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Fintech Adventskalender: Finterview mit Finleap

Der Adventskalender gibt heute eine neues, ich möchte sagen besonders interessantes Finterview, frei. Ich sprach mit Ramin Niroumand. Er ist Head of Business Development bei der Hitfox Group. Die hitfoxgroup hat einen neuen  fintech Inkubator mit dem Namen Finleap gegründet, und um dieses Unternehmen, seinen Zielen und natürlich auch um Banken geht es im folgenden Finterview. Vielen Dank an Ramin!

 

©MaxThrelfallPhoto-477_Kurz

1. Bitte stellt kurz euer Produkt vor

FinLeap ist ein internationaler Company Builder für den FinTech-Markt mit Büros in Berlin und San Francisco.. Wir gründen pro Jahr 4 bis 6 FinTech-Unternehmen und statten jedes Unternehmen zu Beginn mit einer Finanzierung zwischen 500.000 Euro und fünf Millionen Euro aus. Unter einem Dach analysiert unser Team, das aus erfolgreichen Unternehmern, Finanz- und Technologieexperten besteht, Schwachstellen und Probleme im Finanzmarkt. Daraus leiten wir dann Geschäftsideen ab, diewir direkt in neuen Unternehmen umsetzen.

 

2. Warum habt Ihr FinLeap gegründet?

Der Markt für Finanzdienstleistungen bietet durch seine Größe, die Wachstumsmöglichkeiten und die alten Strukturen unzählige Möglichkeiten, an denen man bestehende Produkte und Services deutlich verbessern kann. Alle, die bei FinLeap arbeiten, haben bereits mehrfach Erfahrungen damit gemacht, wie neue Technologien und Ansätze ganze Märkte verändern können. Wir haben uns zum Ziel gesetzt,dieses Wissen jetzt im FinTech-Markt umzusetzen. Mit unseren neuen Unternehmen werden wir Finanzprodukte und -dienste für unsere Kunden günstiger, transparenter und einfacher machen.

 

3. Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen? Euer USP?

Für uns bedeutet die Arbeit im FinTech-Markt vorallem, die Kundenorientierung in den Vordergrund zu stellen – ohne Regulierungen als Entschuldigung vorzuschieben. Die Angebote innerhalb vonFinLeap richten sich sowohl an Privat- als auch an Geschäftskunden. Durch neue Technologien, eine nutzerorientierte Denkweise und flexible Organisationsformen können wir viel näher an unsere Kunden heranrücken. Dabei entwickeln wir komplett eigene Ansätze oder arbeiten weltweit mit Partnern wie Banken und Finanzdienstleistern zusammen, um Informationsasymmetrien aufzubrechen und Prozesskosten zu senken.

 

4. Wie finanziert sich FinLeap heute?

Unsere Tochterunternehmen werden von bekannten Investoren und Business Angels wie Point Nine Capital, DvH Ventures und weiteren Privatinvestoren unterstützt.

 

5. Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

FinLeap baut mit herausragenden Gründern, Investoren und Experten zahlreiche vernetzte digitale Unternehmen. Durch die gebündelten Ressourcen und die hohe Eigenverantwortung der einzelnenTeams geben wir Gründern den Fokus und den Raum, um schnell erfolgreich zu sein. Durch die hohen Schnittmengen zwischen den Tochterunternehmen ergibt sich außerdem ein reger Austausch und eine geradezu partnerschaftliche Kultur. Insbesondere im FinTech-Markt ist vernetztes Wissen aus regulatorischen Anforderungen und
Kundenbedürfnissen ein Schlüssel zum Erfolg. Dieses Fachwissen gepaart mit den hohen Synergien zwischen unseren Tochterunternehmen ermöglicht, den Markt schnell und an mehreren Stellengleichzeitig zu durchdringen – ein Modell, mit dem die HitFox Group in den vergangenen drei Jahren bereits im AdTech- und Big-Data-Bereich erfolgreich war.

 

6. Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Geführt wird FinLeap zu Beginn unter anderem von den Serien-Unternehmern und HitFox-Group-Gründern Jan Beckers, Dr. Hanno Fichtner und dem ehemaligen Strategie-Direktor vonPayPal Europe, Jochen Siegert. Weiterhin besteht unser Team aus 30 Finanz- und Technologieexperten, Software-Entwicklern, Projektmanagern und weiteren Mitarbeitern von Unternehmen wie der HitFox Group, Goldman Sachs, Mastercard und McKinsey. Innerhalb dernächsten 12 Monate sind bei uns und unseren Tochterunternehmen knapp 150 Neueinstellungen geplant.

