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Finterview: Scalable Capital

Finterview: Scalable Capital

Nur die Älteren werden sich noch erinnern. In den 70er Jahren sang die Düsseldorfer Elektronik Kapelle Kraftwerk: Wir sind die Roboter. Was damals noch Utopie war, wird nun mit jedem neuen Tag zur Realität. In der Bank vor Ort sitzt uns zwar noch kein Roboter gegenüber, aber gegenwärtig sind es „Robo Advisor“ mit denen FinTech Unternehmen Teile des Banking Geschäftsmodells und der Kunden übernehmen. Im Finterview  beantworten die Gründer von Scalable Capital meine Fragen.

Finterview: Scalable Capital

Warum habt Ihr Scalable Capital gegründet? ( Euer persönlicher Antrieb als Gründer)

Während unserer Zeit bei Goldman Sachs hatten wir in der Betreuung von Geschäfts- und Privatkunden einen guten Überblick über das Angebot an Finanzprodukten. Wenn wir aber von unserer Familie oder von Freunden gefragt wurden, wie sie ihr Geld anlegen sollen, konnten wir ihnen keine befriedigende Antwort geben. Ein Großteil der Produkte ist nämlich schlicht zu teuer, zu wenig diversifiziert, oder nicht individuell genug auf den Kunden angepasst.

Wir sind davon überzeugt, dass man durch den konsequenten Einsatz von Technologie und passiven Anlageprodukten dafür sorgen kann, dass auch Privatanleger ohne Millionen auf dem Konto sinnvoll Vermögen aufbauen und dabei nachts ruhig schlafen können. Deshalb haben wir Scalable Capital gegründet.

 

Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

Laut Bundesbankdaten liegen in Deutschland über 2 Billionen (!) Euro auf Giro-, Tagesgeld-, Festgeld-  und Sparkonten. Dieses Geld wird inflationsbedingt faktisch weniger, da die Zinsen den Wertverlust durch Inflation nicht ausgleichen. Viele Menschen wissen das auch. Ihnen fehlte bisher aber die Alternative. Sie wissen nicht, wie sie ihr Geld anlegen sollen. Andere können oder wollen sich nicht permanent mit dem Thema Geldanlage beschäftigen. Zudem haben viele Menschen das Vertrauen in die klassischen Bankangebote und Bankberater verloren – ganz zu schweigen von den hohen Kosten. Wir geben diesen Menschen nun eine Alternative: eine professionelle und bezahlbare Geldanlage, zugeschnitten auf ihre individuelle Risikotoleranz.

 

Was ist Eure Value Proposition?

Wir ermöglichen Privatanlegern einen nachhaltigen und langfristigen Vermögensaufbau. Dabei schonen wir die Nerven unserer Kunden, da wir ihre individuelle Risikotoleranz zum Gradmesser für unsere Portfolioverwaltung machen.

Viele Banken und Fondshäuser bieten ihren Kunden „moderate“ oder „chancenreiche“ Portfoliovarianten an. Aber was soll das heißen? Wie viel Risiko gehe ich damit ein? Wie viel Geld kann ich verlieren? Wir beantworten diese Fragen, indem wir das Risiko transparent machen. Bei uns weiß jeder Kunde ganz konkret und zu jedem Zeitpunkt, welches Verlustrisiko er eingeht.

