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Finterview 2016: Pey

Finterview

Meine Gesprächspartner:
Hartmut Borchers und Ricardo Ferrer Rivero

Bitcoin ist immer noch relativ abstrakt für die meisten von uns Normalbürgern. Bitcoin muss einfacher werden, damit mehr Menschen erkennen, welches kulturelle und möglicherweise sogar befreiende Potential in der Mutter aller Crypto Währungen steckt. Bitcoin einfach und problemlos kaufen. Mit bitcoin bezahlen und vielleicht sogar bezahlen lassen. Notwendige und längst überfällige Schritte mit denen sich mein neuster Finterview Gesprächspartner beschäftigt.

 

Warum habt Ihr PEY gegründet? ( Eure persönlicher Antrieb als Gründer)

 

Seit mehr als 3 Jahren befassen wir uns intensiv mit dem Thema mobile Payment und Personal-Finance-Management. Uns ist dabei aufgefallen, dass alle neuen Lösungen in diesem Umfeld auf bestehender Technik (z.B. HBCI) aufsetzen und daher keine wirkliche Innovation sondern lediglich neue Frontends darstellen.

 

Da wir bereits seit längerem das Thema Blockchain und Crypto-Currencies verfolgten, entstand die Vision eine Payment- und Finanzlösung auf Basis der Blockchain-Technologie zu entwickeln. Unser Ziel war es eine kundenfreundliche Paymentlösungen mit innovativer, offener Technologie zu verbinden.

Uns war klar, dass wir mit diesem Vorhaben absolutes Neuland betreten. So haben wir uns entschlossen, selbst die nötige Infrastruktur zur Akzeptanz von Bitcoinzahlungen aufzubauen. Innerhalb kürzester Zeit konnten wir den längsten Bitcoinboulevard der Welt in Hannover und damit einen Weltrekord schaffen.

. Wichtig ist uns dabei, dass unsere Lösung für alle Arten blockchain-basierter Transaktionen genutzt werden kann und wir daher unabhängig von der Währung Bitcoin sind.

 

Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

 

Wir möchten eine echte digitale Alternative zu Bargeld und “Plastikgeld” schaffen. Jeder von uns hat heute sein Smartphone bei sich. Was liegt da näher, als das Handy auch für das Bezahlen und alle weiteren finanziellen Funktionen zu nutzen?

 

Wichtig ist für die Kunden, dass die Nutzung ebenso einfach ist ,wie das Bezahlen mit Bargeld oder Karte. Und besonders wir Deutschen wollen Sicherheit. Daher stehen die Aspekte Sicherheit und optimale User-Experience an erster Stelle. Wir orientieren uns bewusst an den Marktführern wie z.B. Apple Pay.

 

Für die Händler bieten wir mit unserem smartphonebasierten Zahlungssystem eine attraktive, weil kostengünstige Alternative zu den bestehenden bargeldlosen Zahlungsarten. Die Endkunden erfreuen sich dabei über eine praktische App-Anwendung, mit der sie unkompliziert und sicher mit ihrem Smartphone bei unseren Partnern am PEY-Terminal bezahlen können.

 

Was ist Eure Value Proposition?

 

Wir bieten ein Produkt an, dass sowohl die App für den Endkunden, als auch das Terminal für den Händler beinhaltet und können so fast die gesamte Wertschöpfungskette abbilden. Das führt dazu, dass wir eine wesentlich bessere User-Experience für alle Beteiligten anbieten können, da alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind. Durch die Nutzung des Bitcoin-Netzwerks können wir unseren Service sehr günstig anbieten und das weltweit mit einer sehr viel höheren Sicherheit als bei gängigen Systemen.

 

Wie finanziert sich PEY heute?

 

Wir haben im letzten Herbst unsere Seed Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen und konnten mehrere namhafte Investoren gewinnen, die uns mit einer Investitionssumme von 300.000€ unterstützen. Investoren sind u.a. Marc Junker (unter anderem Mitgründer der mobileview AG und Investor von Smaato) oder Frank Biedka (ehemals Geschäftsführer der Rocket Internet GmbH und Zalando, Investor bei doctape, groupon, eDarling und MyVideo), Hartmut A. Borchers (Gründer/Inhaber multi- media-management GmbH, Investor bei doctape, Vorstand 533 AG, Geschäftsführer PEY GmbH), Jürgen Pleteit (Geschäftsführer von Die Werke GmbH & Co KG), Olav Vier gen. Strawe (Mitgründer der 4Com GmbH & Co KG) und Tobias Jankowiak (Gründer/Inhaber Solarranch).

 

Aktuell erzielen wir Umsätze  im wesentlichen aus Beratung- und Entwicklungssprojekten im Bereich Blockchain und Crypto Currencies.

