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Finterview: Clark

Finterview ClarkIch hätte nach der Namensgebung fragen sollen. Das Finterview mit Clark Geschäftsführer und Gründer Christopher Oster steckt natürlich trotzdem voller spannender Informationen über das InsurTech Startup. Während die Investitionen in Fintech aktuell offenbar eine kleine Atempause einlegen, entwickelt sich der InsurTech Bereich prächtig. Im ersten Quartal 2016 gab es mehr als 45 InsurTech Deals und nicht nur die Investoren scheinen der Meinung zu sein, dass die Versicherungs Branche Reif zur Disruption ist. Welche Rolle möchte Clark in der neuen Versicherungswelt einnehmen?

 

 

Warum habt Ihr Clark gegründet?

Die Idee kam mir aufgrund meiner eigenen Versicherungssituation. Als ich Anfang 2015 eine Bestandsaufnahme machte, musste ich feststellen, dass ich keinen guten Überblick über meine Versicherungsverträge habe. Viele Unterlagen waren nicht vollständig und viele Verträge nicht mehr aktuell und auf meine Lebenssituation angepasst. In dieser Situation habe ich mir einen Freund gewünscht, der sich mit Versicherungen auskennt und mir hilft, smarte Entscheidungen zu treffen. Leider kannte ich niemanden, auf den das zutrifft, deswegen habe ich Clark gegründet.

 

Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

Für die meisten Leute sind Versicherungen, so interessant wie die Steuererklärung zu machen. Dieses Problem möchten wir lösen. Mit Clark werden Versicherungen einfach, digital und übersichtlich. Die heute 20- bis 40-Jährigen haben 40 Prozent weniger Versicherungen als die gleiche Generation vor acht Jahren. Auf Grund der alten und analogen Prozesse ist diese Generation mit ihrer Versicherungssituation häufig unzufrieden. Damit Kunden sich mit einem komplexen und aufwendigen Thema wie Versicherungen auseinander setzen, müssen die Kontaktpunkte so einfach wie möglich sein.

 

Was ist Eure Value Proposition?

Wir bieten dem Kunden nicht nur einen Überblick über seine Verträge, sondern analysieren auch automatisch das Preis-Leistungsverhältnis. Kernprodukt ist die Beratung zu Versicherungen. Dazu gehört auch die Frage, ob der Versicherte überflüssige Policen abgeschlossen hat oder ob wichtige fehlen. Wir empfehlen, dass man seine Versicherungsverträge alle zwei Jahre überprüft. Diese Aufgabe übernehmen wir für den Kunden und geben ihm Bescheid, ob sein Vertrag noch der Beste ist oder eben nicht. Die Clark-Versicherungsexperten stehen dem Kunden auf Wunsch mit persönlicher Beratung per Telefon, Chat und E-Mail zur Seite – auch im Schadensfall. Der Kunde hat minimalen Aufwand und spart mit Clark bis zu 50% bei seinen Versicherungsbeiträgen. In seinem Account erhält der Kunde im Versicherungscockpit eine Übersicht seiner gesamten Versicherungssituation mit allen Details zu seinen Verträgen. Er muss sich nicht mehr durch verschiedene Ordner wühlen, sondern kann alles immer digital abrufen und einsehen.

 

Wie finanziert sich Clark heute?

Wir haben mit Clark vor kurzem die Series-A mit 13.2 Millionen Euro abgeschlossen. Die bestehenden Investoren wie Company Builder FinLeap, SevenVentures und Axel Springer haben sich erneut beteiligt. Zusätzlich konnten wir yabeo Capital, Kulczyk Investments, Hitfox, TA Ventures, Tenderloin Ventures und GMPVC als neue Partner und Investoren hinzugewinnen.

 

Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

Versicherungsunternehmen bezahlen Makler für die Produktberatung beim Kauf und für die Betreuung der Versicherungen während der Vertragslaufzeit. Für diesen Service erhalten wir als Makler Bestands- und Abschlussprovisionen von den Versicherern. Unser Geschäftmodell ist darauf ausgerichtet, effizienter als die Offline-Makler zu arbeiten. Daher investieren wir in  automatisierte Prozesse und unseren algorithmusbasierten Robo-Advisor. Viele Prozesse sind schon voll automatisiert und digitalisiert, wie zum Beispiel die Anfrage der Versicherungsdetails bei den Versicherungen.