Dazu ermitteln wir im Zuge der Anmeldung das individuelle Risikoprofil unserer Kunden. Auf Basis ihrer finanziellen und persönlichen Situation weisen wir unseren Kunden eine von 23 Risikokategorien zu. Dabei steht jede Risikokategorie für ein konkretes Verlustrisiko, das mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% – also statistisch gesehen in 19 von 20 Jahren – nicht überschritten werden sollte. So bedeutet beispielsweise ein Risikolimit von 12 Prozent, dass nur in einem von 20 Jahren ein Jahresverlust von über 12 Prozent eintreten sollte. Diese Risikokennzahl nennt man auch Value-at-Risk. Im Anschluss sorgen wir mit unserer eigens entwickelten Risikomanagement-Technologie dafür, dass das Portfolio dieses Risikolimit nicht verletzt. Sobald der Risikoausblick für das individuell zusammengestellte ETF-Portfolio ein höheres Verlustpotential prognostiziert, als vom Kunden festgelegt, wird das Geld automatisch in risikoärmere Anlageklassen umgeschichtet. In ruhigen Marktphasen, wenn das Portfolio auf Basis der aktuellen Gewichtung zu konservativ wird, schichten wir das Geld in risikoreichere Anlageklassen um. So profitieren unsere Kunden von Aufschwungsphasen, ohne ihr Risikolimit zu verletzen.

 

Wie finanziert sich Scalable Capital heute?

Mit vier Millionen Euro haben wir eine der größten Seed-Finanzierungen im europäischen Fintech-Bereich realisiert. Unsere Investoren sind Holtzbrinck Ventures, Monk’s Hill und die German Startups Group. Zusätzlich haben wir einige bekannte Business Angels wie Reiner Mauch, Rahul Mehta oder Dr. Steffen Pauls an Bord.

 

Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

Vereinfacht umfasst unser Service drei Bausteine:

Wir erstellen für unsere Kunden ein individuell angepasstes, global diversifiziertes Portfolio für den langfristigen Vermögensaufbau.
Dafür wählen wir die besten und kosteneffizientesten Exchange-Traded-Funds (ETFs) aus.
Wir überwachen und managen alle Portfolios fortlaufend mit unserer Risikomanagement-Technologie und automatisieren viele Aspekte rund um die Pflege der Portfolios.
Wir bieten diesen Service für 0,75% pro Jahr an – das inkludiert die Vermögensverwaltung, die Konto- und Depotführung sowie alle Handelsgebühren für Portfolioumschichtungen. Wir können das zu diesen Konditionen anbieten, weil wir alle Schritte und Prozesse, die für eine professionelle Vermögensverwaltung überflüssig sind, konsequent weglassen oder automatisieren. So laufen alle Prozesse online ab – von der Anmeldung über die Kontoeröffnung bei der Baader Bank, unserer Partnerbank, bis hin zum Service-Center und unserem Herzstück – unserer Portfolioverwaltung. Zudem agieren wir absolut unabhängig. Es gibt keine Drittpartner, die in irgendeiner Form „mitverdienen“ wollen.

 

Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Wir sind fünf Gründer – Erik Podzuweit, Florian Prucker, Patrick Pöschl, Adam French und Prof. Stefan Mittnik. Wir beschäftigen rund 25 Mitarbeiter – darunter viele promovierte Physiker, Statistiker und Informatiker, denn wir verfolgen einen quantitativ anspruchsvollen Ansatz.

Finterview: Scalable Capital

Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

Wir sind ganz klar ein Disruptor. Wir begreifen Disruption aber nicht als einen zerstörerischen Prozess, vielmehr geht es um die „Zugänglichmachung” einer Dienstleistung, die dem Kunden bisher nicht offen stand. Und genau das tun wir: Wir geben einer breiten Bevölkerungsgruppe Zugang zu einer professionellen Geldanlage und eröffnen damit einen neuen Markt.

 

Was könnt Ihr besser als Banken?

Wir sind schneller, kostengünstiger und absolut unabhängig. Vor allem aber sind wir eins: Wir sind transparenter. Etablierte Finanzhäuser haben noch immer nicht begriffen, dass die Generation der digital-affinen, gut ausgebildeten Menschen Transparenz einfordert. Diese Generation durchschaut unrealistische Renditeversprechen genauso wie Bankberater, die nicht das beste Produkt, sondern das mit der größten Provision empfehlen.

 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für Euch und die Finanzbranche?

