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NFC und meine Hosentasche

Einfaches für den Einfachen

Menschen sehnen sich  nicht nach NFC Anwendungen oder Diensten. Es existiert sozusagen kein natürliches Bedürfnis. Aber haben sie sich Autos, Fernsehen oder das iPad gewünscht? Dennoch kann man sich ein Leben ohne diese kulturellen Hervorbringungen heute kaum noch vorstellen. Starbucks hat innerhalb von nur 3 Monaten in 6800 Filialen über 3 Millionen Menschen dazu gebracht mit dem iPhone oder Blackberry zu bezahlen. Auch wenn hier statt NFC noch 2D Barcodes genutzt wurden, zeigen diese Zahlen, dass Menschen offenbar bequeme, einfache und Aufwände reduzierende Technologien sehr schnell annehmen. Zumindest in Ländern, die nicht Deutschland heißen.

Die mobilen Geräte werden unser Leben weiter verändern. Viele Dinge werden einfacher, schneller und bequemer werden. Auf der anderen Seite werden Diskussionen zu den Themen Datenschutz, Sicherheit, Privatheit, Persönlichkeitsrechten und auch Herrschaftsfragen neuen Stoff erhalten. In Sachen Vereinfachung und Bequemlichkeit liegen die Pro Argumente für NFC auf der Hand und es ist deshalb kein Wunder das google auf diese Technologie setzt und auch Apple. Man greife einfach mal in seine Hosen- und Jackentaschen, um das Potential dieser Technologie abschätzen zu können.

Meine Taschen nach aussen gekehrt

Fangen wir bei meiner Geldbörse an. Diese ist in der Regel gefüllt mit Bargeld, diversen Karten, alten Taxiquittungen, Rechnungsbelegen, Visitenkarten, einem Ausweis und einigen Bildern. Sie ist dementsprechend dick und beult sowohl Hosentaschen als auch Anzugtaschen ganz schön aus. Ästhetisch gesehen kein sehr schöner Anblick:

Kreditkarte und Bankkarte liessen sich mittels NFC sehr leicht in das Mobiltelefon integrieren. Besonderer Vorteil: Mit einem intelligenten Tool liessen sich alle Transaktionen übersichtlich darstellen. Eine Echtzeitverbindung zum Konto würde Kostenkontrolle zu jedem Zeitpunkt ermöglichen.

Der Schritt zur Ersetzung von Münzen und Scheinen ist technisch ein sehr leichter. Kulturell sieht das sicherlich anders aus. Meine Geldbörse fühlt sich aber schon leichter an.

Meine Krankenversicherungskarte ist ebenfalls leicht zu ersetzen. Sie wäre in vielerlei Hinsicht erweiterbar bis zur Hinterlegung von Krankheitsdaten, die im Notfall über ein noch zu entwickelndes Sicherheitssystem wertvolle Daten für Ärzte oder Erstretter liefern könnten. Grundsätzlich wären auch Terminvereinbarungen und -Erinnerungen um einiges leichter.

Dauerkarte und Mitgliederausweis des 1FC Köln. Schwups im Mobiltelefon verschwunden. Auch hier sind viele Zusatzdienste integrierbar: Zahlungsmittel, Fahrkarte, besondere Angebote und Coupondienste, Mitgliederzeitung, etc.

Karte für die Autoversicherung: Nicht mehr erforderlich.

Sixt Karte gestrichen!

BahnCard. Wird endlich nicht mehr gebraucht. Zusätzlich würde der lästige und dauerhafte Griff zur Geldbörse wegen ständiger Kontrollen obsolet. Einkäufe in der Bahn kein Problem. Reservierung ohne langes Warten oder anstehen. Erwerb und Buchung von Bonuspunkten . Rabatte und Coupons für Verspätungen.

Personalausweis und Reisepass wären ebenfalls sehr einfach zu ersetzen und es gäbe viele schöne Zusatzfunktionen, über die sich zumindest staatliche Institutionen freuen würden.

Auch Taxiquittungen und andere Belege könnten der Vergangenheit angehören Ganz zu schweigen von Visitenkarten. Selbst die Karte für das Sonnenstudio, welche ich – was mir ein wenig peinlich ist – in meinem Portemonnaie mit mir führe- wäre zu ersetzen und im Sonnenstudio wäre Selbstbedienung zu allen Tageszeiten möglich. Eventuell liesse sich sogar ein System ausdenken, welches aus der natürlichen und künstlichen Sonnenstrahlung eine Art Risikoprofil erstellt.Dafür braucht es natürlich mehr als NFC.

