title

Blog

Eine Herausforderung für uns alle: Führung

Überall wird über Führung geklagt

Man liest viel über Führung. Also wird viel über Führung geschrieben. Das hat einen Grund. Immer mehr Menschen haben das Gefühl, dass Führung – so wie wir sie selbst tagtäglich erleben- immer weniger zu funktionieren scheint. Die Nachrichten über Unternehmen, die aufgrund von Managementfehlern gescheitert sind, häufen sich. Darüber wird gerne geschrieben, denn Scheitern lässt sich gut verkaufen und Sündenböcke finden sich immer. Das gibt uns ein beruhigendes Gefühl. Im Fußball funktioniert dieses Prinzip nahezu perfekt. Wenn die Ziele nicht erreicht werden, dann wird einfach der Trainer entlassen und die Fans haben wieder ein gutes Gefühl.

Versagen aber wirklich die Führungskräfte oder erwarten wir ganz einfach zu viel?  Müssen wir uns vielleicht sogar ganz von Führung verabschieden? Ist die Welt zu schnelllebig und komplex für große Weltbilder, langfristige Lebensverläufe und Menschen und Ideen, die einem den Weg weisen, dem man dann sorglos folgen kann? Ist die Suche und Forderung  nach neuen Führungsprinzipien deshalb vollkommen überflüssig und vielleicht sogar selbstsüchtig, weil ein anderer das für uns tun soll, was wir selber nicht hinbekommen? Und können wir von diesen anderen Menschen überhaupt noch Führung erwarten?

Das Versagen von Führung beobachten wir gegenwärtig vor allem in der Politik. In nahezu jedem Land dieser Erde hat die politische Elite ihren Führungsanspruch verloren, weil sie nicht mehr in der Lage ist, die vielfältigen und immer neuen Probleme der Menschen zu lösen. Überall müssen sie Finanzprobleme bewältigen, Banken retten oder aufkeimende Demokratieansprüche der Bevölkerung bewältigen. Dabei entsteht dann zu Recht der Eindruck, dass die Politik nicht mehr für den Souverän (also das Volk) arbeitet sondern nur noch für das Kapital, die Unternehmen und Institutionen der eigenen Welt und damit auch für den eigenen Machterhalt.

Umair Haque hat dies in dem Aritkel „The great dereliction“ eigentlich auf den Punkt gebracht:

I’d like to advance a simple thesis: today’s leaders are failing on a grand, epic, global, historic scale — at precisely a time when leadership is sorely needed most. They’re failing me, everyone under the age of 35, and everyone worth less than about $50 million. I can excuse leaders who are boring, mean, stingy, greedy, uninteresting, self-obsessed, vacuous, and generally lame. I can even excuse lying, cheating, and stealing. But I can’t excuse the fact that they’ve failed

Auf der anderen Seite sollten wir inzwischen wissen, dass es richtige Problemlösungen eigentlich gar nicht gibt, denn das Leben zeigt uns: Jede Problemlösung erzeugt ein neues Problem. Spätestens die Finanzkrise führt uns diese Tatsache tagtäglich vor Augen: Scheint das eine Problem gelöst, taucht irgendwo ein neues Problem auf und wieder muss man diesem Problem einen Haufen Geld hinterherwerfen, den man eigentlich gar nicht hat und sich bei den Bürgern und nun schon, bei den noch nicht geborenen Bürgern, leihen muss.

Wir sind Führung

Unsere Führungskrise ist in Wirklichkeit ein sich stetig verschärfender Kontrollverlust, der nun von den Führungskräften gelöst werden soll. Vergessen wir das. Entwickeln wir ein Verständnis für die Fehlbarkeit des Menschen und erlernen wir deshalb selber die Fähigkeit zu verändern und zu gestalten.  Gestalten wir Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Unternehmen, indem wir uns professionalisieren.

  • Eine moderne Führungskraft muss lernen, dass sie nicht alles wissen kann oder muss und dass sie scheitern darf
  • Sie muss das Vertrauen haben, nicht alle Probleme alleine lösen zu müssen. Sowohl Vorgesetzte als auch Mitarbeiter dürfen diese Erwartung nicht stellen.
  • Moderne Führungskräfte sind keine Profit maximierenden Einzelkämpfer sondern am Wohl der internen und externen Stakeholder orientierte Mentoren, die Menschen fördern und in ihrer Entwicklung weiter bringen.
  • Sie bringen deshalb Empathie mit, um mit den Bedürfnissen und den wachsenden Ansprüchen umgehen zu können und das Gemeinwohl über den Eigennutz zu stellen
  • Moderne Führung motiviert und lädt zur Teilnahme ein. Sie stiftet und bildet Identität und bewegt Menschen
  • Moderne Führung ist vernetzt und fördert die Vernetzung nach innen und nach außen. Sie stellt deshalb auch Kooperation vor Wettbewerb
  • Moderne Führung unterstützt den Wandel und erhöht die Anpassungsfähigkeit des Unternehmens durch Vielfalt
  • Moderne Führung ist möglichst offen und transparent und lässt sich helfen
  • Moderne Führung stellt den Status Quo in Frage und ist an Veränderung und Wandel interessiert
  • Moderne Führung wechselt je nach Problem und Kompetenz
  • Sie ist deshalb nicht an Macht und der Durchsetzung ihres Willens interessiert
  • Jeder von uns kann sie ausüben, denn jeder sollte sich professionalisieren
  • Sie darf nicht länger auf Seniorität beruhen. Gerade heute gilt es von den jungen Menschen zu lernen insbesondere im Hinblick auf die Digitalisierung
  • Führung ist keine Ausrede für den „Geführten“
  • Führung beginnt mit Menschenwürde und Respekt

Führung fängt allerdings bei den kleinen Dingen an. Hier einige einfache Regeln oder Weisheiten, deren Befolgung ganz einfach erscheint. Es folgt ein Dokument der Antwerpen Management School.

[slideshare id=22972131&doc=19challengingthoughtsaboutleadership-2ndedition-130614070520-phpapp01]

Das sollten Sie auch lesen

Umair Haque: The great dereliction

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

Post A Comment

 

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Noch eine neue Herausforderung: Echtzeit Banking

Die Herausforderungen für Banken nehmen gar kein Ende mehr. In diesen Tagen ist es sicherlich nicht einfach die Ruhe und...

Schließen