 

Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Der Großteil des Teams besteht aus Software-Entwicklern. Darüber hinaus haben wir noch unsere Versicherungsexperten, Marketing und Business Development.

 

Finterview: Clark

Kurze Antwort: Versicherungen lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

Versicherungen integrieren, an der Kundenschnittstelle disruptieren

 

Was könnt Ihr besser als Versicherungen?

In Bezug auf den Kunden haben wir einen Vorteil in der Kommunikation und in der Verwaltung der Verträge. Da wir auf verschiedenen Kanälen wie Facebook, Twitter, E-Mail, Chat und Telefon mit dem Kunden in Kontakt stehen, haben wir eine höhere Interaktionsrate mit ihm. Dadurch hat er ein anderes empfinden bezüglich Versicherungen: alles geht schnell, digital und einfach. Des Weiteren kann er alle seine Verträge mit uns verwalten und nicht nur die von bestimmten Versicherern.

In Bezug auf das Geschäftmodell sind wir effizient, da alles digital abläuft und wir keine teuren Geschäftswagen oder Geschäftsstellen haben. Unser Robo-Advisor trägt auch zur Effizienz bei, da Prozesse automatisiert werden und weniger menschliche Interaktion nötig ist. Dadurch können sich unsere Versicherungsexperten auf die Beratung des Kunden fokussieren und müssen sich nicht um administrative Abläufe kümmern.

 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für InsurTech und die Versicherungsbranche?

Die Versicherungsbranche muss sich auf das veränderte Kundenverhalten einstellen. Hier kommen die InsurTechs ins Spiel und entwickeln profitable und neue Geschäftsmodelle. Die InsurTechs wiederum stehen vor der Aufgabe, dass sie Vertrauen bei Kunden und Versicherungen aufbauen müssen.

 

Wie erfolgt eure Marktbearbeitung/-eroberung?

Wir machen TV Marketing und Digital Marketing. Auch Kundenempfehlungen sind für uns ein wichtiger Kanal.

 

Welche Pläne habt Ihr konkret für 2016 und 2017?

In den nächsten Wochen steht ein Umzug innerhalb von Frankfurt an, da das aktuelle Büro aus allen Nähten platzt. Vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass wir unser Entwickler-Team weiter verstärken, ist dieser Umzug notwendig. Mit dem vergrößertem Technologie-Team werden wir weitere Adminprozesse vollständig automatisieren und den Robo-Advisor weiter entwickeln.

 

Wer sind Eure Wettbewerber?

Wir zählen zu unseren Wettbewerbern zum einen die Offline-Makler und zum anderen Knip, GetSafe und FinanceFox.

 

Welche Technologien werden die Finanzbranche nachhaltig verändern? Welche davon werdet auch Ihr verstärkt nutzen?

Langfristig wird die Entwicklung und der Einsatz von Robo-Advisorn die Geschäftsmodelle verändern. Die Finanz- und Versicherungsbranche muss sich hier anpassen, um profitabel zu sein. Auch die Automatisierung von Prozessen wird die Branche verändern. Prozesse werden agiler und schneller. Die mobile Nutzung von Finanz-Services wird mehr in den Fokus rücken. Unser Geschäftsmodell ist hierfür ausgerichtet.

 

Clark in der Presse

Handelsblatt:

http://www.handelsblatt.com/my/unternehmen/banken-versicherungen/versicherungs-fintech-frisches-geld-fuer-online-makler-clark/13956230.html

 

Süddeutsche.de:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/clark-frisches-geld-fuer-digitalmakler-1.3104633

 

FAZ:

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/meine-finanzen/versichern-und-schuetzen/digitale-versicherungen-wollen-per-app-das-geschaeft-veraendern-13657036-p2.html

 

Gründerszene:

http://www.gruenderszene.de/allgemein/clark-finleap-serie-a

 

deutsche startups.de:

https://www.deutsche-startups.de/2016/08/02/insurtech-boom-132-millionen-fuer-clark/

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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