Kein Problem ist auch das Ersetzen jeglicher Art von Schlüssel oder Zugangskontrolle, womit meine Hosentaschen erst einmal leer wären. Vom Brillenputztuch einmal abgesehen.

Was NFC noch alles könnte:

  • Austausch von Kontaktdaten
  • Vergleich von Produkten, Preisen, etc.
  • Bewertungen einholen und abgeben
  • An Orten einchecken und auschecken
  • Werbung und Informationen einholen
  • Lernen und Verstehen bei tägliche Aktivitäten ( Einkauf, Medizin, etc.)
  • Lebewesen und Sachen finden, identifizieren und überwachen
  • Intelligente Dinge
  • Neue Sicherheitssysteme
  • ….

Herausforderungen für Banken

NFC wird Banken nicht überflüssig machen, es wird aber im Bereich Payment auch keine neuen Märkte für die Banken schaffen. In den westlichen infrastrukturell bereits sehr gut ausgerüsteten Märkten, bedeutet mobile Payment lediglich eine Modernisierung allerdings mit erheblichen Kosten Vorteilen. Ausserdem wird es eine gewisse Zeit dauern, bis die Bürger in ihrem Verhalten umschwenken werden. Man betrachte nur mal die skeptische und zurückhaltende Haltung zur Kreditkarte. Oder nehmen wir den wohl gescheiterten Geldchip auf der Bankkarte.

Dennoch sollten sich Banken rechtzeitig mit dem Thema beschäftigen. Kooperationen mit TK Unternehmen oder Technologieanbietern wären sinnvolle Schritte, da wir uns hier in eine Richtung bewegen, welche Banken nicht mehr alleine beherrschen können und sie werden die technologische Entwicklung und vor allem das Entwicklungstempo nicht bestimmen.

Möglicherweise gibt es aber ausserhalb der Payment Anwendungen durchaus auch neue Geschäftsfelder für Banken. Zum Beispiel als Sicherheits- oder Vertrauensprovider, denn noch besteht ja durchaus ein Vertrauensvorsprung z.B vor Telekommunikationsanbietern. Dann sollten aber auch in Sachen Bequemlichkeit und Einfachheit der Lösungen und Dienstleistungen Fortschritte gemacht werden, denn – wie zu Beginn der Ausführungen gesagt- hierin liegen entscheidende Verkaufsargumente für alle Produkte innerhalb einer ständig komplexer werdenden Welt. Anwendungen, welche diese Komplexität reduzieren und hierzu gehört NFC mit Sicherheit versprechen hohe Erfolgchancen.

Was denken Sie? Ist NFC eher Fluch oder Segen für die Banken?

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • FSW

    Hi Boris,

    schöner Artikel! Ich glaube mobile Payments sind eine Chance für Banken. Wenn Banken sich dem Thema nicht annehmen, machen es Wettbewerber (wie beispielsweise Paypal im Internet). Alleine aus dieser Perspektive macht es für Banken Sinn sich mit dem Thema zu beschäftigen. Was sie ja durchaus auch tun. In unserem Blog haben wir ein Video eines Pilotprojekten der Rabobank. In diesem Video wird gezeigt wie mobile Payments via NFC funktionieren könnten. http://blog.volksbank-buehl.de/2011/02/19/mobile-payments/

    Viele Grüße
    FSW

    • electrouncle

      Hallo Franz,

      Banken müssen sich des Themas natürlich annehmen. Ich sehe auf Basis meines aktuellen Wissens über die Bankenbranche aber wenig Chancen, dass NFC irgendeiner deutschen Bank einen Wettbewerbsvorteil liefern könnte. NFC wird eher für Nicht Banken eine Chance bieten. Von den Banken wird dann irgendwann eine technische Lösung gewünscht werden, dass wird dann aber dann aber ähnlich wie Online Banking oder Mobile Banking nur eine neue Anwendung werden, um neuem Nutzerverhalten gerecht zu werden.