 

Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

 

Es ist aktuell noch zu früh, um sich auf ein bestimmtes Geschäftsmodell festzulegen. Wir betreten ja schließlich Neuland. Es gibt viele Potentiale und Möglichkeiten, die sich während der nächsten Schritte erst noch konkretisieren müssen. Auf unserem Weg wird sich das Geschäftsmodell sukzessive entwickeln.

 

Für uns ist es sehr wichtig, eine sichere Lösung zu schaffen, die mindestens so schnell und bequem ist wie Bar- oder Kartenzahlungen. Wir führen in der aktuellen Phase viele Tests durch und passen Kleinigkeiten an, die unseren Kunden wichtig sind. Wenn wir unseren Kunden einen zusätzlichen Nutzen bieten können, machen wir uns keine Sorgen, dass wir unsere Dienstleistung monetarisieren können.

 

Wir wollen die komplette Infrastruktur für die Wertschöpfungskette im digitale Payment unterstützen. Das Ziel ist durch diverse Dienstleistungen Erträge zu erzielen. Obwohl wir davon ausgehen, dass die Erträge im Zahlungsverkehr nachhaltig sinken werden, sehen wir aufgrund der Verkürzung der Wertschöpfungskette für die verbleibenden Partner langfristig gute Ertragspotentiale. Zusätzlich sehen wir neue Ertragsmöglichkeiten durch Mehrwertdienste wie z.B. Marketingmaßnahmen oder Bonussysteme für die Einzelhändler.

 

Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Unser Kernteam wird von Ricardo Ferrer Rivero (CEO) geleitet und besteht aus Collin Raddatz (CTO) und Lars Böhnke (Vertrieb, Kundenbetreuung) sowie mehreren Designern und Entwicklern. Das Team wird von Hartmut Borchers als zweitem Geschäftsführer und mehreren internationalen Technologie- und Service-Partnern unterstützt. Im Bereich Design und Entwicklung profitieren wir vom kreativen Arbeitsumfeld im Coworking Space Edelstall wodurch wir auf zahlreiche kreative Köpfe zurückgreifen können.

 

 

Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

 

Wie stark sich die disruptive Kraft einer neuen Technologie auf Unternehmen auswirkt, hängt vor allem deren Anpassungsfähigkeit ab und liegt weniger in unserer Hand. Wir sind überzeugt, dass Banken noch lange eine wichtige Funktion für Kunden erfüllen. Wir sehen uns daher auch als Kooperationspartner von Banken. Eine Sache ist jedoch für uns klar: Die Blockchaintechnologie wird den Finanzmarkt stark verändern und wir arbeiten sehr gerne mit Partnern, die das erkannt haben und sich auf die Zukunft vorbereiten wollen.

 

Was könnt Ihr besser als Banken?

 

Zum einen gehen wir unvorbelastet ins Rennen, das ist sicherlich ein Vorteil. Zum anderen haben wir frühzeitig das Potential von Blockchain-Technologie erkannt und bauen darauf, die Möglichkeiten dieser Technologie voll auszuschöpfen, ohne dabei in herkömmlichen Strukturen verhaftet zu sein. Wir sind in der Lage die Frage zu stellen: Wie würde man heute ein modernes Zahlungssystem aufbauen ohne die Altlasten berücksichtigen zu müssen? Durch unsere Strukturen und Firmenkultur sind wir sehr agil und können sehr schnell Lösungen entwickeln, sofort auf dem Markt testen und uns anpassen, ohne dass Monate vergehen, bis Entscheidungen durch komplizierte Hierarchien geboxt wurden.

 

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für Euch und die Finanzbranche?

 

Als größte Herausforderung sehen wir die Folgen der neuen, offenen Technologien.

. Statt sich mittels geschlossener Systeme abzugrenzen werden offene Systeme ganz neue Kooperationsformen ermöglichen. Das gilt sowohl innerhalb der etablierten Bankengruppen, als auch zwischen heutigen Wettbewerbern. Die Wertschöpfungsketten werden sich nachhaltig verändern. Dies ist Chance und Gefahr zugleich.

 

Für uns als Fin-Tech-Startup ist die größte Herausforderung, unsere Produkte möglichst schnell für verschiedene Märkte weltweit zu entwickeln und eine Vielzahl an Nutzern zu generieren. Uns ist dabei bewußt, dass wir dazu sowohl viel Aufklärungsarbeit zu leisten haben und zahlreiche regulatorische Hürden nehmen müssen, da das Thema “Blockchain” noch sehr neu ist.

 

Für die Finanzbranche wird es unserer Meinung nach schwierig sein, innovative Produkte auf den Markt zu bringen, die insbesondere die Generation der Digital Natives erreicht. Die Transformation der Legal-Systeme auf neue technische Plattformen wird bei gleichzeitiger Erfüllung neuer regulatorischer Anforderungen sowie der laufenden Softwarepflege und Wartung in den bestehenden Strukturen kaum möglich sein. Und das in einem Umfeld sinkender Erträge.

