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Finterview: Liqid

Finterview mit Paul Becker, Co Founder und Head of Marketing + Growth von Liqid einem neuen Fintech Startup, welches die „Private Vermögensverwaltung“ erneuern möchte und seinen Kunden Vermögensanlage der einfachsten Art offeriert.

 


 

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Warum habt Ihr LIQID gegründet?

Unser Team hat bereits vor der Gründung aus verschiedenen Perspektiven auf das Themenfeld “Private Vermögensverwaltung” geblickt: Als traditioneller Anbieter, als potentieller Kunde und als Digital Native. Aus Sicht eines traditionellen Anbieters fallen die Ineffizienzen und Interessenskonflikte bestehender Strukturen besonders auf. Als potentieller Kunde ist das bestehende Angebot häufig nicht zufriedenstellend und zudem nicht mehr zeitgemäß. Aus dem Blickwinkel moderner Technologien sind die Potentiale für den Finanzsektor und insbesondere für die Vermögensverwaltung schließlich offensichtlich.

 

Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

Eine wirklich erstklassige Vermögensverwaltung ist bis dato nur einem sehr wohlhabenden Klientel vorbehalten. Erstklassig heißt für uns vor allem individuell, transparent, unabhängig und natürlich kosteneffizient. Wie Untersuchungen zeigen, wird für Vermögen bis € 500.000 derzeit fast das zehnfache an Gebühren gegenüber Vermögen ab € 30 Millionen gezahlt. Gemeinsam mit unseren Partnern machen wir langjährig erprobte und wissenschaftlich fundierte Anlagestrategien, die bisher Hochvermögenden vorbehalten waren, einem breiten Kundenkreis zugänglich – und das auf einer vollständig digitalen Plattform.

 

Was ist Eure Value Proposition?

Unser Angebot richtet sich an vermögende Privatpersonen, welche die Vorteile eines Family Offices auch in der digitalen Welt und bereits ab einem Anlagebetrag von 100’000 Euro – statt bisher zweistelligen Millionenbeträgen – nutzen möchten: transparente und geringe Gebühren dank über das Multi Family Office der Familie Harald Quandt (HQ Trust) zugängliche institutionellen Tranchen bei Banken und Fondsgesellschaften. Zweitens eine auf langfristigen Erhalt und Mehrung von Vermögen ausgerichtete, konsequent umgesetzte Strategie, die auch in schwierigen Marktphasen funktioniert. Drittens, Zugang sowohl zu Direktanlagen z.B. in Immobilien und Private Equity, als auch Netzwerken und Know-how, die sonst Hochvermögenden vorbehalten sind.

 

Wie finanziert sich LIQID heute?

Wir haben eine erste Finanzierungsrunde mit Project A Ventures sowie Investitionen des Gründerteams zusammengestellt. Zudem haben wir bereits zahlende Kunden.

 

Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

Wir verdienen ausschließlich an der Bezahlung durch unsere Kunden. Etwaige Provisionen durch Produktanbieter werden direkt an unsere Kunden weitergereicht und nicht einbehalten. Nur so ist es möglich auf einer rein objektiven Basis die für unsere Kunden am besten geeigneten Anlagestrategien zu entwickeln. Unser Gebührenmodell ist dabei transparent und nachvollziehbar: Wir berechnen prozentual auf die durch uns verwalteten Vermögenswerte eine All-in-Fee. Diese beinhaltet die Depotführungsgebühr, Transaktionskosten, Börsenplatzgebühr und Managementgebühr. Der konkrete Wert hängt von dem gewählten Portfolio sowie der Höhe des verwalteten Vermögens ab und liegt zwischen 0.15% und 0.90% p. a.

 

Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Unser fünfköpfiges Gründerteam verbindet komplementäre Expertise aus Finanz- und Digitalwelt: Christian bringt langjährige Erfahrung aus der Medien- und Finanzindustrie mit (u.a. im Vorstand von FremantleMedia, bei Bertelsmann und Goldman Sachs). Kyros verbindet Expertise aus der Beratung bei BCG mit über zehn Jahren in Führungspositionen des Private-Banking-Geschäfts bei UBS und Berenberg. Jonas, Arne und ich bringen Knowhow aus dem Bereich Fintech und digitale Produkte mit und arbeiteten zuvor an owlhub., einem Ansatz für digitales Investmentmanagement.

 

Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

Integrieren.

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Was könnt Ihr besser als Banken?