  • AP

    Hallo Herr Janek,
    jeder, der diesen Weg geht kann sich zwar einerseits über Vereinfachungen freuen, wird aber andererseits ein Sklave und begibt sich in neue Abhängigkeiten. Mein Weg ist das nicht!
    Übrigens ist das Beispiel noch nicht zu Ende gedacht. Auch die alterhergebrachten Schlüssel können integriert werden. Den NFC-Chip sollte man auch nicht in ein Handy stecken. Das ist viel zu gefährlich. Denken Sie an das Verlustrisiko. Der konsequente Weg ist die Implantation unter die Haut. Das ist technisch möglich.

    Viele Grüße
    AP

    • electrouncle

      Hallo,

      Sie wissen ja wie es heisst: An meine Haut lasse ich nur Wasser und… Das war doch mal ein Werbespruch eines Seifenherstellers. Hier müsste man richtigerweise von “ unter meine Haut sprechen“ . Und das lehne ich wiederum
      vollständig ab. Ansonsten hat eben
      alles Im Leben mindestens zwei Seiten. Wo würden Sie denn Chancen sehen?

  • Michael Barth

    Hallo Herr Janek, wirklich eine interessante Herangehensweise. Passgenau veröffetnlicht mit dem Artikel des Spiegel:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/gadgets/0,1518,753613,00.html
    Hier kommt in meinen Augen wirklich etwas auf uns (und die Banken) zu.

    Beste Grüße und auf bald

    Michael Barth

  • AP

    Diese neuen Technologien sind ideal für die zentrale Erfassung von Daten der Anwender. So können leichter Bewegungsprofile erstellt werden. Das ist eine großartige Chance für die staatlichen „Terrorismusbekämpfer“.
    Für die anbietenden Firmen bietet die neue Technologie eine tolle Chance Kunden langfristig zu binden, wenn der Anbieterwechsel entsprechend kompliziert gestaltet wird.
    Für Konsumenten steht die Verheißung im Raum, dass das Leben dadurch viel unkomplizierter wird. Nach ein paar Jahren merken sie dann, dass ihr Leben nicht leichter, sondern nur anders geworden ist.

  • Elmar Borgmeier

    Die kulturelle Hürde bei der Einführung von NFC hale ich für hoch (ähnlich Geldkartenchip). Deswegen wird man zunächst möglichst nah am Etablierten bleiben. Apple kann die Geräte liefern und hat den iTunes-Store, in dem Kartendaten hinterlegt sind. Damit fehlt „nur“ noch die Akzeptanzinfrastruktur am POS. So wird Apple starten – und damit mobile Payment erstmal als Kreditkartenzahlung etablieren. Was aber vermutlich nicht die endgültige Lösung sein wird – warum sollten die Akzeptanzstellen es mögen, wenn Apple und die Kreditkartenunternehmen mit kassieren?
    Auf den anderen Plattformen, insbesondere beim Marktführer Android, ist die Ausgangslage noch unübersichtlicher. Ich sehe sehr gute Chancen für Banken, sich einzubringen. Weil Banken beim Thema Geld eher Akzpeptanz finden als Google. (Siehe Googles Allianz mit Citigroup). Liebe Banken, Google braucht Euch, um erfolgreich zu sein. Lasst diese Gelegenheit nicht an Euch vorbeigehen!

    • electrouncle

      Hallo,

      ein interessanter Aufruf dem man sich direkt anschliessen möchte

  • Christian Ohning

    Hallo Herr Janek,

    ich habe diesen Artikel damals mit Interesse gelesen und gleich in meinem Neuen Blog-Artikel einfließen lassen.

    http://www.neulich-im.net/2011/06/google-wallet-die-zukunft-des-bezahlens/#more-44

  • Anonymous

    […] Durch die Integration in das Handy können nun auch Gutscheine, Rabattmarken oder Ähnliches in das Handy integriert werden. In der Zukunft sind auch Boardkarten oder Schlüssekarten vorstellbar. Es könnte also der totale Taschenentleerer werden. Vieles was man so in der Tasche durch die Weltgeschichte trägt könnte damit ersetzt werden. Zu diesem Thema hat sich vor einiger zeit der Finanzblogger Boris Janek Gedanken gemacht. […]

  • Die Bank am Handgelenk | Finance 2.0

    […] NFC und meine Hosentasche […]

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