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Fintech Adventskalender: Finterview mit Bithaus

Das 15. Türchen

Das Bergfest ist lange überschritten und schon bald ist das Weihnachtsfest erreicht. In der letzten Woche gab es einen kurzen Post mit dem Titel: Fintech Innovation may be Social Innoation. Nun gibt es ein sehr spannendes Finterview mit Dominik Schiener von Bithaus. Und spätestens nach der Lektüre dieses Finterviews wissen wir: Fintech Innovation is Social Innovation

 

1. Bitte stellt kurz euer Produkt vor?

Unsere Unternehmung besteht eigentlich aus mehreren Produkten, welche sich gegenseitig ergänzen und miteinander agieren. Somit bilden wir ein Produktnetz , welches mehrere Bedürfnisse befriedigen, sowie verschiedene Probleme lösen kann. Als Startup, welches in einem noch eher neuen Markt operiert (nämlich den Bitcoin/CryptoCurrency Markt,) ist es unser Ziel Probleme rund um diese neuen Technologien zu lösen. Deshalb arbeiten wir an Nutzerapplikationen, welche es einerseits erleichtern diese Technologien zu benutzen (einfacher Ankauf, Verkauf und Storage), aber andererseits diese auch erweitern und einen noch
größeren Nutzungsumfang schaffen (Payment Processing, Tipping usw.).

 

Der nächste Schritt für uns ist es dann neue Finanzprodukte und -dienstleistungen mit diesen Technologien (vor allem mit der Blockchain und Smart Contracts) zu entwickeln, welche einen Nutzen für die Allgemeinheit haben, vor allem für diejenige, die noch keinen Zugang zu Finanzprodukten (Lending, Spending, Saving, Investing) haben. Mit solchen Produkten werden wir der breiten Masse Zugang zu “Prosperity” schaffen und dadurch neue Möglichkeiten öffnen um am globalen Markt zu konkurrieren. Das Hauptziel unseres Unternehmens ist es den Einzelnen zu stärken (empower individuals) und neue Optionen in finanziellen Abwicklungenen zu geben: Das Motto ist “Be your own Bank”.

 

Außer unseren Bemühungen in Sachen “Financial Inclusion” haben wir auch noch zwei Soziale Initiativen in Indien. Diese beiden Projekte helfen Frauen indem sie sie einerseits aus Prostitution und miserablen Arbeitsbedingungen retten und einerseits indem sie ihnen Sanitäre Produkte anbieten. In unseren Produktionsstätten in Neu Delhi haben wir im Moment 30 Frauen denen wir aus Prostitution geholfen haben, das Ziel ist es natürlich so vielen wie möglich zu helfen und neue, bessere Zukunftschancen anzubieten.

 

2. Warum habt Ihr Bithaus gegründet?

Durch meine Beschäftigung mit Bitcoin im Jahr 2012 haben sich mir unzählige neue Ideen und Anwendungsmöglichkeiten erschlossen, um einige der fundamentalen Probleme in unserer Gesellschaft zu lösen. Dann habe ich einen meinen CoFounder getroffen und wir sind gleich zum Entschluss gekommen unsere Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen.

 

3. Welches Kundenproblem möchtet Ihr lösen?

Wir entwickeln Produkte, die einen wirklichen Nutzen und Mehrwert für den Nutzer schaffen. Viele Startups versuchen Produkte für schon gelöste Probleme neuzuerfinden um dadurch Kunden anzulocken, ohne einen wirklichen Nutzen für den Konsumenten zu schaffen (bestes Beispiel sind die unzähligen Social Networks).

 

Es gibt noch immer ca. 2.5 Milliarden Personen, welche keinen oder mangelnden Zugang zu Finanzdienstleistungen haben, und dadurch komplett auf diese verzichten oder sich mit Dienstleistungen aus dem Informellen Sektor mit absurden Fees zufrieden geben müssen. Diese finanzielle Ausschließung führt dazu das die großen Ziele von Wirtschaftswachstum und Verminderung sozialer Unterschiede in Entwicklungsländern nur schleppend oder überhaupt nicht erreicht werden. Genau in diesen Ländern bieten wir unsere finanziellen Ressourcen an, um den Einzelnen zu helfen Geld zu investieren, anzulegen oder zu leihen, um dadurch seine persönliche bzw. wirtschaftliche Freiheit auszuleben.

