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Finterview: solarisBank

Tim Kanning spricht von Lego Banken.  Die solarisBank bietet Bausteine für digitale Unternehmen und verfügt über eine Banklizenz. Offensichtlich ein Meilenstein, der auch verdeutlicht, dass die BaFin sich offener gegenüber dem Fintech Ökosystem zeigt. Mehr über die solarisBank und ihren Plänen erfahrt Ihr in diesem Finterview.

 

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Warum habt Ihr die solarisBank gegründet?

Bislang gab es keine Bank und keine Banking-Player, die sich exklusiv auf die Bedürfnisse von Startups, Fintechs sowie Digitalunternehmen konzentriert haben. Die meisten traditionellen Banken bewegen sich gerne innerhalb ihrer Cash-Cow-Zonen und sehen die Zusammenarbeit mit digitalen Unternehmen als Zusatzgeschäft. Bis eine Kooperation zwischen beispielsweise einem Fintech und einer Bank eingegangen wird, müssen extrem viele Hürden genommen werden. Die Verhandlungen sind zeit- und kostenintensiv. Für ein Startup ist dies absolut kontraproduktiv. Das Wachstum wird direkt zu Beginn gehemmt. Die Idee zur Gründung eines Banking-Partners dieser jungen Unternehmen entstand innerhalb des Company Builders FinLeap, der durch die Gründung zahlreicher Fintechs die Probleme von Partnerschaften mit traditionellen Banken aus erster Hand kennt. Genau deswegen wollten wir auch keine weitere “Bank” im klassischen Sinne gründen, sondern ein Tech-Unternehmen mit Bank-Lizenz. Ähnlich wie Tesla sind wir ein Problem von der Technologie-Seite angegangen, denn Tesla hat das Elektro-Auto mit dem Mindset eines Tech-Unternehmens von Grund auf neu gebaut, statt einfach nur den Verbrennungsmotor durch einen E-Antrieb zu ersetzen. Klar, greift Tesla nach wie vor auf Komponenten wie Türen, Reifen und Scheibenwischer zurück. Das Tech-Produkt, das entsteht, ist jedoch im Vergleich zu anderen Elektroautos ein gänzlich anderes. So haben wir auch die solarisBank aufgebaut: Wir haben aus der Perspektive eines Tech-Unternehmens einen modernen Banking-Partner konzipiert und umgesetzt. Die Banklizenz ist dabei nur eine Komponente, die wir zur Umsetzung unserer Idee benötigen.

 

2. Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

Einerseits benötigen viele Fintechs eine Partnerbank zur Ermöglichung ihres Geschäftsmodells. Als Tech-Unternehmen mit Banklizenz stehen wir Fintechs als regulatorischer Partner zur Seite. Dabei sprechen wir die Sprache von digitalen Unternehmen und sorgen für  eine reibungslose und unkomplizierte Implementierung in die Tech-Infrastruktur der Partnerunternehmen. Unser Fokus liegt klar auf Technologie. Alle Bedürfnisse können über eine einzelne Banking-API erfüllt werden. Das macht die Anbindung von Partnern an uns extrem einfach und spart im Endeffekt Zeit und Kosten.

Andererseits sehen wir, dass viele etablierte Digitalunternehmen nach Möglichkeiten suchen, ihre Geschäftsfelder zu erweitern. Sie verfügen über eine große Kundenbasis und viel Traffic. Hier bieten wir mit dem Zugang zu Banking-Services Möglichkeiten, diesen Traffic zu monetarisieren. In unseren Augen sind diese Unternehmen Second-View-Fintechs, da sie durch eine Partnerschaft mit uns Fintech-Services in ihr Geschäftsmodell aufnehmen. Unser Ziel ist es, Erfolg und Wachstum unserer Partner zu ermöglichen, indem wir ihnen die Banking-Services zur Verfügung stellen, die genau zu ihren Geschäftsmodellen passen. Dadurch werden wir zum “Enabler” der Digitalwirtschaft.