 

Für PEY hingehen sehen wir sehr gute Chancen uns am Markt als innovativer Player zu etablieren.

 

Wie erfolgt eure Marktbearbeitung/-eroberung?

 

Zur Zeit läuft unser Pilotprojekt ausschließlich in Hannover im Stadtteil Linden. Dort sind von der Eckkneipe über ein In-Restaurant bis zum TUI Reisebüro bereits mehr als 50 Händler an das PEY System angebunden. Ausgehend vom Pilotprojekt in Hannover Linden wollen wir unsere Lösung regional und überregional weiter ausrollen. Dazu verfolgen wir das Ziel sowohl den Erwerb von Bitcoins zu erleichtern, als auch weitere Akzeptanzstellen zu schaffen. Diesem Ziel dient die Gehaltszahlung in Bitcoins, die einfache Umwandlung von Euros mittels unsers Bitcoin Geldautomaten und der geplante Erwerb von Bitcoins während des Bezahlvorgang mit unserer PEY App .

 

Durch Vorträge und Events versuchen wir das Thema Blockchain und Crypto-Currencies weiter bekannt zu machen und verfügen dadurch bereits über ein umfangreiches Netzwerk. So engagieren wir uns im Bundesverband Deutscher Startups e.V. und stehen in engem Kontakt mit Vertretern des Bundestags.

 

Durch die kürzliche Teilnahme an einer offiziellen China-Delegation mit dem Hannoverschen Bürgermeister und hochrangigen Wirtschaftsvertretern konnten wir interessante internationale Kontakte knüpfen und zahlreiche sehr spannende Projektideen entwickeln.

 

Nicht zuletzt durch das enorme Medienecho können wir laufend sehr erfolgreich neue Interessenten für unsere Lösung gewinnen.

 

Welche Pläne habt Ihr konkret für 2016

 

Seit dem 1. Dezember steht unsere Lösung für Gehaltszahlungen. Damit können sich Mitarbeiter Gehaltsanteile automatisch in Bitcoins auszahlen lassen. Bereits über 30 Unternehmen haben sich für die Lösung angemeldet. In 2016 wollen wir an den guten Start anknüpfen und möglichst viele weitere Firmen gewinnen.

 

Im Frühjahr 2016 ist der Roll-Out in der Bundeshauptstadt Berlin geplant. Dort soll eine deutliche größere Anzahl PEY-Terminals als in Hannover aufgebaut werden.

 

Parallel befinden wir uns mit Partnern in konkreten Gespräche, um in Deutschland den ersten öffentlichen Bitcoin-ATM (Geldautomat zur Umwandlung von Bargeld in Bitcoins) aufzustellen.

 

Ein weiterer Meilenstein wird für uns die Einführung einer “InHouse-Währung” auf Basis der Blockchain-Technologie in einem der größten Coworking-Spaces und FabLabs in Deutschland, welche für Mitte 2016 geplant ist.

 

Weitere Ziele sind die Entwicklung der PEY App auch für Android Systeme und die Integration des Bitcoin-Erwerbs mittels unserer PEY App. Unser Ziel ist es erst beim Bezahlen die Umwandlung von EUR in Bitcoins vorzunehmen. Dann kann quasi jeder Handybesitzer das Zahlungssystem nutzen.

 

Darüber hinaus sind wir mit Partnern in mehrere nationale und einige internationale Projekte eingebunden, in denen wir unser Know-How und unsere Technologie einbringen werden. Aufgrund bestehender Vereinbarungen mit unseren Partnern können wir über diese spannenden Projekte leider noch nicht im Detail berichten.

 

Wer sind Eure Wettbewerber?

 

Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, da wir überzeugt sind, dass in unserem Bereich gerade ein neuer Markt entsteht. Dort gibt es zwar bereits andere Hardwarehersteller wie z.B. Coinkite, jedoch verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der über die Bereitstellung der Hardware hinausgeht. Neben Support und hochwertigem Service liefern wir auch zahlreiche Leistungen entlang der Wertschöpfungskette. Diesbezüglich sind wir aktuell konkurrenzlos.

 

Natürlich gibt es Anbieter wie Sumup, Payleven, Square und Apple Pay, die man als Wettbewerber bezeichnen könnte. Diese arbeiten jedoch auf Basis alter Technologien und werden es daher schwer haben mit den Preisen zu konkurrieren, weil zu viele Unternehmen in der Wertschöpfungskette eingebunden sind. Außerdem werden sie an technische Grenzen ihrer Systeme stoßen.

 

Wir sind überzeugt, dass sich Verbraucher und Händler eine einfache, sichere und kostengünstige Payment-Lösung wünschen. Wenn der Blockchain die Zukunft gehört, haben wir mit PEY die Pole Position.

 

Habt Ihr vielleicht einen Tipp für andere Gründer

Starten! Flexibel bleiben! Durchhalten!

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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