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Fintech: What is it good for?

Fintech: What is it good for?

Kaufen statt selber machen

 

Vor einigen Monaten schrieb ich: In FinTech we Trust. Das gilt zumindest für alle, die Geld in Fintechs investieren. Hierzu gehören mittlerweile auch die Banken. Zumindest in den USA. 2017 sollen dort fast 20 Milliarden Dollar in Finanz Technologien investiert werden. Banken wie JP MorganGoldman Sachs positionieren sich mit Big Data und Blockchain Projekten und entscheiden sich immer häufiger dafür, ganze FinTechs zu kaufen, statt den verzweifelten Versuch zu unternehmen, selber das nötige Tempo und know how aufzubauen, um eigene Lösungen zu entwickeln.

 

Regulierung gut oder schlecht für Banken

Wenig Vertrauen in FinTechs haben die Regulierer. Was dafür sorgt, dass einige Banken auf diese bauen, um den FinTech Tsunami zu bremsen. Dieses mangelnde Vertrauen beruht auf mangelndem technologischem know how. Bei britischen Regulierern ist dies offensichtlich besser ausgeprägt als bei uns. Wobei es sich auch um Verzweiflung handeln könnte, denn mehr als die Finanzindustrie hat das einst so stolze Königreich ja kaum noch zu bieten.

 

In den USA ist der Regulierer nicht so gut auf die Banken zu sprechen. Anders als bei uns, ist die durch die Finanzkrise entstandene Umverteilung und Armut dort sehr deutlich sichtbar. Weshalb auch die Bankkunden, vor allem die Jüngeren unter ihnen – so belegt es eine Studie von Transferwise – immer intensiver auf die Alternativen setzen.

 

Tech Lobbyisten vs. Bank Lobbyisten

Hinzu kommt in den USA, dass die Tech Industrie ein gewaltiger Gegenspieler der Banken ist und bei der Entscheidung, ob FinTech Unternehmen genau so wie Banken reguliert werden sollten, eine gehörige Portion Lobbyismus einbringen werden. JP Morgan Chase ist übrigens auf beiden Seiten aktiv: Hohe Invests in FinTech und über die Organisation Clearing House fordert man mehr Regulierung für FinTech. Geboren wohl auch aus der Angst vor der doppelten Macht (Technologie und Lobby) von Apple, Google, Facebook und Co., die das wirkliche Risiko für Banken darstellen.

Die Politik in allen Ländern muss nun in die Glaskugel schauen und entscheiden, ob eine Zukunft ohne Banken oder ohne Technologiefirmen wahrscheinlicher ist. Aber wem soll man jetzt die Daumen halten?

 

What is it good for?

Und wofür ist FinTech nun gut? Es ist – in jedem Fall- ein Teil der unaufhaltsamen Bewegung zur Technologisierung der Welt an dessen Ende oder nächster Stufe die Singularity steht. Diese Zukunft kann – so schreibt Zukunftsforscher Georg Leonhard Hellven – also Heaven oder Hell sein.  Je nachdem, welche Werte und Regeln wir uns kulturell auferlegen.

 

Momentan nutzt FinTech in erster Linie den Kunden, was ja auch schon etwas ist. Aber wird das so bleiben? Was käme nach einer Verdrängung der Banken oder nach neuen Fintech Oligopolen? Reicht es aus, nur auf den finanziellen Kuchen der Banken zu schauen und ihn mit diesen zu teilen oder ihnen ganz weg zu nehmen?

 

Genossenschaftliche Banken entstanden aus einer sozialen Bewegung, die moderneren Sozial-, Umwelt-, und Ethikbanken basieren auf einem vom ökonomischen Mainstream abweichenden Wertesystem und auch die Bitcoin und Blockchain Technologie ist ein Gegenmodell, dass seine Wurzeln am Rande der kapitalistischen Kultur hat.

 

Welchem Wertesystem folgt Fintech? Können wir uns über FinTech freuen oder wird hier nur ein Übel durch ein anderes Übel ersetzt?

 

Quellen:

Uber, but for banks: Wall Street Braces for Tech- Fueled Disruption, Carter Dougherty

TransferWise’s Future of Finance Report Shows How Americans Incorporate Fintech into Daily Life

Frenemies’ May Become A FinTech/Big Bank Trend

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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