte sind Anwendungen (Apps), die so her- und bereitgestellt werden, das Menschen Sie einfach so zusammen bauen können ,wie sie diese benötigen, um ihren eigenen Lebensstil oder Lebensplan zu unterstützen.
  • Bank Prozesse sind Open Source. Jeder kann Dienste anbieten, welche über APIs einfach per Plug and Play einfach integriert werden.
  • Retail Banking basiert auf Differenzierung im Wettbewerb über die Analyse von Kundendaten (Big Data) um kontextbasierte Personalisierung auszuliefern.

Ist es nicht genau das?

Auch bei Brett King kann sich der geneigte Banker mal wieder eine spannende Inspiration holen:

http://bank2book.com/2012/01/16/how-many-jobs-will-digital-kill-off-in-banking/

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • electrouncle

    Hallo Herr Majonek,

    zunächst Danke fûr den Kommentar und den Hinweis. Ich bin immer auf der Suche nach einfachen Methoden. Insofern haben mir – wohl auch aus Unkenntnis- die Gedanken von Chris Skinner sehr gefallen, zumal ich den Eindruck habe, dass solche einfachen
    Möglichkeiten zur Auseinadersetzun mit kommenden Herausforderungen in den Banken kaum
    Anwendung finden. Auch hier kann ich mich natürlich irren, da meine Innensicht von Banken zwangsläufig unvollständig ist. Bei den Genossenchaftsbanken kommt erschwerend hinzu, dass die einzelne Bank die grossen Herausforderungen gar nicht alleine adressieren kann- und dass sie- obwohl eigentlich unabhängig- von vielen grösseren Einheiten der Gruppe abhängig ist.

    Scheint so als sei man dazu gezwungen so zu bleiben, wie man ist. Vielleicht reicht es ja. Die Sehnsucht nach dem Vertrauten nimmt mit zunehmendem Alter ohnehin zu.

    In diesem
    Sinne-kommen Sie gut durch die eiskalte Zeit

  • Majonek

    Hallo Herr Janek,

    der Artikel von Chris Skinner ist klasse, weil er sich öffentlich mit dem Thema auseinandersetzt und es seiner breiten Community vorstellt. Er macht damit strategische Überlegungen sozial und das zeigt ja, dass sich viele Menschen aktiv mit der Zukunftsfähigkeit von Bank-Geschäftsmodellen auseinandersetzen und verdeutlich umso mehr, dass es einen Re-engeneering Bedarf gibt, weil Dienstleistung droht an Kundenbedürfnissen vorbei zu laufen. Ich wollte ihn mit meinem Kommentar lediglich kritisch würdigen und erweitern.

    Möglicherweise werden Genossenschaftsbanken mit einer kleinen Modernisierungskur in den nächsten Jahren größte Vorteile aus dem „Business is local“ Trend ziehen können, wenn man Trendforschern glauben schenkt.Vertrauen, Einfachheit und Kompetenz wird wieder Kernelement. Das bedeutet ja aber nicht, dass diese Werte nicht modern vermittelt werden können, auf allen Kommunikationskanälen, näher beim Kunden.

    Bereichern SIe uns weiter mit Ihren interessanten Artikeln!

    • electrouncle

      Hallo nochmal,

      ja genau. Vermitteln müsste man vielleicht durch Erlebbarkeit ersetzen. Nicht erzählen sondern v. Kunden, Mitarbeitern, Mitgliedern, regionalen Interessensgruppen leben lassen!

  • Chris Skinner

    I’m not sure I’ve understood the language exactly Herr Janek (Boris), but glad you like the outline approach taken. The trick is knowing depth about the forces for change, then translating that into the change you need to take.

