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Fintech, Payment, PSD II

Regulatorik /Fintech / PSD II … und was hat das mit Zahlungsverkehr zu tun?

Gastbeitrag von Matthias Hönisch, Head of Cards beim BVR

 

„Die Banken sind im Umbruch“, „Banking is necessary, banks are not“: das sind einige Schlagzeilen, die zurzeit auf Messen und fintech-Veranstaltungen zu hören sind – doch ist bei genauerer Betrachtung dies seit über 15 Jahren ein Thema. ‚fintech‘ scheint das buzzword der Zeit zu sein. Und in der Tat gibt es interessante Ansätze, aus denen Banken von fintechs lernen können und müssen, wie Kundenbedürfnisse besser bedient werden sollten. Die Banken sollten sich dem Thema stellen und in der Tat scheinen immer mehr Banken die Augen vor der Realität nicht mehr zu verschließen. Allerdings ist ‚fintech‘ letztlich nichts Neues: da Banken bereits in der Vergangenheit solche Unternehmen gekauft bzw. mit ihnen kooperiert haben: Star Finanz bei den Sparkassen und elaxy in der gFG sind hier Beispiele. Warum ‚greifen‘ nun die fintechs gerade im Zahlungsverkehr an, der doch in den vergangenen Jahren als ‚langweilig‘ galt: Der Zahlungsverkehr

 

  1. ist ein täglicher Kontaktpunkt mit den Kunden, daher wird das ‚Bezahlen mit Smartphone‘ z.B. durch fintechs vorangetrieben (hier droht die Disintermediation der Banken)
  2. hat das Potential, in das Thema big data einzuzahlen (mögliche neue Erlösmodelle zumeist für Nicht-Banken) und
  3. ‚scheint‘ einfach zu sein. Hier mussten jedoch in der jüngsten Vergangenheit Unternehmen wie ClickAndBuy und Yapital Lehrgeld bezahlen, da sie nicht verstanden haben, dass sich Kundenbedürfnisse nur langsam ändern UND dass die MIF Regulierung die Erlösmodelle komplett verhagelt hat

 

Zudem ist deutlich geworden, dass die größte Herausforderung für Banken nicht das sich verändernde Kundenverhalten ist, sondern die Regulierung. Allein aufgrund der MIF Verordnung (2016) gehen den deutschen Kreditinstituten auf der Erlösseite ca. 463 Mio. € Erlöse p.a. verloren[1]. Einen deutlich größeren Einfluss wird die PSD 2 haben, die ab 2018 in Kraft treten wird. Hierbei geht es darum, dass die von Banken privat finanzierte Infrastruktur Dritten (diesen gegenüber preisfrei) geöffnet werden muss (bekannt als Kontozugriff durch Drittdienste oder ‚XS2A‘), während aber Betrugsschäden primär von den Banken gemanagt werden müssen. Bereits heute ist es in Deutschland vergleichsweise einfach, einen Kontozugriff zu bekommen, da Banken mit finTS bereits einen Standard geschaffen haben. Fintech-Dienste, die automatisierte Zugriffe (Kontoalarme etc.) bieten, können gut für die Bank sein, da sie das Bankkonto in den Mittelpunkt stellen und wenn der Service als Bankservice wahrgenommen wird. Insofern bieten fintechs den Banken hier gute Chancen – wenn man es als Bankengruppe ‚richtig spielt‘.

 

Allerdings stellen sie auch eine erhebliche Kostenbelastung für die Banken dar, da nicht mehr der (menschliche) Kunde die Schnittstelle bedient, sondern der ‚fintech-Service‘ durch die Maschine gesteuert wird, die durch teilweise minütliche Datenabfragen der Bank erhebliche Kosten verursacht (5-10 € im Monat wurden von Banken genannt). Dies steht möglicherweise mit preisfreien bzw. volumenunabhängigen Pauschalpreismodellen in Konflikt. Neue Kontenmodelle mit Volumentarifen, wie sie Mobilfunk-Unternehmen im Angebot haben, könnten daher auch im Bankumfeld bald eingeführt werden.

 

Was sollen Banken tun: Banken dürfen sich nicht auf die Rolle des Abwicklers reduzieren las. Banken sollten den Kunden selber gute Lösungen anbieten (eigen- oder fremdentwickelt), damit ihr Brand im Bewusstsein des Kunden verankert bleibt. Auch daher sind für Banken Innovationen wie paydirekt oder girocard kontaktlos so wichtig. Zudem müssen sich Banken den Herausforderungen auf der IT-Infrastrukturseite (‚Authentikation als Schlüssel zum Konto‘) stellen: kundenfreundliche und sichere Authentikation ist der Schlüssel zum Erfolg.

 

[1] PaySys für das Jahr 2014

 

Regulatorik,Fintech, PSD2

Matthias Hönisch

Matthias Hönisch ist ‚Head of Cards‘ beim BVR, dem Spitzenverband der genossenschaftlichen FinanzGruppe und ist in der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) für das Thema girocard mitverantwortlich. Zudem vertritt er die DK in der Cards Working Group beim EPC (European Payments Council). Vorher war er u.a. bei PayPal International verantwortlich für den Zahlungsverkehr (Zentral-Europa) und das Kartengeschäft (eBay-Kreditkarte).

 

 

 

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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