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Finterview: Humancredit

Vorwort

Georgi Musev kenne ich bereits seit einigen Monaten. So konnte ich die Entwicklung seiner Idee beinahe hautnah miterleben. Der erfahrene Finterview Leser wird erkennen, dass es sich bei Humancredit nicht um eine fintech Idee im engeren Sinne geht. Georgi Musev möchte keine neuen kundennahen Finanzangebote anbieten und er möchte auch Banken nicht disruptieren.

 

Seine Idee und das startup passen aber perfekt in die Zeit. Wir hinterlassen tagtäglich unsere Daten im Netz und haben in der Regel keine Möglichkeit dies zu steuern bzw. sogar davon zu profitieren. (Interessanter Artikel zu diesem Thema: Do you know how much your personal Data is worth)

Auf der anderen Seite überschütten uns Unternehmen trotzt Social Media mit immer mehr Werbung auf immer mehr Kanälen, ohne uns genau das Angebot zu unterbreiten, welches wir gerade wirklich benötigen. Humancredit hat eine gute Lösung für die genannten Probleme und macht zusätzlich noch etwas Gutes. Wir sprechen also über eine soziale Innovation. Aber erst mal das Interview lesen und dann gerne urteilen. Hier per Kommentar.

 

1.     Bitte stellt kurz euer Produkt vor?

Humancredit ist eine non-profit Plattform für Digital Marketing, bei der die Internetnutzer den Takt vorgeben, den Zugang zu ihren Profilen bewusst steuern und an der Wertschöpfung mit ihren Daten beteiligt werden.

Die Nutzer können 90% der Gewinne für gemeinnützige Projekte ihrer Wahl spenden und erhalten relevante Anzeigen – gekennzeichnet mit dem „Blauen Punkt für sozial engagierte Werbung“, von Unternehmen die für ihre Aufmerksamkeit bezahlen.

 

2.     Warum habt Ihr Humancredit gegründet?

Im Internet und insbesondere im Digital Marketing läuft vieles schief – Milliarden werden für störende und ineffiziente Werbung ausgegeben; die Nutzer sind in die Rolle hilfloser Konsumenten gedrängt, obwohl sie den wertvollen Rohstoff für das lukrative Datengeschäft liefern. Ein enormes Potential bleibt ungenutzt und landet auf den Riesenberg aus Streuverlusten und digitalem Müll.

Humancredit will durch sein Konzept für nachhaltige Kommunikation zwischen Nutzern und Industrie, zwischen „Humans“ und „Businesses“ die „digitale Umweltverschmutzung“ reduzieren und einen Mehrwert in Milliardenhöhe generieren – zugunsten der Allgemeinheit.

 

3.     Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen? Euer USP?

Humancredit adressiert drei Zielgruppen und liefert jeweils einen USP:

Internetnutzern bietet es einen Weg zu mehr Selbstbestimmung im Netz, zu mehr Partizipation am Geschäft mit ihren Daten, zu mehr Engagement für die Allgemeinheit.

Brands und Werbeindustrie bietet es einen Weg zur Kundenbindung, zu mehr Effizienz, weniger Streuverluste und ein besseres Image – durch Engagement.

Gemeinnützigen Projekten und Organisationen bietet es eine völlig neue Spendenquelle, eine neue Art des Engagements und eine „Demokratisierung“ der Geldflüsse (kleine Organisationen bekommen mehr Chancen).

 

4.     Wie finanziert sich Humancredit heute?

Wir haben Seed-Finanzierung durch Eigenmittel.

 

5.     Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

Unser Geschäftsmodell basiert auf einem drei-seitigen Transaktionsmodell:

Internetnutzer übergeben Humancredit ausgewählte Informationen über ihre Interessen und bekommen Humancredits gutgeschrieben. Für jede Minute im Netz und jede Interaktion online generieren sie weitere Humancredits, die sie dann an selbstgewählte Projekte spenden können.

Humancredit vermarktet den Zugang zu seinen Mitgliedern, ohne ihre Daten „aus der Hand zu geben“.

Brands und Werbeindustrie bezahlen für den Zugang zu den hochwertig profilierten Zielgruppen und finanzieren somit die Humancredits.

Gemeinnützige Projekte und Organisationen sind die Empfänger der Humancredits. Sie unterstützen die Skalierung von Humancredit mit ihrem Netzwerk und Kampagnen.

Die Humancredit gGmbH ist eine Fördergesellschaft, deren Geschäftszweck im Generieren von Mittel für gemeinnützigen Zwecke besteht. Die Gesellschaft behält nur einen geringen Anteil der Einnahmen, um ihre Betriebskosten zu decken.

 

6.     Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Georgi Musev, Gründer und Geschäftsführer

Ein Team von 5-8 engagierten Kollegen, darunter: Thomas Schindler, technology; Christian David, website development; Torsten Sewing, communications.

Ein hochkarätiges Advisory Board: Axel Roselius, Boris Janek, Thom Brenner, Ulrich Fenneker.

 

7.     Seid Ihr mit der Entwicklung Eures Unternehmens im Plan?

Wir sind Anfang des Jahres mit der Idee gestartet, konnten sie seit März dank eines Stipendiums im Social Impact Lab ausfeilen und haben Ende August die gGmbH gegründet. Unser Ziel ist ein Minimum Viable Product (MVP) bis Ende des Jahres. Parallel hierzu beantragen wir noch im November ein Forschungsprojekt gemeinsam mit der Uni Bayreuth, KIT, SAP und weiteren Partnern. Ja, wir sind im Plan und starten in Q1/2015 mit einem Pilotprojekt.
Wir suchen aktuell Co-Founder als CTO, COO, CMO und Sponsoren/Partner für unseren Piloten

 

Humancredit hat an der startup Session des 9. genobarcamps in München teilgenommen.

Mehr Infos auf www.humancredit.cc

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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