    Chris

  • Lothar Lochmaier

    Hallo Herr Janek,

    manches was Chris Skinner so schreibt, ist bedenkenswert, aber: auch wenn ich mich jetzt unbeliebt mache, es ist der typische Schlagwort-Jargon der Unternehmensberater, sie nehmen ein paar Begriffe, in diesem Fall ziemlich willkürlich, machen daraus eine Erklärungsmatrix, streuen noch ein paar Unsicherheiten ein und verkaufen das dann ihren Kunden.
    Viele der von ihm benannten Punkte sind zwar inhaltlich richtig, haben jedoch nichts mit der direkten Operationalisierung des Bankgeschäftes zu tun, oder aber es sind allgemeine Weisheiten, die wir im Prinzip schon kennen. Sie merken worauf ich in diesem Fall hinaus will, auf gnadenlose Eigenwerbung für mich! Denn mir geht dieser deutsche Glaube, dass immer amerikansiche oder britische Vordenker einfliegen müssen und wir denen wie dem Pabst andächtig zuhören (die fliegen ja wieder weg, also muss sich nichts ändern). Ich werde jetzt mal noch frecher: Mit meinen drei Büchern kann weder ein Brett King oder Chris Skinner es auch nur im Ansatz aufnehmen, denn sie haben einen sehr eingeschränkten Blickwinkel auf die Veränderungen in der Welt. Buzzwording reicht nicht aus. Habe Skinner und Co. selbst schon mal interviewt, geht man ins Detail, wissen die auch nicht, wo es in der Bank 2.0 langgeht. Ich gönnen Ihnen den Erfolg, aber es wäre gut, wenn wir die eigene unspektakuläre „German Gründlichkeit“ besser schätzen würden, ich jedenfalls sehe darin weit mehr erhellende Erkenntnisse als in einer mehrgliedrigen Matrix, deren Eckpunkte man beliebig ergänzen aber auch kürzen könnte. So darf jeder mitreden, vielleicht auch bald bei meinen 10 killerapps, jetzt wird es auch da welche geben, die sagen, das ist doch viel weniger zu gebrauchen als die tolle Skinner-Matrix. Jeder wie er will.
    Viel Spaß in London auf der finovate (hatte dieses Jahr leider keine Zeit).

    • electrouncle

      Hallo Herr Lochmaier,

      zunächst mal. Sich unbeliebt machen ist doch
      gut. Auf der anderen Seite beschreiben Sie auch eine Realität, die man bedauern kann oder auch nicht. Übertragen wir das doch mal
      auf die Filmbranche, da setzt auch Hollywood die Maßstäbe, obwohl es immer wieder auch sehr gute deutsche Filme gibt, die aber kaum einer sehen will. Ansonsten stimmen Ihre Aussagen gegenüber Brett King wohl nicht ganz, denn er hat ja eine Bank gegründet. Mehr kann man wohl kaum
      machen um zu beweisen, in welche Richtung sich die Banken zukünftig bewegen. Ein weiteres Argumen
      t für Skinner und King ist meiner Meinung genau das, was Sie kritisieren. Einfachheit und poentierte Darstellung verbunden mit einer gewissen Polarisierung.

      Die Diskussion hatten wir ja schon einmal vor einem Jahr. Ich schätze Ihre Arbeit sehr, bezüglich des Weges habe ich da aber etwas andere Sichtweisen. Man muss da ja auch zwischen dem was man für richtig hält und dem
      was möglich ist unterscheiden. Der missionarische Weg wird wohl – leider nicht funktionieren

      schöne Grüsse von der Finovate

  • Lothar Lochmaier

    Von missionarisch ist bei mir gar keine Rede. Auch pointieren ist an sich keine große Kunst, mache ich genauso, auch andere Blogger hier. Wo ist also der USP, vor dem wir uns verstecken müssten? Aber lassen wir mal die verbale Haarspalterei, Brett Kings neue Bank ist vor allem eine tolle Marketingidee, in amerika kann man das große Rad drehen, während in Deutschland hier natürlich nicht zu realisieren. Wir haben einfach keine Innovationskultur, sondern lieben es andere in Schubladen zu stecken. Der Punkt ist nicht, hier etwas madig zu machen, sondern die deutschen Tugenden hervorzuheben, es geht auch nicht um mich, ob Sie mich schätzen oder nicht, sondern um das, was unsere Blogosphäre eigenständig an Besonderheiten bieten kann, und da gibt es grade im Bankwesen jede Menge innovativer Ansätze, warum also immer gen Westen schielen…..

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