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Finterview: Azimo Dora Ziambra

Finterview: Azimo

Azimo ist ein besonderes Startup, weil es von Migranten für Migranten gemacht wurde und weil Banken nicht im Fokus der Veränderung stehen. Außerdem wurden meine Fragen von einer der wenigen Führungskräfte in der Bankenbranche beantwortet. Auch hier sind Fintechs also eine Bereicherung.

Dora ist bereits seit 2014 Teil des Azimo-Teams und sie bringt ausgepägte Erfahrungen aus dem Finanzsektor mit. Sie ist fasziniert von der Vielfalt innerhalb der FinTech-Branche und sie ist neben ihrer Arbeit Business-Coach für die Cartier Women’s Initiative Awards tätig. Nachdem sie in früheren Rollen stets eine von nur sehr wenigen weiblichen Mitarbeitern war, sett sie sich heute stark für  Gleichberchtigung in der Arbeitswelt ein.

 

Twitter: @Doraziexplora

LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/doraziambra


 

Warum habt Ihr gegründet?

 

Ursprünglich kommt die Idee für Azimo von unserem Co-Gründer Michael Kent, der vor Azimo bereits einen Offline-Geldtransfer Service namens Small World Financial Services gegründet hatte. Er hatte schon früh die Idee, dass der “Mobile Technology” Trend auch zu mehr sozialer Gerechtigkeit führen könnte.

Er schloss sich mit Marta Krupinska zusammen, die bereits Erfahrung als Gründerin eines Startups gesammelt hatte und der ebenfalls das Problem bewusst war, wie kompliziert es bisher war, Geld in das Heimatland zu senden.

 

Heute, vier Jahre später, hat Azimo das weltweit größte digitale Zahlungsnetzwerk geschaffen und verbindet so bereits über eine Millionen Menschen, die Geld an ihre Heimatländer schicken – zu einem Bruchteil der Kosten, die von traditionellen Anbietern erhoben werden.

 

Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

 

Über 90% der Auslandsüberweisungen werden immer noch offline getätigt. Die hohen Transaktionskosten von im Durchschnitt 8 Prozent sorgen dafür, dass Milliarden von Euro von hart arbeitenden Menschen nicht in den Heimatländern ankommen. Auch wenn wir ein immenses Problem lösen, wissen wir, dass noch noch eine Menge Aufklärungsarbeit geleistet werden muss, um das Vertrauen in unsere digitale und gleichzeitig günstigere Alternative zu festigen.

 

Was ist Eure Value Proposition?

 

Bei Azimo dreht sich alles darum, den Geldtransfer schneller, günstiger und einfacher zu gestalten. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Wunsch, es unseren Kunden zu ermöglichen, jederzeit und von jedem Ort Geld ins Ausland zu überweisen.

 

Wie finanziert sich Azimo heute?

 

Anfangs wurden wir von Angel Investoren und engen Freunden und der Familie finanziert. Unsere erste institutionelle Finanzierung bekamen wir dann von e.ventures, einem globalen Venture Investor mit Sitz in Deutschland.  Heute werden wir von einer Reihe namenhafter Investoren unterstützt, darunter Frog Capital, Rakuten und viele mehr. Bisher haben wir 46 Millionen Dollar in der A- und B-Finanzierungsrunden aufgenommen.

 

Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

 

Unser Geschäftsmodell ist leicht erklärt: Rücküberweisungen zu fairen Konditionen. Dazu setzen wir auf einen reinen Onlineservice ohne teure Repräsentanten und Infrastruktur in den einzelnen Ländern. Das Prinzip ist ebenso einfach: Nach der Registrierung geben Nutzer die Details der Transfers in ein Online-Formular ein. Jede beliebige Summe kann auf Konten, an kooperierende Geldempfangsstellen, Mobile Wallets und sogar an Privatadressen versendet werden. Der Sender erhält dann eine automatisierte Statusmeldungen. Die Überweisung trifft in der Regel binnen eines Werktages beim Empfänger ein.

 

Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

 

Unser Service steht nicht im direkten Wettbewerb mit dem Angebot klassischer Banken. Wir möchten vielmehr die Industrie der klassischen Geldtransfer-Dienstleister verändern, weil wir glauben, dass heute niemand mehr für eine Auslandsüberweisung in einer Menschenschlange stehen muss – mit unserer App geht das kinderleicht, zu jeder Zeit und an jedem Ort.

