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Energie

German Angst

Fukushima bewegt die Deutschen und schürt unsere Ängste. Das aus allen deutschen Bürgern ab sofort Klimaschützer geworden sind, ist sicherlich zu bezweifeln. Allerdings zeugen die jüngsten Wahlerfolge der Grünen davon, dass eine grundlegende Bereitschaft zum umweltpolitischen Neuanfang existiert. Ob nun aus Vernunft und Einsicht oder aus purer Angst spielt dabei keine Rolle.

Social Business und eine spezielle Chance

Mit dem Verzicht auf die Atomenergie sind natürlich nicht alle Probleme gelöst. Eigentlich fangen Sie erst an, denn dieses Land benötigt ein energiepolitisches Konzept und auch damit wird es nicht getan sein. Das was auf uns zukommt und worin auch eine große Chance besteht ist der Weg in eine neue Art des Wirtschaftens, die Umair Haque in seinem Buch „The new capitalist manifesto als  Social Business beschreibt. Social Business bedeutet eine wirklich nachhaltige und unschädliche Wirtschaftsweise und damit natürlich auch die entsprechende Veränderung der gesellschaftlichen und kulturellen Grundlagen. Aber während Umair Haque in seinem Buch auf Unternehmen schaut und einige beeindruckende Beispiele von Unternehmen zeigt, die durch disruptive Veränderungen ihrer Arbeits- und Handlungsweisen Wettbewerbsvorteile erlangen, könnte Deutschland als traditionell stärker an sozialen und auch ökologischen Werten orientiertes Land, welches wirtschaftlich zusätzlich eine große internationale Bedeutung hat, in der Umstellung auf „Social Business eine neue Perspektive und Chance erhalten.

Um es nicht zu kompliziert zu machen. Social Business bedeutet seine Wirtschaftsweise so auszurichten, dass Mensch, Community, Gesellschaft, Natur und zukünftige Generationen nicht geschädigt werden. Dies läuft darauf hinaus, dass alle Kosten – auch die externalisierten – bei der Produktion von Waren und Gütern einbezogen werden.  Aus Wertschöpfungsketten oder Prozessen werden Kreisläufe.

Dieses Land braucht eine Vision

Statt weinerlich zu argumentieren, dass die anderen Nationen nicht auf Atomkraft verzichten werden und – erlauben Sie mir den zynischen Scherz –wir deshalb trotzdem alle sterben oder aber – weil wir ja in einem globalen Markt agieren – wirtschaftliche Nachteile haben werden – was ja für die – nur noch weinerlich argumentierenden Politiker und Wirtschaftsbosse – 1.0 dasselbe zu sein scheint- sollten wir die Chance sehen. Dieses Land braucht eine Vision, die uns zu einem neuen Wunder führt. Das Modell China hat keine wirkliche Zukunft, das neue Modell Deutschland könnte eine haben, denn – um nochmal auf Umair Haque zurückzukommen – Unternehmen wie Nike, Walmart oder auch Lego – die sich in einigen Bereichen vollkommen neu in Richtung Social Business aufgestellt haben – machen dies sicherlich nicht aus wohltätigen Gründen sondern eher aus harten wirtschaftlichen Überlegungen.

Auch Banken können einen Beitrag leisten

Laut Umair Haque gibt es noch kein Unternehmen, das in allen Aspekten Social Business betreibt. Aber es gibt schon zahlreiche Beispiele. Hätte er stärker auf den deutschen Markt geschaut, so wäre er hier sicherlich auch fündig geworden. Selbst in der Bankenwelt ist Nachhaltigkeit (nicht als Marketing Instrument) ein immer wichtiger werdender Wert. Bezogen auf die Themen Umwelt und Klima ist vor allem auch die GLS Bank ein Vorreiter. Viele Banken offerieren ihren Kunden besondere  Angebote, um in Sachen Strom und Heizung auf regenerative Energien umzusteigen. Ökologische Finanzprodukte und –investitionen sind weitere Trends. Aber wie sieht es mit den eigenen Gebäuden aus. Inwiefern gehen die Banken hier als gutes Beispiel voran? Wie wird Energie gespart? Wird umweltfreundlich gebaut? Wie sieht es mit der Ökobilanz einer Filiale aus und wie z.B. mit der Ökobilanz einer Online Filiale.

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(Interessante Projekte wären mir hier einen Gastbeitrag wert! Einfach Vorschlag an @electrouncle senden).

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Sind Facebook, twitter und Co. die aktuell so beliebten sozialen Medien eventuell sogar ein Beitrag zum Energie sparen?

