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Finterview: Twino

Twino ist der am schnellsten wachsende Peer-to-Peer (P2P) Kreditmarktplatz in Europa. Die Plattform wurde im Mai 2015 von der seit 2009 bestehenden lettischen Twino-Gruppe gegründet. Seitdem wurde über Twino mehr als 70 Millionen EUR an Konsumentenkrediten vergeben – mehr, als auf jeder anderen Plattform in so kurzer Zeit. Bisher investierten mehr als 4.000 Anleger aus insgesamt 30 Ländern weltweit auf Twino. 25 % des über Twino investierten Kreditvolumens stammt aus Deutschland.


 

Warum habt Ihr Twino gegründet?

Vor dem Launch unserer P2P-Plattform Twino war die Twino-Gruppe ein klassischer Balance Sheet Lender. Seitdem haben wir mehr als 300 Millionen EUR verliehen. Durch unsere Beobachtungen der Märkte in den vereinigten Staaten und dem UK haben wir gesehen, wie vorteilhaft das P2P-Modell sowohl für den Kreditgeber als auch den Kreditnehmer ist. Daher haben wir unsere Plattform mit der Vision gestartet, zum führenden paneuropäischen P2P-Lender zu werden. Das ist etwas, was andere Plattformen bisher nicht erreicht haben.

 

Welches Kundenproblem wurde von Euch gelöst?

Im derzeitigen Niedrigzinsumfeld ist es schwierig, angemessene Renditen auf Investments zu erzielen. Daher suchen Investoren nach alternativen Anlagemethoden. Hier kommen Peer-to-Peer-Plattformen wie TWINO ins Spiel – durch unsere Plattform können Investoren direkt in Konsumentenkredite investieren und zweistellige Erträge erzielen. Konsumentenkredite sind ein hochprofitables Geschäft, das vorher nur Banken zur Verfügung stand. Das Peer-to-Peer-Modell hat diese Anlageklasse für individuelle Investoren geöffnet.

 

Was ist Eure Value Proposition vor allem auch gegenüber anderen p2p Marktplätzen?

Durch unseren geographischen Fokus, also die Länder, in denen wir Geld verleihen – Polen, Dänemark und Georgien – sind wir in der Lage, Investoren höhere Renditen zu bieten. So können Investoren auf anderen europäischen Plattformen 5-7 % Rendite erzielen, bei uns sind es durchschnittlich über 12 % pro Jahr.

Ein weiterer starker Vorteil gegenüber anderen P2P-Marktplätzen ist zudem unsere Rückkaufgarantie. Diese greift, sobald sich die Rückzahlung einer Rate um mehr als 30 Tage verzögert – die Investoren erhalten dann sofort ihr investiertes Geld plus die in der Investmentperiode angefallenen Zinsen zurück. Diese Sicherheit ist wichtig und unserer Erfahrung nach auch sehr gefragt. Vor allem in einem Markt wie Deutschland, wo Investoren traditionell risikoscheu sind.

 

Wie finanziert sich Twino heute?

Seit der Gründung 2009 ist die Twino-Gruppe in Privatbesitz und hat immer profitabel gewirtschaftet. Hinter uns steht kein Venture Capitalist, weswegen wir in einer komfortablen Geschwindigkeit wachsen und weiterhin profitabel wirtschaften können.
Durch die P2P-Plattform haben wir zudem Zugang zu zusätzlichem Kapital von privaten Investoren. Somit kann Twino weiterwachsen, während durch den Spread der Zinssätze für Kreditgeber und -nehmer unsere Profitabilität gewahrt bleibt.

 

Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

Wir operieren in Märkten, in denen die Zinsen auf Konsumentenkredite extrem hoch sind – zum Beispiel in Polen. Dadurch können wir sowohl Investoren attraktive Renditen bieten als auch die Profitabilität der Plattform selbst garantieren. Im Durchschnitt erhalten Investoren auf Twino mehr als 12 % Rendite im Jahr auf ihre Investments. Das ist eine der höchsten Renditen auf europäischen P2P-Marktplätzen und bedeutend mehr als Investoren auf deutschen Plattformen erhalten. Gleichzeitig bieten wir mit unserer Rückkaufgarantie die gleiche oder sogar mehr Sicherheit als die deutschen Vermittlungsplattformen. Durch den Spread der Zinssätze für Kreditgeber und -nehmer wirtschaften wir profitabel.

 

Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Das Team der Twino-Gruppe besteht aus insgesamt 560 Mitarbeitern in sechs internationalen Büros. Unser Hauptsitz befindet sich in der lettischen Hauptstadt Riga. Unser Hauptquartier ist für die gruppenübergreifenden Funktionen wie Risikomanagement, IT, Finanzen und Business Intelligence zuständig, während die lokalen Büros sich um die Vergabe der Kredite und ihre Bedienung kümmern.