 

Die Informationsrevolution ermöglichte neue Kommunikations, Kollaborations und Transfermethoden um Informationen weltweit zu versenden und zu empfangen. Die bevorstehende Finanzrevolution wird neue Wege zur weltweiten und kostenlosen Geldtransfer, -anleihen und -aufbewahrung ermöglichen. Wir sind eines der Startups die an der Front dieses Movements ist und als Enabler neue Zugänge zu Wohlstand und Reichtum schaffen.

 

4. Wie finanziert sich ein Bitcoin Startup heute?

Mit der Blockchain Technologie haben sich eine Reihe neuer Wege geöffnet Funding für ein Startup zu erhalten. Die wohl neueste Entwicklung ist CrowdEquity Funding. Es ist eine Art “IPO” für ein Startup, welche es ermöglicht Anteile auf dem offenen Markt (meistens eine dezentrale Asset Exchange) anzubieten und diese zu verkaufen. Es gibt schon unzählige Projekte welche auf diese Weise an ihr erwünschtes Geld gekommen sind.

 

Das wunderbare an CrowdEquity Funding ist, dass nicht nur accredited Investors in aussichtsreiche Projekte investieren können, sondern auch Normalbürger. Dies eröffnet neue Möglichkeiten Ersparnisse zu investieren und von einer Wertsteigerung des investierten Kapitals zu profitieren. Wir sind jedoch noch in einer sehr frühen Phase und CrowdEquity Funding muss sich noch weiter zu entwickeln, bevor es einen größeren Nutzen erzeugen kann. Mit der Integrierung von Smart Contracts und besseren regulatorischen Vorschriften, welche die Startups bzw. den Investor schützen, wird es die VC Industrie neu definieren.

 

5. Bitte beschreibt kurz Euer Geschäftsmodell?

Wegen der Diversität unserer eigenen Projekte gibt es kein einziges Geschäftsmodell, aber sehr viel unterschiedliche. Für unsere momentanen Projekte (Exchange, Payment Processor etc.) beziehen wir eine kleine Transaktions Fee, welche für die Bereitstellung der Infrastruktur berechnet wird.

 

Für unser Micro Payment Projekt kann ich leider noch nicht mehr erwähnen, weil wir momentan einige Pilotprojekte in Indien durchführen und bevor wir eine definitive Entscheidung über das Geschäftsmodell treffen, noch viele Daten weltweit sammeln und auswerten müssen. Jedoch wird unser Geschäftsmodell
dem von MPesa  in einiger Hinsicht ähneln. MPesa hat Agenten, welche für die Distribution (Deposits undWithdrawals) des Geldes sorgen. Diese Agenten erhalten pro eines solchen Eintritts/Austritts des MPesa Ecosystems eine kleine Fee. MPesa generiert Gewinne, indem sie pro Transaktion im Ecosystem eine Fee verlangt (welche oftmals bis zu 66% sein können). Es gibt verschiedene Implementationswege, jedoch streben wir einen dezentralen Aufbau unseres Geschäftsmodelles sehr an, weil wir dadurch ein agiles, robustes und skalierbares (scalable) Business aufbauen können.

 

6. Wie setzt sich Euer Team zusammen?

Im Moment besteht unser Team von 9 Leuten größtenteils aus Entwicklern und Compliance/AML/KYC Experten. Lokal in den respektiven Regionen, wo wir unsere Pilotprojekte durchführen, (vor allem in Indien) haben wir ein dutzend lokaler Partner, welche die Tests bzw. die Datensammlung durchführen.

 

7. Kurze Antwort: Banken lieber disruptieren oder integrieren (Enabler)?

Das derzeit bestehende Bankenmodel wird definitiv neu definiert und in der Zukunft wird Jeder über mehr Kontrolle seines Kapitals verfügen. Jedoch sehen wir uns als Enabler, welche die Wichtigkeit von Banking der breiten Masse anbietet.

 

8. Was könnt Ihr besser als Banken?

Als Startup mit einer flachen Hierarchie sind wir viel dynamischer, agiler und können auf neue Trends bzw.Konkurrenz schneller reagieren. Unsere Produkte bzw. unser Geschäftsmodell ermöglichen es noch mehr Leuten von unseren Finanzdienstleistungen zu profitieren, ohne viel Investitionen in Infrastruktur und Aufbau von uns zu fordern.

