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Kleine Polemik: Wie Facebook mich verstimmte

The unsocial network

Gestern fand die groß angekündigte Facebook Entwicklerkonferenz f8 statt. Und Facebook hat uns nicht enttäuscht: Marc Zuckerberg will offenbar die Weltherrschaft. Was einige Blogs oder auch Presseportale lapidar unter der Überschrift abtun, dass Zuckerberg Facebook zu unserem Tagebuch oder besser zu unserem „Lebenstagebuch“ machen möchte, ist nichts anderes als die vollständige Durchkommerzialisierung des Lebens. Marc Zuckerberg macht aus jedem unserer Atemzüge und aus jeder menschlichen Entäußerung eine potentielle Chance auf den Verkauf eines Produktes oder einer Dienstleistung für irgendein Unternehmen auf der Welt. Gleichzeitig nimmt er uns das letzte Fünkchen  Hoffnung auf die verändernde Kraft des Internets. Dabei gibt Facebook die Regeln vor und die Unternehmen müssen mitmachen. Bei nunmehr 800 Millionen Nutzern weltweit gibt es für keine Branche mehr eine Chance sich nicht irgendwie auf Facebook und Zuckerberg einzulassen. Viele Unternehmen werden profitieren, die meisten Menschen werden dagegen verlieren, es sei denn Sie verzichten darauf Mitglied des Netzwerkes zu sein.

Werbenetzwerk statt soziales Netzwerk

Facebook schafft das größte Werbenetzwerk der Welt. Prinzipiell wird alles zur Werbung. Facebook wird ein weltumspannender Fernsehsender und der Mensch landet wieder auf der Couch, wenn er sie denn jemals verlassen hat. Wir können konsumieren und haben gleichzeitig noch den Eindruck selber etwas zum Programm beizutragen, indem wir gefällt mir oder zukünftig auch: gesehen, gefühlt, oder gekocht, klicken dürfen. Oder wie Douglas Rushkoff in seinem Buch Life Inc. schreibt:

Yes, we are using media differently, sitting in chairs and uploading stuff instead of sittin on couches and downloading stuff

Big Brother oder die Berlin WG von RTL 2 können wir nun live und in Farbe zu jedem Zeitpunkg und aus jeder Wohnung der Welt sehen und nebenbei katalogisieren wir jede unserer Regungen für alle, an unseren Daten interessierten Stellen: Staat, GEZ, Finanzbehörden etc. ,direkt noch mit.

Und als nächstes brauchen wir auch keine Staaten und Regierungen mehr. 800 Millionen weltweit vernetzte und wohl auch kontrollierte Menschen, dass können Staaten nicht leisten. So etwas funktionierte bisher nur über Kriege oder mühsame und teure Globalisierungsstrategien. Zukünftig kann dies ein soziales Netzwerk und deshalb beginnt nun der letzte Kampf der Giganten. Staaten vs. Facebook

Ich bin verstimmt. Spätestens jetzt gibt es für kein Unternehmen mehr eine Ausrede die sozialen Medien nicht zu nutzen. Wer weiter dabei bleiben möchte, muss sich anmelden. Aber es gibt auch eine gute Nachricht für Unternehmen. Die Regeln für Marketing, Vertrieb und Kommunikation haben sich eigentlich doch nicht geändert.

Und jetzt muss ich mich entscheiden: Bleibe ich dabei oder melde ich mich ab. Wie entscheiden Sie?

Alle Facebook Pläne auf einen Blick bei allfacebook.de

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Alex Peter

    Ich hab‘ mich erst gar nicht angemeldet. FB ist umterm Strich nur ein großer Zeitdieb, so wie auch das Fernsehen. Einen Zwang zum Mitmachen empfinde ich in keiner Weise, auch nicht für Unternehmen. Und im Übrigen glaube ich das FB seinen Zentih schon erreicht hat.

    Gruß
    AP

    • electrouncle

      Hallo Herr Peter,

      wenn man Facebook mal als Kommunikationsinstrument begreift, dann wird es durchaus problematisch sein, wenn man diese Form der Kommunikation nicht mehr nutzen kann. Gerade für Unternehmen. Die Frage ist, ob sich wirkliche Alternativen zu Facebook entwickeln können. Grundsätzlich geht es ja nur um die Kommunikationsform und weniger um das soziale Netzwerk. Nur was soll ich in Nischennetzwerken, in denen ich andere Menschen nicht mehr erreichen kann. Eigentlich brauche ich nur ein soziales Netzwerk oder eben durchlässige miteinander verbundene soziale Netzwerke. Hieran werden die letzten Konkurrenten im Internet aber kein Interesse haben. Jeder will den ganzen Kuchen. Insofern hätte ich schon Probleme, wenn ich Facebook nicht mehr nutzen könnte. Und diese Frage stellt sich mir gerade sehr akut.

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