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Ich war in Griechenland: Gedanken teil 1

Ich war in Griechenland

Mal nach der Finanzkrise schauen. Genauer gesagt: Ich war auf der Sonneninsel Rhodos, welche wir, der Mythologie nach, dem griechischen Gott Helios zu verdanken haben. Und weil Helios der Sonnengott war, scheint auf Rhodos an 260 von 365 Tagen die Sonne. Da die gesamte Zeit meines kurzen Aufenthalts von 10 Tagen die Sonne schien, macht Helios offenbar einen guten Job. Endlich mal ein Grieche, auf den die anderen Europäer und die Vertreter der Weltwirtschaft nicht mit dem Finger deuten können, um ihm die Schuld zu geben.

Wobei  es vielleicht ja sogar besser wäre, wenn man einem Gott die Schuld an dem ganzen Desaster geben könnte. Vielleicht werden die Reiseführer in einigen hundert oder tausend Jahren – falls der Mensch noch so lange auf diesem Planeten verweilen darf – aber auch von einem Gott oder gottähnlichen Gebilden, die man dann Kapitalismus, Euro oder  vielleicht auch Corporatismus nennt, als Mythologien unserer Zeit sprechen. Corporatismus meint  hier übrigens die Tatsache, dass Menschen immer stärker nach unternehmerischen Logiken handeln, auf die Sie von Staaten und Unternehmen über Jahrhunderte zugerichtet wurden. Social Media scheint dabei nur eine weitere Stufe der Vereinzelung und Individualisierung zu sein, welche die Menschen eher  weiter trennt, als sie wieder in soziale Zusammenhänge einzubinden.

Ich war also in Griechenland…

und habe dort Costas, Nikos und Wassily kennengelernt. Drei Mitarbeiter des Hotels, in welchem wir gewohnt haben. Drei Menschen die – und das ist nicht gelogen – mindestens sechs Tage in der Woche von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr abends gearbeitet haben. Wir trafen Sie morgens beim Frühstück, zum Mittagessen und zum Abendessen. Und wir haben uns angefreundet. Irgendwie fühlt man sich nicht besonders gut, wenn man die Menschen hinter dem Wort sieht, welches von morgens bis abends unsere Nachrichten bestimmt. Die Griechenlandkrise, das böse Griechenland und die bösen Griechen. Dabei ist die Griechenlandkrise doch auch nur eine Staaten und Bankenkrise, die eigentlich damit begann, dass Maggie Thatcher, Clinton und auch Schröder den Banken freie Hand gaben und ihnen Möglichkeiten und Aufgaben zuteilten, die sie vorher nie zuvor hatten. Die Betonung liegt auf Staaten-  und Bankenkrise, denn diese sind untrennbar miteinander verbunden und feuern sich gegenseitig an. Eigentlich handelt es sich um eine Systemkrise. Krisen gehen normalerweise auch irgendwann einmal vorbei. Weshalb wir eigentlich auch nicht mehr von Krise sprechen dürften.

Griechenland blickt auf eine lange und abwechslungsreiche Geschichte zurück. Das Land verfügt über eine gewachsene Kultur, die im Rahmen der Europäisierung auch unter dem Motor der Vereinheitlichung leidet. Alles wird gleich, von allen Menschen wird das gleiche Verhalten verlangt. So gleichen spanische, griechische, italienische und auch deutsche Innenstädte wie ein Ei dem anderen. Überall  die gleichen Geschäfte. Bezahlt werden, muss überall mit dem Euro und auch Service Qualität und Freundlichkeit bzw. Unfreundlichkeit gleichen sich an. Dabei kann man aus den Griechen keine Deutschen machen und aus Deutschen keine Griechen. Ich wünsche mir, dass Costas, Nikos und Wassily so bleiben wie sie sind. Lassen wir uns von Staat, Politik, Institutionen und Unternehmen als Menschen nicht weiter auseinander definieren. Das der Mensch immer Sündenböcke benennen muss, um Geschehnisse zur rationalisieren und diesen auch die Bedrohlichkeit zu nehmen, ist hinlänglich bekannt und wissenschaftlich bewiesen. Dieses Spiel sollten wir aber nicht weiter mitspielen. Stattdessen sollten wir unsere Fähigkeit zur Differenzierung und zur Kontingenz schärfen, um unsere Abhängigkeit von Organisationen, Institutionen und Unternehmen zu reduzieren.

Seit Donnerstag bin ich wieder in Deutschland

Der Temperatursturz von 20 Grad hat mir eine Erkältung beschert. Auf dem Bus vom Flughafen zu meiner Wohnung, gab es dann direkt eine Lehrstunde Deutschland. Dann die Nachrichten im TV und ein Fußballspiel. Ach wäre ich doch in Griechenland geblieben.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Alex Peter

    Guter Text. Diese „Finanzkrise“ hat, neben den vielen anderen schädlichen Wirkungen, das Potential die Völker gegeneinander aufzuhetzen. Dem sollten wir alle entgegenarbeiten.

    Gruß
    AP

  • Blick Log Shortcuts v. 13.9.11

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