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Genoconomy

Ich bin ein unverbesserlicher Idealist. Eigentlich müsste ich jeden Tag mit dem Song: Heal the world, make it a better place von Michael Jackson aufwachen und einschlafen. Mach ich zum Glück nicht, entspricht nämlich nicht meinem Musikgeschmack.  Obwohl ich die Musik von Michael Jackson durchaus schätze.  Als Idealist begeistern mich vor allem Ideen, die Menschen dabei helfen ein besseres Leben zu führen.  Ideen, die Menschen befreien, schützen, unabhängiger und selbstständiger machen und in erster Linie an deren Wohlbefinden interessiert sind. Womit ich nicht sagen möchte, dass es nicht legitim wäre für eine Leistung, die ein wesentliches Problem löst ,Geld zu verlangen. Ganz im Gegenteil.

 

Auf der anderen Seite bedauere ich, dass so manche soziale Idee im Internetzeitalter an Bedeutung verliert, weil die dahinter stehenden Menschen Technologien skeptisch bis feindlich gegenüber stehen. An der genossenschaftlichen Bewegung ist die Digitalisierung hierzulande bisher weitgehend vorbei gegangen.

 

Wenn ich nun zusammenfasse, was sich in letzten Jahren, Monaten, Wochen und Tagen gehört, gelesen und gelernt habe, dann wird es Zeit für eine Manifest zur Entwicklung einer genoconomy. Hier eine erste Vorlage.

GENOCONOMY

 

Genossenschaftliche Idee, Sharing Economy und Blockchain

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Die genossenschaftliche Idee ist geeignet, um einen am Gemeinwohl orientierten Umbau der weltweiten Ökonomie zu erreichen. Sie war von Beginn an eine soziale Innovation, die basierend auf den Grundprinzipien Solidarität, Subsidarität und Hilfe zur Selbsthilfe auf eine vernetzte, selbstorganisierte und möglichst hierarchiefreie Form der Organisation gesetzt hat.

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Viele auf genossenschaftlichen Wurzeln beruhende Organisationsformen haben sich in den letzten Jahrzehnten (zu) weit von ihrer Ursprungsform und -idee entfernt und sind zu ununterscheidbaren, auf Gewinnmaximierung setzende, Unternehmen geworden.

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Traditionelle genossenschaftliche Organisationen haben sich darüber hinaus wenig bis gar nicht modernisiert, sie sind häufig technikfern und haben deshalb unter der Digitalisierung gelitten und die großen Chancen der Digitalisierung weitgehend noch nicht erkannt.

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Mit der Sharing Economy ist – durch das Internet – eine weltweite Bewegung entstanden, in der Menschen, startups und Unternehmen gemeinsam Werte produzieren, distribuieren und konsumieren. Aus dem Wunsch nach Eigentum wird der gemeinsame – häufig nur temporäre – Besitz . Getrieben wird die Sharing Economy durch technologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklungen. Unternehmen und Organisationen der Sharing Economy entwickeln Produkte in Services, Services in Marktplätze und Marktplätze in Plattformen. Mit Hilfe von Plattformen wird die Silbe Co oder ko, die in Begriffen wie cooperation oder kooperieren usw. steckt zum Grundprinzip moderner Ökonomie.

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Damit öffnet sich erneut ein  Weg in Richtung Gemeinwohlökonomie, zusätzlich getrieben von der Dezentralisierung von Kommunikation, Energie und Logistik, wie es Jeremy Rifkin in seinem Buch die Null Grenzkosten Gesellschaft beschreibt. (Interessanter zusammenfassender Artikel von oekonews.at)

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Der Sharing Economy fehlt es aber noch weitgehend an einer sozialen Idee. Diese existiert nur an ihren Rändern, also in Bereichen, die nicht zum Werkzeug der klassischen kapitalistischen Privatisierungsstrategien geworden sind oder werden können.

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Die Verbindung von Sharing Economy und genossenschaftlicher Idee ist eine Chance für neue, stabile und auf regionalen Strukturen aufbauende Wirtschaftsformen. Wie sähe zum Beispiel ein genossenschaftliches Uber aus? Welche Potentiale würden in einem genossenschaftlichen AirBNB stecken?

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Es gibt bisher wenige Unternehmen/Organisationen, die dieses Potential bereites erkannt haben z.B. Fairmondo in Deutschland.

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Bringt man einen dritten Baustein ins Spiel, dann besitzt man die Grundzutaten, um regionale und genossenschaftliche Wirtschöpfungsmodelle zu entwickeln, von der Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und genossenschaftliche Organisationen profitieren könnten.

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Dieser dritte Baustein ist der bitcoin zugrundeliegende Wertaustauschmechanismus bzw. das bitcoin Protokoll Blockchain. Die Blockchain ermöglicht den dezentralen Austausch von Werten zwischen Menschen, Organisationen und Tools. Dazu bedarf es keiner Steuerungseinheit mehr. Mittelsmänner werden ausgeschaltet. Kosten werden sich extrem reduzieren. Jeder beliebige Vertrag wird auf p2p Basis geschlossen werden können.

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Zukunft und Rolle der genossenschaftlichen Banken

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Genossenschaftliche Banken waren in den letzten Jahren und Jahrzehnten wenig innovativ. Wesentliche Innovation bleibt die Gründungsidee. Trotz der Stärke dieser Idee haben sich  genossenschaftliche Banken in den letzten Jahrzehnten anderen Banken zu sehr angenähert.

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Sie folgten den Sparkassen, sie folgten den Direktbanken, sie versuchen den FinTech Unternehmen zu folgen. Alle Aktivitäten führten und führen dazu, die genossenschaftlichen Banken ähnlicher und austauschbarer zu machen.

