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Im Schaukelstuhl des Grauens

Im Schaukelstuhl des Grauens

Der Verkauf der Fidorbank an die BPCE Gruppe, einer französischen Genossenschaftsbank, war sicherlich die Nachricht der Woche.

 

In der Woche davor war es der Erwerb der Banklizenz durch Number26, die zudem nun N26 heißen.

 

Insgesamt nehmen die Kooperationen und Kollaboration von Fintechs und Banken zu, wie die folgende Infografik aus dem Paymentbanking Blog zeigt. Einige Startups finden zudem ihr Geschäftsmodell nicht und müssen aufgeben. Was übrigens ein mehr als normaler Vorgang ist.

 

 

Als Reaktion beginnen die Mitarbeiter der etablieren Banken und auch einige Beobachter der Szene mit dem Abgesang auf Fintech. Metaphorisch gesprochen, begeben sie sich zurück in ihren gemütlichen Schaukelstuhl. Sie  träumen davon, dass der Spuk nun vorbei ist und alles wieder so wird wie es einmal war.

 

Bestärkt möglicherweise auch durch die Aussage von Mathias Kröner– getätigt in einem umfassenden Interview mit Chris Skinner: Das Fintech weder innovativ noch disruptiv sei.

Siehe hierzu einen Beitrag im IT Finanzmagazin

 

Aber wurde die  Aussage richtig interpretiert bzw. ist der Spuk jetzt vorbei?

 

Nein, er ist nicht vorbei (und auch die Interpretation, war meine Meinung nach falsch, aber dies kann nur MK selber bestätigen oder falsifzieren). Der Spuk erreicht gerade eine neue Phase und aus dem Schaukelstuhl könnte bald der Schaukelstuhl des Grauens für all jene werden, die glauben, dass die Bankenlandschaft auch nur mittelfristig so bleiben wird, wie sie momentan ist, und die sich darüber hinaus der Hoffnung hingeben, dass Fintech in irgend einer Weise einen Beitrag dazu leisten könnte und wollte, dass es weiterhin zahlreiche Filialen, mit zahlreichen Mitarbeitern von zahlreichen Banken geben wird.

 

Der Kauf der Fidorbank durch die BPCE Gruppe birgt für mich in erster Linie ein Learning für die etablierten Banken: Ohne die Kooperation mit Fintech Unternehmen oder anderen Startups wird es nicht gelingen, den Herausforderungen der exponentiellen Digitalisierung zu begegnen. Und selbst solche Kooperationen sind vorerst nur Experimente, deren Erfolg noch ungewiss ist.

 

Das sich N26 eine Banklizenz holt, hat – und dieses Learning sehe ich hier – nichts bzw. wenig damit zu tun, dass N26 nun mehr wie eine Bank werden möchte und die Vorteile der Regulierung sucht. N26 wird Bank, weil dies erforderlich ist, um vollwertige Finanzdienstleistungen in hoch regulierten Nationen anbieten zu können. Dabei wird man dort alles tun, nur dort wie eine Bank zu handeln, wo es (noch) erforderlich ist.

 

Die internationale Aufstellung von N26 zeigt aber zugleich – und die wenigsten regionalen Banken, haben dies bereits realisiert, dass Banking zusehends global ist und immer weniger regionale Sonderwege erlaubt.

 

Die Fintech Revolution wird von den Rändern kommen, so wie jede Revolution von den Rändern kommt. Die neuen Lösungen werden dort entstehen, wo Milliarden von Menschen immer noch keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen haben und wo sich schnell eine Infrastruktur durchsetzen wird, die auf mobile Endgeräte, Cloud und Smart Data setzt. Und sie wird in den Denk- und Technologie Fabriken dieser Welt entstehen und von Plattform Unternehmen wie Alibaba, Amazon, Uber, Google und Co. vorangetrieben.

 

Zudem entwickelt sich im weiteren Verlauf der technologischen Revolution ein grundlegend anderes Operations-, Organisations-, und Geschäftsmodell von Finanzunternehmen und eine neue Form von Hybridunternehmen, die gar nicht mehr als eine Bank erkennbar sind. Aus Fintech wird dann eine allgemeine Tech Bedrohung, denn Branchengrenzen werden wir bald nicht mehr kennen.

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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