title

Blog

Meine 5 Spielverderber Thesen vom 2. Genobarcamp

Das 2. Genobarcamp

War doppelt so gross und ein voller Erfolg. Da kann man nur Dankeschön sagen an die Organisatoren und vor allem die Teilnehmer, die durchweg nicht als Konsumenten sondern als Prosumenten kamen. So viel hierarchiefreien Dialog habe ich in meiner nunmehr zehnjährigen Verbundzeit fast noch nie erlebt. Und sogar die Kollegen aus Lustenau waren da. Wer weiss, vielleicht ist dann das Barcamp No.4 in Österreich, nachdem das Dritte in Münster sein wird.

Spielverderber

Wie es sich gehört, habe ich natürlich auch eine kleine Präsentation gehalten. Allerdings habe ich auf Power Point verzichtet und wie ich zugeben muss, sind die Thesen eines Spielverderbers auch erst zwischen 23.00 und Mitternacht in meinem Hotelzimmer entstanden.

Hier also meine 5 Thesen, warum Social Media für uns (die genossenschaftlichen Gruppe) nicht die Lösung ist:

1. Wir sind zu alt für Social Media

Ich behaupte wir alle, die vor 1980 geboren sind, sind nicht in der Lage Social Media richtig zu verstehen. Uns ist diese Form der Kommunikation und des Dialoges so fremd, wie zu meiner Zeit den meisten Menschen die Punk Musik fremd war. Deshalb sind wir eigentlich nur geduldet.

2. Nur soziale Marken sind wirklich erwünscht

Diese These schliesst sich direkt daran an. Nur 6 % der Menschen unter 18 und ca. 12 % der Menschen unter 30 möchten sich überhaupt mit Unternehmen oder Marken in den sozialen Netzwerken (vor allem Facebook) verbinden. Soziale Marken sind teil des täglichen Lebens der Menschen und vor allem der jungen Menschen und sind bzw. können Banken soziale Marken sein

3. Social Media ist zu teuer

Unternehmen müssen natürlich Erlöse erzielen und das ist der Grund, weshalb Social Media letztendlich immer an diesem Ziel orientiert sein muss. Social Media von Unternehmen ist deshalb immer anders und muss gemessen werden. Vor allem weil – auch wenn viele Unternehmen Social Media in die Kategorie Image einordnen – im Internet viel besser gemessen werden kann, als in allen anderen Medien. Wenn es aber in erster Linie um Vertrieb von unemotionalen Produkte geht, wäre dann nicht jede Methode des Performance Marketings viel günstiger? Würden wir, wenn wir die Arbeitszeiten und Personalaufwände tatsächlich in ein Verhältnis zu den Ergebnissen stellen würden, nicht plötzlich feststellen, dass Social Media sich für Banken gar nicht lohnt?

4. Social Media ist zu emotional für unemotionale Produkte

Ich vertrete ja die These, dass die wenigsten menschlichen Entscheidungen wirklich rational sind. Wir enscheiden eher emotional und spontan und rationalisieren unser Verhalten im Nachhinein. So sitze ich gerade in einem Raum in dem nahezu jedes Produkt eine emotionale Bedeutung hat, außer meine Geldbörse die neben mir liegt, diese – bzw. deren Inhalt benötige ich natürlich- um die Produkte des Raumes zu finanzieren, aber die emotionale Bedeutung hat dann eher wieder die Arbeit, mit welcher ich das Geld verdiene. Wie bedeutend Emotionalität ist, beweist Lionel Messi: Ein Tag auf Facebook 7 Millionen Fans. Oder auch der Fall zu Guttenberg oder andere emotional besetzte Themen und Menschen. Können gute oder schlechte Banken in den sozialen Medien wirklich etwas erreichen?

Und die fünfte und letzte These des Spielverderbers: Finanzunternehmen können nicht transparent und authentisch sein. Warum nicht? Das liegt noch nicht mal hauptsächlich an den Finanzunternehmen, sondern viel eher an den Regulierern, Gesetzgebern und anderen Institutionen, die sehr streng auf das Verhalten der Finanzunternehmen achten. Allein schon deshalb wird es ein langer Weg werden zu sexy Bankprodukten, die sich aber vielleicht auch niemand wünscht. Nicht alle können und müssen sexy sein. Wobei Sie trotzdem den neusten Blog Artikel der Volksbank Bühl lesen sollten, über einen interessanten neuen Trend und einen Hauch von gamification werden wir in einer Welt von Computerspielern sicherlich erleben.

Und damit verlasse ich die Rolle des Spielverderbers wieder und bin auf der Suche nach Gegenargumenten oder – wenn es unbedingt sein muss – nach weiteren Spielverderber Argumenten. Wie sieht es vor allem mit den jungen Menschen aus. Sehe ich das zu negativ?

Und das war das erste genobarcamp

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Clemens

    gebookmarked 😉 zu these 2) und die Ü40? quelle? 😉

  • fsw

    Hi Boris,

    interessante Thesen. An allen Thesen ist sicherlich was wahres dran. Aber ich glaube nicht, dass nur soziale Marken soziale Netzwerke nutzen können. Die gegenwärtige Nutzung sozialer Medien beschränkt sich ja auf „erste Gehversuche“. Die wahren Potenziale liegen meines Erachtens darin, sich als Unternehmen zu öffnen (Stichworte: Crowdsourcing und Open Innovation) und die Erkenntnisse von Kunden zu nutzen um Produkte und Leistungen anzupassen (und die könnten dann auch einen Hauch von spielerischen Inhalten beinhalten: http://blog.volksbank-buehl.de/2011/04/07/gamification-–-auf-dem-weg-zu-„sexy“-bankprodukten/). Warum sollten diesen Öffnungsprozess nur soziale Marken gehen können?

    Vielleicht ist das Ganze ja einfach ein Annäherungsprozess. Unternehmen müssen auch lernen (dürfen). Und da noch keine Bank den heiligen Gral in Sachen Social Media Nutzung gefunden hat, muss man einfach Stück für Stück weiter machen, neue Dinge probieren und voneinander lernen. Die Barcamps sind da mit Sicherheit ein guter Schritt im FinanzVerbund. Schade, dass ich heute nicht dabei sein konnte. Aber beim 3. Barcamp bin ich definitiv wieder an Board.

    Viele Grüße
    FSW

  • Keine Angst vor leerer Agenda: Barcamp im Unternehmenseinsatz | DoSchu.Com

    […] “Spielverderber” meldeten sich zu Wort 😉 – es war schließlich kein Barcamp der uneingeschränkten Befürworter von Social Media im […]

  • Keine Angst vor leerer Agenda: Barcamp im Unternehmenseinsatz | DoSchu.Com

    […] “Spielverderber” meldeten sich zu Wort 😉 – es war schließlich kein Barcamp der uneingeschränkten Befürworter von Social Media im […]

Post A Comment

 

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Der erste April ist vorbei

deshalb geht es normal weiter. Ich hoffe mein verzweifelter Versuch auch mal einen Aprilscherz zu platzieren, hat wenigstens den ein...

Schließen