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Finterview: Fairr.de GmbH

Finterview: Fairr.de GmbH

Mit der Riester Rente begann im Jahr 2002 der Einstieg der Bundesrepublik Deutschland in die privat finanzierte Altersrente. Die Grundlage für dieses – später bei nahezu allen deutschen Banken – ins Produkt Portfolio eingehende Produkt – bildete das Altersvermögensgesetz, in welchem die entsprechende staatliche Förderung der Riester Rente definiert ist. Das Produkt wird nicht von allen Finanzexperten und Kunden geschätzt. Ähnliches gilt auch für die später hinzugekommene Rürup Rente. Wie in so vielen anderen Bereichen, machen sich auch hier Fintech Startups daran, andere und möglicherweise bessere Lösungen anzubieten. Jens Jennissen Geschäftsführer von Fairr.de steht diesmal im Mittelpunkt meines Finterviews.

 

Warum habt Ihr fairr.de gegründet?

Wir waren einfach unzufrieden mit den Altersvorsorgeprodukten (Riester, Rürup, bAV) mit denen wir gespart haben. Intransparente, teure Produkte mit schlechter Geldanlage waren das. Zudem wollten wir unsere Altersvorsorge online regeln. Es gab aber kein passendes Angebot weder was das Produkt betraf noch den Kanal. Also haben wir uns entschlossen mit fairr.de die Altersvorsorge anzubieten, die wir selbst gesucht haben. Die Entwicklung der letzten Monate zeigt, dass viele Menschen unser Problem teilen.

 

Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

Die junge Generation muss deutlich mehr für die Altersvorsorge selbst sparen als dies noch für ältere Generationen der Fall war. Wir möchten den Menschen helfen, diese drohende Einkommenslücke im Alter mit hervorragenden Anlageprodukten zu schließen und ihnen das komplexe Thema Altersvorsorge möglichst einfach nahe bringen.

 

Was ist Eure Value Proposition?

Ein exzellentes Altersvorsorgeprodukt erfordert niedrige Kosten, volle Transparenz in Bezug auf Produktstruktur, Geldanlage und Kosten, eine moderne Geldanlage und sehr guten Kundenservice. Wir streben danach in allen Dimensionen die besten zu sein.

 

Wie finanziert sich fairr.de heute?

Wir sind finanziert durch eine Reihe von Angels, Family und Friends. Zudem haben wir ein klares Revenue-Modell.

 

Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

Wir bieten Altersvorsorgelösungen online und durch Honorarberater an. Im Falle des fairriester, unseres Riester-Fondssparplans, berechnen wir eine niedrige laufende Gebühr auf das verwaltete Vermögen. Dies setzt unserer Meinung nach die richtigen Anreize im Vergleich zu Abschlussprovisionen, wie sie bisher im Markt üblich sind.

Wir haben so den Anreiz, die besten Produkte aufzulegen und den Kunden durch hervorragenden Kundenservice langfristig zufrieden zu stellen. Abschlussprovisionen führen dagegen zu einer „Hit and run“ Mentalität und bestrafen den Kunden dafür, dass er mehr spart, da sich die Höhe der Abschlussprovisionen an der Höhe der Einzahlungen orientiert.

 

Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Neben mir sind dies zunächst meine Mitgründer Dr. Alexander Kihm und Ambros Gleissner. Wir ergänzen uns hervorragend in verschiedensten Bereichen. Der Rest des Teams ist ein bunter Haufen aus Festangestellten, Freelancern und Praktikanten. Die meisten sind Programmierer und arbeiten an einer Verbesserung des bestehenden Angebots sowie neuen Produkten.

 

Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

Beides.

Wir arbeiten sehr gut mit unseren Partnern bei der Sutor Bank zusammen, disruptieren aber natürlich bestehende Anbieter von Altersvorsorgelösungen.

 

Was könnt Ihr besser als Banken?

Fokussierung auf den Kunden!

Dieses Schlagwort bedeutet für uns zwei Dinge: zum einen sind unsere Produkte ausschließlich vom Kunden aus gedacht. Denn wir selbst wollen immer zu unseren ersten Kunden gehören wollen. Zweitens der Kundenservice in der laufenden Betreuung. Zu oft ist die Branche auf den schnellen Abschluss fixiert und der Kunde wird danach allein gelassen. Der Bär ist erlegt und das Fell verteilt. Wir wollen für den Kunden dagegen gerade in der laufenden Betreuung Mehrwert bieten durch schnelle Erreichbarkeit per E-Mail, Telefon, Livechat und Social Media. Wir kommunizieren mit unseren Kunden dort, wo sie sind: online.

 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für Euch und die Finanzbranche?

Wir haben eine klare Aufgabe: Wir müssen weiter daran arbeiten, die Altersvorsorge in Deutschland zu verbessern. Dazu müssen uns noch mehr Menschen kennen lernen. Und wir müssen die Menschen noch mehr über die Einkommenslücke im Alter aufklären.

Die Finanzbranche steht vor dem Problem, den Kunden aus dem Auge verloren zu haben. Den Umbruch zu schaffen und sich wieder auf den Kunden zu konzentrieren, wird sicherlich schwierig, da es weit mehr erfordert als eine neue schicke Homepage zu launchen. Hier ist ein genereller Kulturwandel gefragt, der in großen Organisationen immer schwer umzusetzen ist.

 

Wie erfolgt eure Marktbearbeitung/-eroberung?

Riester und private Altersvorsorge sind sehr populäre Themen, so dass wir viel Aufmerksamkeit durch Presse und Produkttests bekommen. Zudem bedienen wir die üblichen Online Kanäle.

Besonders ist aber auch unser Kunden werben Kunden Programm, das sich großer Beliebtheit erfreut.

 

Welche Pläne habt Ihr konkret  für 2015?

Wir wollen unseren fairriester, den Riester-Fondssparplan, weiter verbessern und zudem neue Produkte im Altersvorsorgebereich anbieten.

 

Wer sind Eure Wettbewerber?

Im Prinzip alle anderen Anbieter von Altersvorsorgeprodukten.

 

Gibt es vielleicht einen Tipp für andere Gründer

Just do it!

 

Eine Zusatzfrage. Gibt es ein Musikstück, dass Euch bei der Arbeit motiviert?

Nein

 

Mehr über Fairr.de

 

Internetseite von Fairr.de

Spiegel Artikel: Riester Rente so vermeiden Sie die Kostenfallen

Finanztip: Riestern mitFonds

Bankathon 2015: Platz 2 für Fairr.de

 

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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