 

3. Was ist Eure Value Proposition?

Bei uns kommt erst Technologie und dann Banking. Dieser Erfolgsfaktor ist klar auf die Digitalwirtschaft abgestimmt. Beim Zustandekommen von Partnerschaften vermeiden wir Hürden, wo immer es geht, und setzen auf die schnellstmögliche technische Implementierung.

Dank unseres modularen Ansatzes suchen sich unsere Partner genau die Banking-Komponenten heraus, die sie für ihr Geschäftsmodell benötigen – und bauen sich wie mit Legosteinen ihre eigenen Lösungen selbst. Natürlich sorgen wir auch für die Erfüllung aller regulatorischen Anforderungen. Somit können sich unserer Partner mit der solarisBank an ihrer Seite voll und ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

 

Wie finanziert sich solarisBank heute?

Unsere Eigenkapitalausstattung ist sehr gut. Wir liegen deutlich über den Anforderungen für das Mindestkapital, das man für eine Banklizenz benötigt. Natürlich sind aber weitere Investitionsrunden geplant.

 

Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

Wir bieten eine Banking-Plattform für die Bedürfnisse digitaler Unternehmen. Auf dieser Plattform erhalten Digitalunternehmen über eine einzelne Schnittstelle Zugang zu den Finanz-Komponenten, die sie zur Umsetzung ihres jeweiligen Geschäftsmodells benötigen.

 

Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Seit dem Start 2015 ist bei uns ein 30-köpfiges Expertenteam aus  Entrepreneuren, erfahrenen Bankern und Entwicklern entstanden. Unsere Vorstände, Marko Wenthin und Andreas Bittner, waren bereits maßgeblich am Auf- und Ausbau von Banken in verschiedenen Management- und Vorstandspositionen beteiligt. Die Führungsriege komplementiert CTO Peter Großkopf. Bewusst haben wir uns für einen CTO ohne Bank-Background entschieden. Ausschlaggebend waren viel mehr Peters Tech- und Startup-Erfahrung. Peter hat zuvor als CTO der HitFox Group die Gründung mehrerer Adtech- und Fintech-Startups umgesetzt und das Software Engineering-Unternehmen Zweitag gegründet und geführt. Der größte Teil unserer Mitarbeiter aktuell und in Zukunft sind in der Tat Entwickler. Natürlich brauchen wir zur Umsetzung unserer Idee neben Bankern und Techies aber auch z.B. Risikomanager oder Regulatorik-Experten. Wir sind in der glücklichen Lage, mit Thomas Schmidt einen herausragenden Regulatorik-Kenner an unserer Seite zu wissen.

 

Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

Weder noch: Wir sehen eine Lücke im Markt, die bisher keine andere Bank besetzt. In dieser Lücke agieren wir als “missing link” zwischen Digitalunternehmen, der regulatorischen Aufsicht und Banken. Diese Verbindung der drei Welten stellt außer uns bisher kein anderes Unternehmen dar. Somit werden wir natürlich nicht das gesamte Geschäft, was klassische Banken bislang abdecken, disruptieren. In dem Banking-Bereich, in dem wir tätig sind – der Zusammenarbeit mit Digitalunternehmen – gibt es aber in unseren Augen keinen besseren Player als uns.

 

Was könnt Ihr besser als Banken?

Tech-Fokus, Zeit- und Kostenersparnis, Skalierbarkeit – also ziemlich viele wichtige Aspekte. Unser Vorteil ist darin begründet, dass wir mit Banking as a Platform (BaaP) ein gänzlich neues Modell verfolgen, das im absoluten Gegensatz zu dem vertikalen Ansatz klassischer Banken steht.