 

7. Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

Beides (lacht). Durch die neuen Technologien ist beides möglich – aber es wäre töricht zu behaupten,dass es ganz ohne Banken ginge. Ganz im Gegenteil: Banken haben durch ihre lange Tradition und Erfahrung natürlich eine wichtige Funktion innerhalb des Systems und es gibt viele Ansätze, in denen unsere Unternehmen als Partner von Banken und Finanzdienstleistern agieren können. Nichtsdestotrotz glauben wir daran, dass wir mit Experten aus der Branche und talentierten Unternehmern langfristig ganz neue Denkweisen und Produkte etablieren können. In diesen Fällen treiben wir die Entwicklung auch ganz allein voran.

 

8. Was könnt Ihr besser als Banken?

FinLeap ist ein Umfeld für Gestalter und Macher, ohne den Ballast, der sich durch riesige Prozesse undMilliardenschwere Systeme im Hintergrund ergibt. Außerdem bringen wir bei uns herausragende Gründerpersönlichkeiten und Experten, die alle zusammen von dem Wunsch getrieben werden, den Finanzsektor nachhaltig zu verändern. Bei uns wird auch nicht abgestimmt sondern gemeinsam entschieden, eine grundsätzliche Haltung, die uns agiler macht. Außerdem übertragen wir unseren Gründern und Mitarbeitern die notwendige Verantwortung und Entscheidungsfreiheit, um unsere Tochterunternehmen zum Erfolg zu führen. Meiner Erfahrung nach fehlt es bei vielen Banken auch an den passenden Anreizen für Innovationen,so dass sich Banken schwer tun werden ihre Geschäftmodelle neu zu denken. Weder Mitarbeiter noch Führungskräfte haben die Macht bestehende KPIs anzupassen, um Veränderung möglich zu machen. Innovation ist vor allem ein Kostenpunkt in der derzeitigen Unternehmenssteuerung.

 

9. Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für Euch und die Finanzbranche?

Das interessante ist, dass die Finanzbranche eine reine Informationsbranche ist, aber dennoch im Bereich Datenverarbeitung, Digitalisierung und Automatisierung anderen Branchen deutlich hinterhängt. Ich habe Banken kennengelernt, deren Kontensystem von 1978 ist. Eine Operation am offenen Herzen – eine Bank-IT darf niemals stehen – ist auch schwierig und führt daher zu Kompromissen. Kompromisse bedeuten auch immer, dass etwas nicht bestens umgesetzt ist. Aus meiner Sicht braucht man die sprichwörtliche grüne Wiese, um Finanzinstitute digital neu aufzustellen. Ein gutes Beispiel ist die mBank in Polen: Ausgestattet mit 31 Millionen Dollar haben Experten aus IT, Business und UX-Spezialisten eine komplett neue Online-Banking-Plattform mit mehr als 200 zusätzlichen Funktionen eingeführt – und das alles in nur 14 Monaten.

Im Übrigen ist die mBank eine Tochter der Commerzbank – welche sich die Kunden regelrecht kauft, anstatt durch ein gutes, zeitgemäßes Angebot zu überzeugen. Warum die Commerzbank in Deutschland nicht denselben Ansatz wie bei der mBank fährt, ist für mich nicht nachvollziehbar. In Zukunft werden vor allem die Unternehmen erfolgreich sein, die es schaffen, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen und den Bedarf an digitalen, transparenten und einfach zu bedienenden Produkte am besten decken. Die dafür notwendige Entwicklungsgeschwindigkeit überfordert zur Zeit noch die Finanzbranche. Daher wird es spannend werden, inwiefern die neuen FinTech-Player den Markt aufwühlen und wer am Ende das Rennen macht.

 

10. Seid Ihr mit der Entwicklung Eures Unternehmens im Plan?

Ja.

 

11. Habt Ihr vielleicht einen Tipp für andere Gründer?

Eine Idee gibt es tausend Mal; am Ende kommt es auf die richtigen Leute und Umsetzung an.

 

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Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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