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Die Orientierung an Anderen und am Durchschnitt führt in allen Branchen – in Verbindung mit sich erschwerenden  Marktbedingungen – zur Obsolenz.

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Die genossenschaftlichen Banken müssen sich grundsätzlich neu ausrichten und nach blauen und roten Ozeanen suchen.

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Die  Chance der genossenschaftlichen Banken liegt in der Rückbesinnung auf die genossenschaftliche Idee.

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Diese bietet, in Kombination mit der Sharing Economy, der Digitalisierung und insbesondere der Blockchain Technologie,  die Möglichkeit ein neues, zukunftsfähiges und zu der sich abzeichnenden „“Null Grenzkosten Gesellschaft“  passendes Organisations- und Geschäftsmodell zu entwickeln.

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Genossenschaftsbanken können zu regionalen Plattformen werden und regionale Wertschöpfungskreisläufe revitalisieren. Auf dieser Basis schaffen sie neue genossenschaftliche Finanzlösungen wie z.B.

  •  regionale Kreditvergabe über Gemeinwohl orientierte p2p lending und crowdinvesting Lösungen,
  • zinsfreie Kredite
  • Regionale Krypto Währungen als Vehikel für eine selbst organisierte regionale Gemeinschaft
  • Blockchain gestützte Online Kollaborationen
  • Wertaustausch unter Mitgliedern
  • Community Ownership
  • Community Land Trust
  • Community Investment Produkte/Leistungen
  • etc.

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Neben Finanzlösungen bestehen weitere wertvolle Potentiale für andere wertschöpfende Leistungen zum Nutzen der Menschen in einer Region. Zum Beispiel:

  •  Soziale Fürsorge
  • Gesundheits Fürsorge
  • Erziehungsleistungen
  • Leistungen für Senioren
  • Umweltschutz und Landwirtschaft
  • Energieversorgung (z.B. Solar Commons unter Nutzung eines regionalen Smart Grid
  • Regionale kooperative Sharing Services in Form von Marktplätzen und Plattformen
  • Kooperative Open Source Bewegungen
  • Förderung von solidarisch kooperativen Startups für lokale Dienstleistungen
  • Arbeitsplätze
  • Services für regionale Unternehmen

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Dies ist eine einzigartige Chance, die sich für einen kurzen Moment der Geschichte auftun wird  und die es jetzt oder nie zu nutzen gilt.

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Um diese Chance zu nutzen benötigt man zunächst ein mutige Vision, der man sich dann in kleinen Schritten annähern kann.  Wenn es der genossenschaftliche Gruppe gelingt zu  einem echten Maßstäbe setzenden Game Changer zu werden, wird es eine Zukunft geben. Ein Gamechanger will nicht nur ein wenig besser oder anders sein. Er denkt größer, sieht Dinge anders und definiert oder gestaltet Märkte nach seiner eigenen Vision. Er schafft es darüber hinaus seine Mitglieder, Kunden oder auch nur Teilnehmer Teil von etwas Größerem werden zu lassen. Die genossenschaftliche Idee ist etwas Größeres. Sie ist ein höherer Zweck.Der höhere Zweck den die Menschen in diesem Land brauchen. Belebt ihn wieder! Darüber hinaus bedarf es eines neuen bzw. erweiterten Geschäftsmodells.

 

Zur Erinnerung sei noch eingebracht:

Mitgliedschaft ist nicht der USP oder die Value Proposition. Sie ist das oder eine mögliches Ertragsmodell, welches jedoch sehr voraussetzungsvoll ist.

Und nun bitte ich um Ergänzungen, Anmerkungen und Verrisse. Getreu dem Motto. Fail early, Learn Fast

Eine Inspiration für diesen Artikel war dieses Dokument

 

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Robert Koch

    Ein genialer Artikel, welcher das derzeitige Dilemma der Genossenschaftsbanken widerspiegelt.
    Bei uns in Österreich ist es noch krasser, da die Volksbanken sich in einer Situation befinden, in der sie nur mehr Beifahrer im eigenen Fahrzeug sind – neben Finanzmarktaufsicht und Finanzministerium. Und so wie es aussieht stehen die Raiffeisenbanken gerade am Anfang wo die Volksbanken schon mittendrin sind…

  • Von “Genoconomy” bis zur Tatsache, dass eine Politik zwei Mal Schaden anrichtet… | Banks on Social Media

    […] erste Artikel, auf den ich eingehen möchte, ist jener von der Genoconomy von Boris Janek in sein Blog “Finance […]

  • Alexander Henk

    Guter Beitrag, der in die richtige Richtung weist. Genossenschaftsbanken sind von Ihrer Konstitution her soziale Netzwerke und haben damit in der DNA alle Anlagen, diesen Gedanken in die digitale Zeit zu übertragen. „Was einer alleine nicht schafft, das vermögen viele“ ist nichts anderes als shareconomy und collaboration. Eine Option könnte die regionale Netzwerkbank sein, der es gelingt sich und die Berater intensiv mit den Kunden sowie Kunden untereinander (FK mit FK, FK mit PK und PK mit PK) zu vernetzen und die Bank als Netzwerkplattform in der Region zu positionieren. Allerdings ist dafür der Schritt erforderlich, aus der eigenen Organisationsrealität raus in die Lebenswirklichkeit der Kunden zu kommen, also da zu sein wo der Kunde ist und Kundennähe nicht mit physischer Präsenz zu verwechseln.

  • SMCMUC: Social Banking - Greye Consulting

    […] Grundversorgung wie Internet, Handy, Stromversorgung und Banken in einem zu finden sind. • Genoconomy: ein Manifest von jungen Volks- und […]

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