 

Was könnt Ihr besser als Banken?

 

Zum einen sind unsere Transaktionskosten bis zu 85% niedriger als bei klassischen Geldtransfer-Dienstleistern. Wie wir das machen? Azimo bietet einen reinen Online-Service, so dass wir Kosten für vor Ort Repräsentationen sparen.  Wir sind eine Firma von Migranten für Migranten und daher verstehen wir, wie wichtig es ist, dass Auslandsüberweisungen zuverlässig und günstig sein sollten. Wir möchten, dass so viel Geld wie möglich im Zielland ankommt, weswegen wir lediglich eine angemessene und transparente Gebühr erheben.

 

Zweitens haben wir in kürzester Zeit das weltweit größte digitale Zahlungsnetzwerk geschaffen – wir können bereits heute Geld in über 80 Währungen und jede beliebige Summe auf Bankkonten, an kooperierende Geldempfangsstellen, Mobile Wallets und sogar an Privatadressen versenden.  Aktuell haben etwa 2,6 Milliarden Menschen keinen Zugang zu einem privaten Bankkonten – über Azimo können wir bereits mehr als 5 Milliarden Menschen erreichen. Denn wir wissen genau, wie wichtig es ist, auch in abgelegene Gegenden ohne Banken Infrastruktur Geld zu senden – das können Banken nicht.

 

Mit Azimo kann man Geld in wenigen Sekunden in die ganze Welt versenden – kinderleicht über unsere schicke iOS und Android App.

 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für Fintech und die Finanzbranche?

 

Das größte Problem von klassischen Finanzdienstleistungen ist die fehlende Kundenorientierung.  Klassische Banken stehen schon lange vor dem Problem, dass nötige Innovationskraft durch zu lange Entwicklungszyklen verpufft. Wir haben hier den Vorteil, dass wir mit sehr schlanken Strukturen agieren: keine Filialen, keine aufgeblähte Selbstverwaltung, standardisierte Prozesse, effizienter Personaleinsatz.

 

Wir haben schon lange erkannt, dass moderne Technologien und ein gänzlich verwandeltes Nutzerverhalten die neue Ära der Finanzbranche voran treiben: Always on, immer mobil und vernetzt.  Vor allem die Generation der Millennials erwartet von ihrer Bank Dienstleistungen, die weit über die Angebote der Finanzinstitute hinausgehen. Diesen Kundenwünschen möchten wir mit Azimo begegnen.

 

Welche Pläne habt Ihr konkret  für 2017?

 

Wir haben bereits seit Ende 2016 ein paar ziemlich innovative Features! Zum Beispiel haben wir seit kurzem den Facebook Messanger in unser System integriert. So kann man kinderleicht über den Messanger Geld an seine Facebook Freunde senden. Außerdem haben wir einen Facebook-Chatbot entwickelt, über den Nutzer kinderleicht aktuelle Wechselkurse erfahren können, ohne lange in der Warteschlange eines Kundenservices  fest zu hängen.  Wir sind ein Technologie-Unternehmen, weswegen es zu unserer DNA gehört, ständig an neuen innovativen Lösungen zu arbeiten.

 

Unser langfristiges  Ziel ist es, Azimo zu einem Verb zu machen.  Anstatt: „Ich muss Geld ins Ausland überweisen“, möchten wir, dass Menschen irgendwann sagen:  „Ich muss azimoen.“

 

Auch für 2017 haben wir eine volle Produktroadmap mit jeder Menge spannender Neuheiten. Leider kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel mehr verraten, aber wir arbeiten täglich an Lösungen, die es deutlich einfacher machen werden, Geld ins Ausland zu senden.

 

Wer sind Eure Wettbewerber?

Unser direktester Wettbewerber sind vermutlich Unternehmen wie WorldRemit.

 

Azimos Fintech Trends für 2017 bei Startup Valley

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Sascha von Bankenmärchen

    Schönes Interview! Bisher kannte ich nur Transferwise. Symapthisches Ziel, was Azimo da verfolgt. Endlich mal etwas Menschlichkeit in der kühlen Finanzindustrie. 🙂

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