Wir sehen zwei großen Entwicklungen in der Finanzbranche: Margenerosion und Spezialisierung. Zum einen werden immer weniger Menschen bereit sein, für simple Dienstleistungen wie z. B. ein Girokonto oder den Devisentausch zu bezahlen. Das liegt auch daran, dass es in diesen Bereichen immer mehr Wettbewerb und somit auch mehr Transparenz gibt. Zum anderen wird das Konzept der Universalbank an Bedeutung verlieren. Man braucht keine Bank mehr, die einem alles aus einer Hand anbieten kann, weil man sich selbst für alle Services den jeweils besten Dienstleister aussucht und durch den Zugriff per App keine Reibungsverluste mehr einhergeht. Das Mobiltelefon wird zum neuen „Dach“ für diverse Finance-Apps.

Diese Entwicklungen werden unserer Meinung nach nur diejenigen Anbieter überleben, die einen echten Mehrwert bieten. Wir glauben, hier vor allem mit unserer Risikomanagement-Technologie punkten zu können.

 

Wie erfolgt eure Marktbearbeitung/-eroberung?

Unser Service richtet sich in der Anfangszeit vor allem an Early Adopter, die den Nutzen unserer Risikomanagement-Technologie verstehen. Das sind beispielsweise Menschen, die in der Finanzbranche arbeiten und die Schwächen der aktuellen Produkte kennen oder Software-Entwickler, die verstehen, dass Technologie einen echten Mehrwert bei der Geldanlage bieten kann. Im Prinzip richtet sich unser Produkt aber an alle, die sich aus zeitlichen Gründen nicht selbst um ihre Geldanlage kümmern können oder wollen und gleichzeitig intelligent genug sind, sich nicht mit überteuerten Fonds über den Tisch ziehen zu lassen. Diese Zielgruppe will auch gar nicht mehr in eine Bankfiliale gehen. Sie will auch mit keinem Bankberater mehr sprechen. Deshalb bieten wir sämtliche Services und Prozesse online an – von der Anmeldung bis hin zur transparenten Auflistung der aktuellen Portfoliozusammensetzung und der vorgenommenen Umschichtungen.

 

Welche Pläne habt Ihr konkret für 2015?

Nach dem erfolgreichen Marktstart in Deutschland wollen wir nun möglichst viele Privatanleger von unserem Service überzeugen. Im Anschluss gehen wir in UK an den Start. Dort beantragen wir bereits die FCA-Lizenz.

 

Wer sind Eure Wettbewerber?

Unsere größten Konkurrenten sind Tagesgeld und Sparbuch. Die große Mehrheit der Deutschen investiert noch immer in renditeschwache Finanzprodukte, die nicht einmal die Inflation ausgleichen können.

 

Habt Ihr vielleicht einen Tipp für andere Gründer

Unterschätzt nie die Intelligenz Eurer Kunden und überlegt Euch, ob Ihr wirklich einen Mehrwert im Vergleich zu anderen Dienstleistern bieten könnt. Mit einem simplen “Me too”-Produkt sind die Erfolgsaussichten immer begrenzt.

 

Welches Fintech Unternehmen (außer das Eigene) oder welche Bank beeindruckt euch aktuell besonders?

Wir sind sowohl von TransferWise als auch von Revolut sehr begeistert. Beide Firmen ermöglichen es ihren Kunden beim Devisentausch signifikant Geld zu sparen, sowohl bei Überweisungen in andere Währungen als auch beim Bezahlen mit der Kreditkarte im Ausland. Wenn man diese Transkationen über traditionelle Banken und Kreditkartenfirmen abwickelt, kann man locker 3-5% an Geld verlieren – im Falle von Wechselstuben kann es sogar locker ein Vielfaches davon sein.

 

Internetseite von Scalable Capital

Presseartikel zu Scalable Capital

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Patrick

    Top Story bisher von Scalable Capital. Meiner Meinung nach einer der Besten Robo Advisor am Deutschen Markt.

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