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Interview mit Rethink Finance

Rethink financeJunge Menschen wollen und müssen die Welt verändern. Wo fängt man da an? Am besten gleich ein Finanzunternehmen gründen und damit dort beginnen, wo viele Probleme unserer Zeit produziert werden. Dies dachten sich zumindest die Gründer von Rethink Finance, deren Unternehmen am 03. Juli die Arbeit aufnimmt.

Die Idee

rethink finance ermöglicht den Menschen selbstbestimmt darüber zu entscheiden, wie ihr gespartes und angelegtes Geld verwendet wird. Zu diesem Zweck informiert eine Online-Plattform auf einfache, transparente und umfassende Weise über Finanzprodukte, bei denen der Kunde sieht in welche Unternehmen und Projekte sein Geld fließt. Diese Produkte werden derzeit von den vier nachhaltigen Banken in Deutschland angeboten: GLS Bank, Triodos Bank, Umweltbank und Ethikbank. Neben dem informativen Aspekt kann der User direkt über die Plattform die besagten Produkte erwerben. Somit wird er wieder Herr über seine Finanzen und macht unsere Gesellschaft gleichzeitig zukunftsfähiger, indem nachhaltige Projekte und Unternehmen bevorzugt werden.

Die Gründer

Hinter diesem Start-up stehen die drei Studenten Alexander Decker, Bernhard Flohr und Gibran Watfe.Die Gründer sind davon überzeugt, dass Geld Gutes bewegen kann. Diese einfache Einsicht wollen sie an viele andere Menschen vermitteln. Das Ziel ist es, dass Geld zukunftsorientiert und verantwortlich verwendet wird.

Das Interview

rethink finance ein spannender, vielversprechender aber auch provozierender Unternehmensname. Wollt Ihr eine Bank gründen oder wollt Ihr Banken sogar überflüssig machen?

rethink finance ist der Finanzdienstleister für junge Menschen und alle die, die selbst entscheiden wollen in welche Unternehmen und Projekte ihr Geld gesteckt wird. Wir wollen das Privatkundengeschäft der Banken aufmischen. Denn unserer Meinung nach vernachlässigen sie das Bedürfnis ihrer Kunden nach nachhaltigen und transparenten Spar- und Anlageprodukten.

Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell. Welche Produkte werdet Ihr anbieten, welche Zielgruppe steht im Fokus und was wird eure wesentliche Erlösquelle sein?

Zunächst einmal sind wir keine Bank, sondern Finanzdienstleister. Die nachhaltigen Banken in Deutschland haben alle einen jahrzehntealten Kundenstamm, der erst seit kurzem, vor allem im Zuge der Finanzkrise, eine neue Gruppe von Menschen anzieht. Aus unserer Erfahrung erreichen sie mit ihren Produkten allerdings bisher nicht die eigentlich für die Zukunft wichtigsten Gruppe: junge, gebildete Menschen. Bei ihnen herrscht oft großes Unwissen.

Das Ziel unseres Unternehmens ist es so viele Geldströme wie möglich in nachhaltige Bahnen zu lenken. Dazu werden wir erst einmal nur Giro- und Tagesgeldkonten von nachhaltigen Banken anbieten, bald aber auch weitere Finanzprodukte aufnehmen, um den Impact zu vergrößern. Für die Vermittlung erhalten wir von den Banken eine Provision, mit der wir sehr transparent umgehen werden und von der wir einen erheblichen Teil an den Kunden weiterreichen werden.

Die Idee nachhaltiger und transparenter Geldanlagen ist ja nicht ganz neu. Auch die Triodos oder die GLS Bank sind in diesem Marktumfeld tätig. Wie unterscheidet Ihr Euch von diesen Anbietern, was macht Ihr anders oder besser?

Wir wollen hauptsächlich Menschen erreichen, denen Nachhaltigkeit wichtig ist und die oft im Internet unterwegs sind. Darüber hinaus sprechen wir allerdings auch andere junge Menschen an, die eher pragmatisch denken. Wir wollen bald auch weitere Produkte und Dienstleistungen anbieten und dies am Feedback unserer Community ausrichten. Zunächst starten wir allerdings nur mit Giro- und Tagesgeldkonten, um ein erstes Feedback vom Markt zu erhalten. Wir setzen von Anfang an auf organisches, nachhaltiges Wachstum. Umsätze werden wir daher zunächst durch Provisionen von Partnerbanken machen, die wir zu einem großen Teil an den Kunden weiterreichen. Mit der Erweiterung der Produktpalette, die auch innovative Anlagemöglichkeiten beinhalten wird, ändert sich allerdings auch unsere Umsatzstruktur.

Warum habt Ihr Euch für Euer Start up ausgerechnet den Bankenmarkt ausgesucht. Nicht gerade sehr einfach und wohl auch nicht die typische coole Idee, die man von start ups in der Regel erwartet?

Wir ernten zugegebenermaßen in der Startup-Szene oft zunächst skeptische Blicke, wenn wir erzählen in welcher Branche wir uns bewegen. Wenn wir den Kollegen aber mehr vom nachhaltigen Geld anlegen erzählen, wird klar welches Potential dahintersteckt und warum es so wichtig ist Bewusstsein und Wege zu schaffen. Das Bankwesen scheint uns noch sehr in alten Strukturen zu verharren. Das Verhältnis zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber ist verloren gegangen. Wir wollen den Menschen auf einfache Weise die Freiheit zurückgeben zu entscheiden, was mit ihrem Geld passiert.

Wie muss sich eurer Meinung die Finanzwelt entwickeln. Kann es überhaupt eine andere Art von Bank innerhalb eines kapitalistischen Wirtschaftssystems geben bzw. können Unternehmen wie rethink finance mehr sein als nur ein neues Angebot für Verbraucher.

Wir finden, dass sich die Banken mehr an den Bedürfnissen der Menschen orientieren müssen. Das heißt, sie sollten transparenter gegenüber ihren Kunden auftreten und Ihnen auch Finanzprodukte mit sozial-ökologischer Rendite bieten. Wir wollen ein Treiber für die Banken werden, damit sie sich in diesem Sinne mehr am Kunden orientieren.

Gibt es  historische oder persönliche Vorbilder, die Euch zu Eurer Idee motiviert haben?

Der social business-Ansatz von Mohammad Yunus war eine wichtige Inspiration. Wir orientieren uns an seinem Modell, welches das soziale Ziel eines Unternehmens in den Vordergrund stellt und bei dem die Wirtschaftlichkeit nur als Voraussetzung dient. Außerdem beschäftigten wir uns mit der Theorie von Tim Jackson, die besagt, dass u.a. ökologisches Investment ein wichtiger Baustein für eine nachhaltigere Gesellschaft darstellt.

Was werden konkret Eure nächsten Schritte sein?

Am 3. Juli veranstalten wir unser Launch-Event und werden dort offiziell die Online-Plattform starten. Gleich danach wollen wir uns an die Weiterentwicklung setzen und hoffen auf viel Feedback von den Usern.

Vielen Dank für das Interview.

Mehr Infos zu Rethink Finance

http://www.rethinkfinance.de/

http://rethinkfinance.tumblr.com/

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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