 

9. Wo seht Ihr die größten Herausforderungen in der Zukunft? Für Euch und die Finanzbranche?

Es gibt sehr viele Herausforderungen in der Finanzbranche. Für uns, als Startup welches unerforschtes Terrain betritt, ist vor allem der Zugang zu unseren Applikationen die größte Herausforderungen. Obwohl viele Personen Zugang zu einem Mobilnetzwerk haben, limitiert es unsere Produkte bzw. Dienstleistungen sehr. Deshalb wollen wir in der Zukunft intensiver mit Projekten wie Google Loon, Internet.org sowie Elon Musk’s Internet Projekt zusammen arbeiten um Leuten aus aller Welt, speziell in ländlichen Regionen, Zugang zum Internet, und den unendlichen Möglichkeiten, die es es mit sich bringt, geben.

 

Intern arbeiten wir auch an einem Proof of Concept für Mesh Netzwerke, welche Zugang zu unseren Applikationen verschaffen wird, jedoch ist es noch zu früh um diese Konzepte zu besprechen.

 

Die Finanzbranche hat sehr viel Geschichte hinter sich und die Wichtigkeit des Geldes und all die menschlichen Fortschritte die wir Dank Geld erreicht haben ist unbestritten, jedoch soll die Finanzbranche nicht das Big Picture im täglichen Zero Sum Game an den Märkten verlieren. Es gibt noch so viele Probleme, so viel Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu bekämpfen, dass wir es uns nicht leisten können, uns auf das Schaffen neuer komplexer Derivatstrukturen zu fokussieren. Die Banken müssen bereit sein, neue Innovationen zu umarmen anstatt sie zu bekämpfen. Learning and innovation go hand in hand. The arrogance of success is to think that what you did yesterday will be sufficient for tomorrow.” WilliamPollard

 

10. Seid Ihr mit der Entwicklung Eures Untenehmens im Plan?

Als Jungunternehmer stellt man sehr früh fest ,dass fast NIE etwas nach Plan verläuft. Seit dem Tag an dem wir uns entschieden haben unsere Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen, bis heute haben wir eigentlich mehr improvisiert, anstatt geplant. Vieles ist nicht nach Stich und Faden gelaufen, wie wir es uns gewünscht hätten und wir mussten verschiedene neue Wege finden, um unsere Ziele zu erreichen. Im Moment sind wir kurz davor endlich eines unserer ersten Produkte auf den Markt zu bringen, jedoch sind wir hinter unseren Erwartungen und Ambitionen. Wir sind jedoch weit entfernt aufzugeben und haben das Big Picture noch vor unseren Augen.

 

11. Habt Ihr vielleicht einen Tipp für andere Gründer

Niemals aufgeben und das Big Picture vor seinen Augen nicht verlieren. Verzicht, Leiden, Angst und schlechte Gefühle sind nichts im Vergleich zu geplatzten Träumen. Unternehmertum heißt kämpfen und klar denken, in allen Situationen, zu allen Zeiten.

 

Unternehmertum ist die unendliche Liste an Probleme die es zu lösen gibt, die schlaflosen Nächte, die 120 Stunden Wochen, die man ohne Sicht auf Erfolg oder Fortschritt durchhalten muss, die Herausforderungen (mit allen Gewinnchancen gegen dich) welche man akzeptieren muss, die persönlichen Limits die man
täglich pushen muss. Es ist nicht leicht Unternehmer zu sein und man muss auf viel verzichten, viel durchstehen und viele harte Entscheidungen treffen um erfolgreich zu werden. Jedoch zahlt es sich definitiv aus und man lernt täglich neue Leute und neue Erfahrungen kennen. Nur als Unternehmer hat man einen so direkten und einen so intensiven Einfluss auf seine eigene, und auf die Zukunft Anderer.

 

Eine Zusatzfrage. Wofür würdet Ihr persönlich (die Gründer) alles stehen und liegen lassen?

Ich würde persönlich nichts aufgeben. Obwohl ich täglich neue Probleme auffinde, neue Herausforderungen habe und harte Entscheidungen treffen muss kann ich es mir nicht vorstellen etwas anderes zu machen. Ich liebe Entrepreneurship alles Andere langweilt mich größtenteils.

 

Fintech startup des Jahres: Mitwählen im Paymentbanking Blog.

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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