Das Problem mit den neuen Technologien

Auf der anderen Seite was kosten uns die ganzen technischen Innovationen. Alle neuen Ideen – über die ich hier immer wieder berichte – verbrauchen Energie.  Laut eines Heise Artikels aus dem Jahr 2008 steigt der Energieverbrauch des Internets exponentiell. Jede Suchanfrage bei google schädigt die Umwelt. Wobei der Produktabschluss über das Internet vermutlich aber Energie effizienter als der Abschluss in der Filiale ist. Das mobile Internet, NFC Payment und alle anderen NFC Dienste werden Energie brauchen. Jeder Computer, jedes elektronische Gerät, jeder automatische Türöffner. Mit dem Ausstieg aus der Atomenergie ist es nicht getan. Das Stichwort Green IT gehört auf die Tagesordnung. Wir müsse an vielen Stellen Energie einsparen und uns in Richtung Wiederverwertung bewegen.

Visonäre statt Angsthasen und Bestandsverwalter

Viele Fragen, die es auf allen Ebenen zu thematisieren gilt: In Unternehmen, Organisationen, Institutionen, durch jeden einzelnen Menschen. Eine Gesellschaft könnte sich neu erfinden, wenn wir in die Zukunft schauen, die lieb gewonnen und für den Einzelnen noch profitablen Verhaltensweisen über Bord werfen und unseren eigenen Weg gehen. Wenn Politik und Wirtschaft es schaffen uns diese Vision zu vermitteln, statt ängstlich auf die anderen Angsthasen zu schauen, dann haben wir die Chance zur modernsten und zukunftsfähigen Volkswirtschaft der Welt zu werden. Also legen Sie bitte los!

Und was denken Sie? Hier kann diskutiert werden!

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Und natürlich auch hier

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • AP

    Jeder Deutsche kann mit der Wahl seines Stromtarifs direkt entscheiden, ob er Atomstrom haben möchte. Jeder kann mit der Wahl seines Autos entscheiden, wie stark er wie Umwelt belasten möchte. Jeder kann selbst entscheiden, ob er Flugzeuge benutzen möchte (Bordpersonal ausgeschlossen).
    Das ist nichts Neues und sollte jedem bekannt sein. Und wie sieht die Realität aus? Atomstrom verkauft sich gut, Autos verbrauchen viel und die Ferienflieger sind voll.

    Bisher zumindest sind die Deutschen nicht bereit persönliche Konsequenzen aus Ihren Einstellungen zur Umwelt zu ziehen.

    • electrouncle

      Hallo Herr Peter,

      danke für Ihren Beitrag. Ich kenne Ihre Argumentation ja inzwischen. Immer sehr individualistisch: Jeder kann für sich selber entscheiden was er tut, weil er ja die Möglichkeiten dazu hätte. Im Umkehrschluss gilt dann, was Sie ja dann durchaus zu Recht kritisieren: Keiner verhält sich wirklich anders und nutzt die entsprechenden Möglichkeiten, also bleibt alles beim Alten. Natürlich ist es wirklich so, dass Veränderungen sehr abhängig davon sind, dass Menschen dies nicht nur wollen und diese für richtig halten. Sie müsssen was tun und Sie können was tun. Die Frage ist warum nichts getan wird. In einer individualistischen Herangehensweise ist jeder seines Glückes Schmied. Und das wars dann auch.

      Jetzt möchte ich einerseits die Hoffnung nicht aufgeben, dass einzelne Menschen, Gruppen und sogar Gesellschaften zum Umdenken in der Lage sind und sein sollten, denn letztendlich ist alles auf der Welt konstruiert und damit auch kontingent also veränderbar. Was diese Veränderungen nun aber so schwer macht, sind die aus dem menschlichen Handeln geplant oder ungeplant hervorgehenden Strukturen und Systeme. Insofern ist es mit den individuellen Entscheidungsmöglichkeiten oft gar nicht so einfach. Wir sind nicht bei Null und werden nie wieder in eine Situation Null kommen (es sei denn nach einer ökologischen oder kriegerischen Katastrophe – was Niemand hoffen möchte). Die größte Herausforderung wird deshalb im Verlernen liegen und darin den Mut zu haben in eine ganz andere und deshalb nicht mehrheitliche Richtung zu gehen, denn letztendlich sind die korporativen Akteure heute doch viel mächtiger und einflussreicher als einzelne oder auch organisierte Menschen. Wenn z.B. der BDI – wie unlängst geschehen – vor etwa warnt und die Medien noch entsprechend verbreiten, dann lassen sich viele Menschen davon eben stark beeinflussen, weil sie in erster Linie immer Angst um ihr eigenes und das Leben nahestehender Menschen haben. Und wenn der Verzicht auf Atomkraft Arbeitsplätze kostet – was ja auch erst zu beweisen wäre – dann ist die Messe gegessen.
      Wie schwer Veränderung ist, mag jeder an sich selbst überprüfen. Es geht da nur sehr selten um individuelle Entscheidungen. Wir leben in einer vernetzten Welt.

      Ansonsten freue ich mich immer über ihre Kommentare, denn sie liefern immer sehr schöne Denkanstösse. Ich wünsche eine schönes Wochenende

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