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Finterview: Zinspilot

Freue mich ein weiteres Finterview veröffentlichen zu dürfen. Diesmal stand mir  Dr. Tim Sievers,  Geschäftsführer von Deposit Solutions Rede und Antwort. Deposit Solutions ist Betreiber des neuen Angebotes www.zinspilot.de. Der Clou: Mit einem Konto kann der Nutzer dauerhaft das jeweils attraktivste Tages- oder Festgeldprodukt nutzen.

 

Bitte stell kurz euer Produkt vor

Wir sind die erste Single-Account-Lösung für Tages- und Festgeldanlagen. Über ZINSPILOT können Sparer mit nur einem Konto die Angebote vieler Banken nutzen. Dank unseres innovativen Prozesses entfallen Postident und Einzelkontoeröffnungen für viele einzelne Konten – der Anleger kann so seine Anlagen zentral über einen Zugang steuern und innerhalb von 1-2 Minuten Geld anlegen. Tages- und Festgeldanlagen können problemlos auf mehrere Banken verteilt werden und über ZINSPILOT hat der Sparer alle Anlagen inklusive Steuerunterlagen immer im Blick. Wir bieten Komfort und bessere Zinsen in einem Paket, eine unschlagbare Kombination, wie wir finden.

 

Warum hast Du gegründet, Tim?

Mich hat die unternehmerische Selbstständigkeit schon immer gereizt. Nach meinem Studium in Oxford hab ich mich deshalb auch gegen ein Jobangebot bei einer Beratungsfirma und für das Startup eines Freundes als ersten Arbeitgeber entschieden. Ich hab dann noch in verschiedenen anderen Stationen angestellt gearbeitet, aber als ich für meine Idee für eine neuartige Kontenverwaltungsplattform den Gründerpreis „Pro Ideenfonds“ der Hansestadt Hamburg und der Europäischen Union  gewonnen habe, war der Startschuss für den Aufbau einer eigenen Firma gefallen. Mit den Mitteln aus dem Gründerpreis konnte ich einen Prototypen bauen und in 2011 die Deposit Solutions GmbH gründen. Wir haben es seither geschafft, eine erfolgreiche Kontenverwaltungslösung im Markt zu etablieren, die von zahlreichen Banken und Immobilienwirtschaftsunternehmen eingesetzt wird. Bei Gründung der Firma hatte ich auch bereits die Idee zu Zinspilot als erste offene Architektur für das Retail-Einlagengeschäft von Banken. Das hat dann sehr intensive auch bankenaufsichtsrechtliche Vorarbeit gekostet, aber wir sind jetzt anscheinend genau zum richtigen Zeitpunkt marktreif geworden. Unsere Lösung trifft gerade in Zeiten von drohenden negativen Zinsen auf eine hohe Nachfrage bei Banken.

 

Welches Kundenproblem möchtet ihr lösen?

Bisher hatten Sparer die Wahl zwischen schlechten Zinsen bei ihrer Hausbank oder immer neuen Anlagekonten bei anderen Banken. Die Eröffnung und Führung neuer Konten ist aber aufwendig: Kontoeröffnungsanträge ausfüllen, Postident durchführen, Kontoauszüge aufbewahren, Freistellungsaufträge verwalten, Steuerbescheinigungen hinterherlaufen und immer neue Online-Banking Zugänge bedienen – das nervt. Und kaum hat man eine neue Bankverbindung für eines der vielen Lockangebote eröffnet, senkt die neue Bank die Zinsen und das Spiel geht von vorne los. Viele Sparer geben sich deshalb mit niedrigen Zinsen zufrieden, oft unter der Inflationsrate, so dass sie jedes Jahr Geld verlieren. Mit ZINSPILOT können Sparer über ihr Hausbank-Konto eine Vielzahl von Anlageangeboten verschiedener Banken nutzen und bequem an einem Ort verwalten und so von nonstop besseren Zinsen profitieren. Anleger müssen nicht mehr für attraktive Zinsangebote die Bank wechseln. Die Eröffnung immer neuer Konten bleibt Ihnen erspart.

Und auch für Banken lösen wir ein wichtiges Problem: Mit ZINSPILOT können klassische Hausbanken Ihren Kunden direkt attraktive Zinsangebote für Spareinlagen bei anderen Kreditinstituten anbieten. So können sie verhindern, dass ihre Kunden über Lockvogelzinsen von Direktbanken abgeworben werden, ohne dafür selber hohe Zinsen bieten zu müssen. Aus Bankensicht ist ZINSPILOT dabei eigentlich nur eine logische Fortführung des Offenen-Architektur-Trends, d. h. Kunden eine anbieterübergreifende Produktvielfalt anzubieten. Fast keine Bank verkauft heutzutage nur noch hauseigene Fonds oder bietet nur die eigene Baufinanzierung an.

 

Finterview: Zinspilot

So funktioniert Zinspilot

 

Wie finanziert sich ZINSPILOT heute?