 

Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

Wir wollen Banken integrieren – Peer-to-Peer-Lender, und insbesondere Twino, haben schon bewiesen, dass sie deutlich günstiger und effizienter Geld an Kreditnehmer verleihen können als herkömmliche Banken. Daher sehen wir definitiv Potential für Kooperationen.

 

Was könnt Ihr besser als Banken?

P2P-Plattformen wie Twino operieren aufgrund kürzerer Abläufe deutlich schneller, nutzen neueste Technologien und sind flexibler, was die Adressierung der Kundenbedürfnisse angeht. Wir sind in der Lage, Kredite deutlich schneller und zu geringeren Kosten zu generieren als traditionelle Banken. Das ergibt ein starkes Fundament für Kooperationen, die für beide Seiten vorteilhaft sind.

 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für Fintech und die Finanzbranche?

Zur Zeit werden in Europa lediglich 0,5 % aller Kredite über Lending-Plattformen vergeben: Der Großteil liegt immer noch bei den Banken. Wir glauben, dass sich die Marktanteile in Zukunft zugunsten von Plattformen wie Twino verschieben werden – unsere Anlagekategorie hat das Potential, zur ernsthaften Alternative für herkömmliche Anlageklassen zu werden. Dafür braucht es allerdings noch mehr Transparenz, stabilere und verständlichere Regulierung und einen Lernprozess auf Investorenseite.
Wenn Sie einen Blick auf die Wachstumsraten des allgemeinen Marktes und konkret auf die Wachstumsraten von TWINO werfen, wird diese Entwicklung offensichtlich: Immer mehr Anleger sind davon überzeugt, dass über P2P-Plattformen effizienter, schneller und vor allem ertragreicher Geld angelegt werden kann als durch traditionelle Anlagemöglichkeiten.
Wie seid Ihr aktuell im Markt positioniert? Wie ist Euer Wachstum in den letzten 12 Monaten gewesen.
Seit wir die P2P-Plattform Twino vor etwas mehr als einem Jahr ins Leben gerufen haben, wurden mehr als 70 Millionen EUR über unsere Plattform investiert. Das ist mehr, als jede andere P2P-Plattform im ersten Jahr erreicht hat. Mit unserem monatlich generierten Kreditvolumen stehen wir derzeit auf Platz drei in Kontinentaleuropa, gleich hinter der französischen Younited Credit und Deutschland’s Auxmoney.

 

Welche Pläne habt Ihr konkret für die kommenden 12 Monate? Was steht 2017 an?

Wir gehen davon aus, dass unser Volumen weiterhin steigt und wollen zur führenden P2P-Plattform in Kontinentaleuropa werden.

 

Wie schätzt Ihr den aktuellen Hype rund um die Blockchain Technologie ein? Setzt Ihr Euch auch mit dieser Technologie auseinander und wo könnte Sie Euch weiter helfen?

Derzeit planen wir keine Implementierung der Blockchain-Technologie in unser Geschäftsmodell. Trotzdem sind wir für unsere Prozesse und Services natürlich konstant auf der Suche nach Innovationen. Insgesamt sehen wir die Blockchain-Technologie durchaus positiv, da sie innovative Ansätze zur Effizienzsteigerung bereithält.

 

Wenn ich Anleger auf Twino werden möchte, worauf muss ich achten und welche Kompetenzen muss ich mitbringen?

Als Anleger auf Twino muss man über 18 sein und ein Bankkonto in der Europäischen Union haben – mehr braucht es nicht. Twino ist sehr einfach und transparent aufgebaut und über die FAQs wird die Funktionsweise verständlich erklärt. Unser Kundenservice hilft zudem sehr gerne über das Telefon oder per Mail. Seit diesem Herbst haben wir unser Team erweitert, sodass der Kundenservice nun auch in deutscher Sprache zur Verfügung steht.

 

Finterview: TwinoJevgenijs Kazanins

ist seit Oktober 2015 Geschäftsführer von Twino. Zuvor war er Marketingchef beim Wettbewerber Bondora, einem internationalen Marktplatz für Privatkredite. Dort leitete er die Neuakquise von Kreditnehmern und -gebern. Kazanins besuchte die Stockholm School of Economics, wo er einen Bachelor of Science in Economics und Entrepreneurship erwarb. Bisherige Stationen seiner Karriere führten ihn nach New York, Moskau und Tallinn.

 

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Bankenmärchen

    Sehr interessante Artikel – Sehr interessantes Thema. Da steckt noch einiges Wachstum drin. Ich würde mich freuen, wenn Twino es schafft, größer zu werden. Mit den etablierten Anbietern (auxomoney) bin ich aufgrund der fehlenden Transparenz nur mäßig zufrieden1

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