Wir haben keine eigenen Produktsparten, keine starre IT-Infrastruktur, kein umfangreiches Filialnetz und keine konzernweiten Strategien, die uns in der zielgerichteten Ausübung unserer Tätigkeit einschränkt. Deshalb können wir flexibel und vor allem unabhängig auf Anforderungen des Marktes reagieren und bei vielen Banken anzutreffende Interessenkonflikte konsequent vermeiden.

 

 Finterview: Liquid

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Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für Euch und die Finanzbranche

Neue Anforderungen und Veränderungen von regulatorischer Seite werden sicherlich für die gesamte Finanzbranche, insbesondere jedoch für junge Unternehmen eine große Herausforderung sein. Aus diesem Grund befinden wir uns bereits jetzt auf dem Weg zum Bafin-lizensierten Vermögensverwalter nach $32 KWG. Als Vermögensverwalter spielt das Thema Vertrauen zudem eine zentrale Rolle. Die meisten Deutschen sind mit dem Kapitalmarkt noch nie richtig warm geworden. Als Technologie-getriebenes Unternehmen in einem solchen Segment als vertrauenswürdiger und geschätzer Partner wahrgenommen zu werden, wird für uns eine der Kernherausforderungen sein.

 

Wie erfolgt eure Marktbearbeitung/-Eroberung?

Wir haben eine spitze Zielgruppe und unseren Ansatz genau an den spezifischen Bedürfnissen ausgerichtet. Bei der Vermarktung setzen wir deshalb auf eine Kombination aus on- und offline Vertriebskanälen. Insbesondere in den kommenden Monaten wird die Offline-Komponente eine entscheidende Rolle spielen – wir sind davon überzeugt, dass die Möglichkeit mit einem echten, kompetenten Berater zu sprechen in unserem Zielsegment zunächst sehr wichtig sein wird. Die Relevanz der Online-Komponente wird kurz- bis mittelfristig als Schlüssel zur breiteren Skalierung allerdings deutlich zunehmen.

 

Welche Pläne habt Ihr konkret für 2015

Nachdem wir Ende August LIQID erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt haben liegt unser Fokus für das restliche Jahr 2015 auf unserer Pilotphase. Während der Pilotphase werden wir unser Angebot gemeinsam mit ersten ausgewählten Kunden weiter zur generellen Marktreife treiben. Dabei sind neben Produktentwicklung, Erweiterung unseres Teams und intensiver Kommunikation mit ersten Kunden auch regulatorische Aspekte auf dem Weg zum Bafin-lizensierten Vermögensverwalter nach §32 KWG unsere Kernaufgaben. Der Launch unserer digitalen Plattform und damit einhergehend eine breitere Vermarktung unseres Angebotes ist für das Frühjahr 2016 geplant.

 

Wer sind Eure Wettbewerber?

In unserer aktuellen Phase und bezogen auf Deutschland mit Sicherheit das Nichtstun und das Sparbuch. Unabhängig von der konkreten Zielgruppe tun sich die Deutschen – im Vergleich zu angelsächsischen Ländern – schon seit langem mit dem Thema Geldanlage schwer und begnügen sich stattdessen lieber mit den Zinsen ihrer Sparbücher. Seit der Finanzkrise und dem damit verbunden Niedrigzinsumfeld ist ein realer Werterhalt so allerdings nicht mehr möglich. Der Schritt zum eigenen Portfolio fällt jedoch noch immer sehr schwer. Das möchten wir mit LIQID ändern.

 

Habt Ihr vielleicht einen Tipp für andere Gründer?

Ich persönlich bin seit gut zwei Jahren in der Startup-Szene aktiv, habe vor LIQID bereits an anderen FinTech-bezogenen Projekten gearbeitet und in dieser Zeit eine Menge wertvoller Erfahrungen gesammelt – diese Frage beantworte ich dann aber doch lieber erst in ein oder zwei Jahren.

 

Eine Zusatzfrage. Welche Bedeutung wird bitcoin für den Wandel der Finanzbranche haben?

Bitcoin symbolisiert für mich vor allem das Verlangen, im Finanzbereich neue Wege einzuschlagen. Neue Wege jenseits derer, mit denen so viele Kunden schlechte Erfahrungen gemacht haben. Hiernach scheint es ein wirklich tiefes Verlangen zu geben. Ob und wie sich Bitcoin in heutiger Form entwickeln wird, hängt von vielen Faktoren. Mit Sicherheit wird auch dabei das Thema Vertrauen, das z.B. durch die Geschichte mit Mt. Gox nicht unbedingt aufgebaut wurde, eine große Rolle spielen.

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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