Zuallererst betreibt die Deposit Solutions bereits ein etabliertes und profitables B2B-Geschäft. Um ZINSPILOT den richtigen Anschub zu geben, haben wir zusätzlich Unterstützung bekommen von unserem VC e.ventures und einer Gruppe von Business Angeln wie zum Beispiel dem ehemaligen Team von ricardo.de mit Stefan Wiskemann, Christoph Linkwitz und Stefan Glänzer.

 

Bitte beschreibt kurz euer Geschäftsmodell

Unser Anlegerservice ist für alle Sparer und für alle teilnehmenden Hausbanken kostenfrei. Die Anlagebanken finanzieren den Service über eine Gebühr, die sie dafür entrichten, unsere Prozesse nutzen zu dürfen und Einlagen vermittelt zu bekommen.

 

Wie setzt sich euer Team zusammen?

Wir bei Deposit Solutions sind ein Team von über 20 Mitarbeitern. Sowohl IT-Experten, ehemalige Banker, Strategie-Consultants und auch Online-Marketing-Fachleute treiben ZINSPILOT gemeinsam voran.

 

Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren?

Lieber integrieren. ZINSPILOT ist ja kein Service, der den Hausbanken ihre Kunden wegnimmt, im Gegenteil: Wir unterstützen die Banken dabei, mit einer anbieteroffenen Einlagenarchitektur ihre Bestandskunden besser zu bedienen und an sich zu binden, ohne selber teure Überschussliquidität aufbauen und mit den Lockzinsangeboten von Mitbewerbern mithalten zu müssen.

 

Was könnt ihr besser als Banken?

Gar nichts. Wir können nur andere Dinge als Banken, weil wir eben selber keine Bank sind. Mit unserem Single-Account-Verfahren haben wir einen neuen Prozess entwickelt und stellen für Banken die technische Plattform bereit, diesen effizient und einfach zu bedienen. Als Software-Unternehmen betreiben wir sozusagen die Infrastruktur für eine offene Architektur für das Einlagengeschäft als nächsten logischen Schritt im Retail-Banking. Wir freuen uns darauf, wenn möglichst viele Hausbanken diesen Schritt für ihre Kunden mitgehen werden. Unser Modell ist sowohl für Direktbanken und auch Filialbanken interessant. Insbesondere Sparkassen, Volksbanken und Privatbanken mit Fokus auf Wealth Management finden unseren Ansatz spannend. Mit einer anbieteroffenen Architektur für Einlagen können Bankberater ganz gezielt im klassischen Beratungsgespräch punkten. Wir unterstützen Banken mit ZINSPILOT also auch in ihrem Kerngeschäft, dem Beratungsgespräch in der Bankfiliale.

 

Wo sehr ihr die größte Herausforderung in der Zukunft? Für Euch und in der Finanzbranche?

Wir wollen unseren Anlegerservice europaweit allen Sparern zur Verfügung stellen. Für die Finanzbranche sehen wir die große Herausforderung darin, wie Sparer nicht mittelfristig in die Negativzins-Falle laufen. Eine Zinswende ist nicht in Sicht. Banken müssen schneller nach Lösungen für ihre Kunden suchen anstatt niedrig verzinste Sparprodukte auf der Website zu verstecken. Wir sind da mit unserer anbieteroffenen Architektur eine Lösung. Dies bekommen wir auch als Feedback von vielen Banken zurückgespielt mit denen wir aktuell über eine Anbindung reden.

 

Seid Ihr mit der Entwicklung Eures Unternehmens im Plan?

Wir haben die Plattform seit Juni in der geschlossenen Beta in Betrieb, mit den ersten Anlegern und den ersten Banken auf beiden Seiten. Wir wollen das Angebot jetzt erweitern und die Plattform dann für alle Sparer öffnen. Wir schalten gerade nach benk, dem Online-Banking-Angebot der biw AG, mit der Sutor Bank die zweite Partnerbank online. In den nächsten Wochen folgen weitere Anlagebanken. Das Interesse der Banken ist groß und Anleger können sich darauf freuen, bald mit ZINSPILOT zu starten.

 

Habt Ihr vielleicht einen Tipp für andere Gründer?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich im FinTech gute langfristige Vorarbeit auszahlt. Das ist wichtiger als Time-to-market, weil es um das Geld der Kunden geht und weil Banken konservative Partner sind. Gerade im Retail-Geschäft kann man nur als vertrauensvoller Partner mit etablierten Prozessen bestehen. Dass wir schon seit 2010 hunderttausende von Transaktionen mit unserer Kontenverwaltungslösung abgewickelt haben, war für unseren Start mit einer Lösung für das Privatkundengeschäft bei Banken sehr wichtig.

 

Wofür würdet Ihr alles stehen und liegenlassen?

Das kommt auf den konkreten Fall an. Aktuell mache ich gerade aber genau das, was ich schon immer machen wollte.

 

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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