Traditionelle Banken haben immer noch zum Ziel – bildlich gesprochen – sowohl Finanzdienstleistungen als auch im Endeffekt Kunden unter einem Dach zu vereinen. In der heutigen Realität streben Kunden aber nach den jeweils besten Services, die zu ihren veränderten Bedürfnissen passen. Oftmals werden diese Services dabei von verschiedenen Unternehmen, seien es Fintechs, Startups oder etablierte Digitalunternehmen, angeboten und nicht von einer einzelnen Bank. Dem widmen wir uns, indem wir die vertikale Institution Bank in eine horizontale Plattform wandeln, auf der eben diese innovativen Unternehmen zusammenkommen können. Die meisten dieser Unternehmen benötigen keine traditionelle Bank an ihrer Seite, die ihnen uniforme Produkte verkaufen will. Vielmehr benötigen sie einen Partner, der eine gleiche Denkweise hat, keine hinderlichen Altlasten mit sich trägt und ihnen statt fertiger Produkte genau die Einzelteile anbietet, aus denen sie ihre eigenen Lösungen bauen können.

 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für Euch und die Finanzbranche?

Wir sehen extrem viele Möglichkeiten, um unsere Banking-Plattform weiterzuentwickeln. Die Menge der Geschäftsmodelle, die aus der Symbiose unseres Tech-Banking-Ansatzes und der Innovationskraft von Digitalunternehmen entstehen kann, überrascht uns jedes Mal auf’s Neue. Limitiert werden wir momentan einzig dadurch, genügend talentierte Entwickler zu finden, um alle Ideen auch umsetzen zu können. Hierbei spielt natürlich der altbackene Ruf, welcher der Finanzbranche in Teilen anhaftet, eine Rolle. Sowohl für die Finanzbranche als auch für uns ist diese schwierige Reputation herausfordernd. Eines unserer Ziele ist daher, ein Positivbeispiel für Finanzunternehmen zu sein, das mit der Attraktivität anderer großerer Tech-Unternehmen mehr als nur mithalten kann.

 

Wie erfolgt eure Marktbearbeitung/-eroberung?

Schon vor dem Launch standen wir im engen Austausch mit einigen potentiellen Partnern. Wie gesagt haben wir von Anfang eine Marktlücke gesehen und diese auch durch das Interesse sowohl seitens der Fintechs als auch etablierter Digitalunternehmen wiedergespiegelt bekommen. Das Interesse an uns ist seit dem Launch natürlich nicht geringer geworden. Wir werden bald offiziell erste Kunden nennen können, die mit unserer Zuarbeit innovative Lösungen auf den Markt bringen oder bestehende Lösungen auf dem technisch neuesten Stand anbieten werden.

 

Welche Pläne habt Ihr konkret für 2016?

Wir planen, bis Ende des Jahres Partnerschaften mit Unternehmen aus sehr diversen Anwendungsbereichen bekanntgeben zu können und damit im Endeffekt Millionen Endkunden zu erreichen.

 

Wer sind Eure Wettbewerber?

Wir sehen uns als erste Banking-Plattform, die sich exklusiv auf die Bedürfnisse digitaler Unternehmen konzentriert. So gesehen ist der direkte Wettbewerb überschaubar. Natürlich gibt es traditionelle Banken, welche die Nähe zu Fintechs und Startups suchen. Wir schätzen diese Banken sehr, da Fintech in Deutschland heute in der Form ohne sie nicht existieren würde.

 

Wie schwer ist es oder war es eine BaFin Lizenz zu bekommen und kann man die Tatsache, dass Ihre eine Lizenz bekommen habt als Indiz dafür bewerten, dass die BaFin durchaus Interesse daran hat, mehr Wettbewerb für Banken zu schaffen?

Wir haben sehr positive Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der BaFin gemacht – natürlich ist das Erhalten einer Banklizenz aber kein Spaziergang. Ausschlaggebend war vor allem, die Zusammensetzung unseres Teams, welches sowohl Banking-Erfahrung, Gründeraffinität als auch langjährige regulatorische Expertise vereint. Thomas Schmidt als Director Regulatory FinLeap hat im Kontakt mit der BaFin eine herausragende Rolle gespielt. Die BaFin hat erkannt, dass wir durch unseren Fokus auf Digitalunternehmen für die regulatorische Compliance möglichst vieler junger Unternehmen in diesem Bereich sorgen können. Das war definitiv von großem Vorteil.

Jetzt kommen die Lego Banken. Tim Kanning in der FAZ

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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