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Herr Erdogan und die Lehre für Banken

Der Mann ist 59 Jahre alt. Er wundert sich über die  Jugend von heute. In der Türkei rebellieren überwiegend junge Leute gegen ein Regime, das vielen von ihnen zwar langsam zunehmenden wirtschaftlichen Wohlstand beschert, auf der anderen Seite aber einem eher undemokratischen, kontrollierendem und hierarchisch organisierten Führungsstil bevorzugt. Und dieses Regime – zwar demokratisch gewählt – setzt sich überwiegend aus eher älteren Männern und wohl auch einigen Frauen zusammen, welche mit einem längst veralteten Menschenbild in einer inzwischen digitalisierten, aus vernetzten Menschen bestehenden Welt, zu regieren versuchen.

Konfliktlinie zwischen Jung und Alt

 

Überall – nicht nur in der Türkei oder in den arabischen Staaten, entsteht eine Konfliktlinie zwischen Jung und Alt, die ,nicht zuletzt durch das Internet, Wirtschaft und Gesellschaft verändern wird. Die Entwicklung wurzelt natürlich auch in einer zunehmenden ökonomischen Unzufriedenheit und einer Verschlechterung der Verhältnisse, welche vor allem die jungen Menschen betrifft. Und wird weiterhin genährt durch die tiefe Verwurzelung individueller Wertemuster innerhalb dieser jungen Generation. Die Alten versuchen gleichzeitig verzweifelt ihren Machtstatus und ihre wirtschaftliche Lage zu festigen und zerstören dabei die Perspektiven der nachwachsenden Generation.

Anpassungsfähigkeit

Auch Unternehmen sind immer konkreter mit einer sich rasant verändernden Welt konfrontiert. Was gestern galt, ist heute schon obsolet. Aus Erfolgen aber auch aus Marktforschungen der Vergangenheit, lässt sich nicht mehr auf die Zukunft schließen. Junge Menschen haben andere Vorstellungen.

Unternehmen müssen in erster Linie anpassungsfähig werden. Sie müssen die Veränderung im Unternehmen institutionalisieren und dabei natürlich auch mit internen Widerständen umgehen. Kann zum Beispiel eine Bank, deren Geschäftsmodell vor allem auf das Angebot ihrer Dienstleistungen über eine Filialstruktur basiert, sich den digitalen Herausforderungen stellen und sich langsam zu einer Online First Bank (besser wäre natürlich Customer First Bank) entwickeln?

Die polnische BRE Bank scheint dies zu schaffen und wird im Laufe des Jahres eine Umfirmierung vornehmen. Das Unternehmen wird dann mbank heißen und damit den alten Namen und zum großen Teil auch das alte Geschäftsmodell durch die bisherige Zweitmarke ersetzen. Den Mut das Neue auszuprobieren mit dem Risiko der Kannibalisierung des alten Modells, diese Kompetenz müssen viele Unternehmen entwickeln, denn ausharren und abwarten wird nicht funktionieren.

Veränderung

Veränderung kommt nicht von alleine. Man braucht nicht nur Mut, man benötigt Kompetenz oder die Fähigkeit Entwicklungen zu beobachten und frühzeitig richtig einschätzen zu können. Es geht nicht darum von der eigenen Fähigkeit zur disruptiven Innovation zu träumen. Keine der bestehenden Bankengruppen wird hier erfolgreich sein, denn Banken haben noch weniger die Fähigkeit und wahrscheinlich auch die Möglichkeit (Regulierung, Verbraucherschutz, Finanzkrise, etc.) eine solche Stecknadel im Heuhaufen zu finden, wie Unternehmen aus anderen Branchen.

Für eine Bank wäre es aber schon ein erster Schritt die eigene Unternehmensvision und Geschäftsstrategie aus dem Keller zu holen und diese im Hinblick auf die digitale Ökonomie zu betrachten und entsprechend zu verändern, um nicht kurz- oder vielleicht auch erst mittelfristig zum Opfer der digitalen Evolution zu werden. Wenn ganze Staaten oder sogar politische Systeme ins Wanken geraten, dann müssen auch Banken an die eigene Vergänglichkeit zu glauben beginnen. Auch wenn sie heute noch so mächtig und groß erscheinen und von Staaten gerettet werden.

Interne Kompetenzen

Damit dies überhaupt gelingen kann, benötigt man entsprechende interne Kompetenzen und vor allem die entsprechenden Mitarbeiter. Wenn sich das System mit aller Gewalt vor Veränderung wehrt, dann wird es scheitern. Staaten können vielleicht noch eine Zeit lang auf das Mittel der Gewalt vertrauen. Unternehmen haben diese Option nicht und sicherlich würde auch kein Unternehmen oder Unternehmer diese Option in Betracht ziehen.

Führung benötigt Offenheit. Offenheit erzeugt Anpassungsfähigkeit. Offenheit ist unverzichtbar, weil Kontrolle schon lange nicht mehr möglich ist – schauen wir auf die Türkei. Wenn keine Kontrolle mehr besteht, dann ist Austausch und Interaktion wichtig. Es geht um den Aufbau von Beziehungen und die Entwicklung von gegenseitigem Vertrauen. Unternehmen werden damit zu sozialen Gebilden. Jene Menschen in Ihrem Unternehmen, die heute und auch zukünftig noch erfolgreich führen möchten und sollen, brauchen besondere Fähigkeiten und Eigenschaften, damit offener Informationsaustausch und gemeinsame Entscheidungen möglich werden.

Veränderung kann nur entstehen, wenn sie Innen auf fruchtbaren Boden fällt. Nehmen wir Social Media – für mich eigentlich nicht mehr als das Instrument das Veränderung hervorruft und erfordert – als Beispiel. Fällt Social Media auf Beton, kann es seine Kraft nicht entfalten. Es bleibt Marketing. Noch schlimmer, es ist das schlechteste Marketing, dass sie sich vorstellen können, weil es nichts erreicht, weil es nichts verändert und sich gegenüber den Verbrauchern (vor allem den jungen Verbrauchern) nur lächerlich macht. Fällt es jedoch auf fruchtbaren Boden und wird von den Führungskräften als Chance gesehen und gehegt und gepflegt, dann kann es sich prächtig entwickeln und dies gilt dann umso mehr für das Unternehmen. Dazu braucht es Führungspersönlichkeiten, die in erster Linie optimistisch sind, also auf einem positiven Menschenbild aufbauen und die auf Zusammenarbeit also Kollaboration setzen. Was viel  mehr ist als der überstrapazierte Begriff teamorientiert ist. Womöglich müssen Sie diese Führungskräfte erst einstellen und vielleicht haben diese noch nicht einmal eine Bankausbildung.

Bereit für den Wandel?

Wenn Sie also bereit für einen Wandel sind und den Weg gehen möchten, sich vielleicht erstmals oder erneut (weil die bisherigen Ergebnisse frustrierend sind) mit Social Media beschäftigen, dann beginnen Sie damit herauszufinden, wie offen Ihr Unternehmen ist, wie offen es sein kann und sein muss und wie Sie dorthin kommen? Ein großartiges Buch zu diesem Thema ist übrigens:

Open Leadership: How Social Technology can transform  the way you lead!

Das packe ich jetzt in mein Buchpaket für den Mann aus der Türkei. Wobei er ja nur die extreme Spitze eines Eisberges ist. Gibt es überhaupt einen Staat auf dieser Welt, der mehr Demokratie wagen möchte?

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Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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