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Ein Barcamp ist kein Barcamp

Freitag 01. Oktober 2010

Das erste genossenschaftliche Barcamp ist vorbei und es wird nicht das Letzte gewesen sein. Einen ganzen Tag lang wurde in den Geschäftsräumen der Volksbank Bühl über  Social Media berichtet und diskutiert. Als wir am frühen Morgen starteten, wussten wir  – wie das bei Barcamps üblich ist – alle noch nicht, was auf uns zukommen würde. Jeder Teilnehmer hatte die Gelegenheit eine kurze Präsentation zu halten, über die dann anschließend diskutiert werden konnte. Hierfür standen pro Teilnehmer 25 Minuten zur Verfügung. Als Moderator blieb mir die Vorbereitung einer eigenen Präsentation erspart. So führte ich, nach einer kurzen und sehr sympathischen Begrüssung durch Claus Preiss, den twitternden Vorstand der Volksbank Bühl, mit einigen Buchtipps in den Tag ein. Die erste Präsentation wurde dann von Franz Welter gehalten, womit die drei Initiatoren des Barcamps genannt wären

Ein kleiner Schritt für den digitalen Profi, aber …

Wer die genossenschaftliche Gruppe nicht kennt und sich möglicherweise tagtäglich auf Barcamps oder ähnlichen Veranstaltungen rumtreibt, wird nicht einschätzen können, welche Innovation eine solche hierarchiefreie Veranstaltung darstellt. Denn auch in genossenschaftlichen Umfeldern und gerade in Banken ist die Bildung von sehr festen hierarchischen Strukturen an der Tagesordnung. Sehr viele Events, sowohl innerhalb als auch zwischen Unternehmen, sind geprägt von  strengen Regularien sowie Taktiken und Kalkülen. Eine Kultur der „Unorganisation“ bzw. der Selbstorganisation muss erst eingeübt werden, zumal wir auf eine sehr lange Historie zurückblicken, in der sich Selbstverständlichkeiten enwickeln, die uns kaum noch ins Bewusstsein dringen. Aber ist das nicht auch einfach menschlich? Und nur die Rückkehr zum Menschlichen wird Unternehmen und Wirtschaft wieder in die richtigen Bahnen lenken.

Die wesentlichen Erkenntnisse

Aus den vielen spannenden Beiträgen kristallisierten sich diese wesentlichen Erkenntnisse heraus.

  • Social Media ist ein Chance für genossenschaftliche Banken
  • Es ist ein Katalysator für die Stärken des genossenschaftlichen Verbundes
  • Social Meida dringt meistens von außen in das Unternehmen ein oder beginnt über die tieferen Hierarchieebenen zu wachsen.
  • Social Media ist eine Kulturfrage
  • In der Regel beschäftigen sich zunächst Kommunikationsverantwortliche, Marketingverantwortliche und Mitarbeiter aus Internetumfeldern mit Social Media
  • Social Media erfordert Leidenschaft und Begeisterung. Die meisten Unternehmen, die sich mit Social Media befassen, profitieren von Mitarbeitern, welche ihre Erfahrungen zunächst im privaten Bereich machen. Man kann Social Media nicht anordnen
  • Social Media bedeutet Veränderung. Es ist mehr als Marketing und Kommunikation, bevor  jedoch das vollständige Potential wirken kann, muss noch viel gelernt werden.
  • Behutsames Vorgehen ist wichtig. Man muss langsam wachsen und benötigt kleine Erfolge um Akzeptanz zu erzielen. Deshalb können auch von klassischem Marketing geprägte Ansätze ein erster Schritt sein.
  • Zuhören, lernen , verstehen, düngen und wachsen sind die wesentlichen Prinzipien
  • Es gibt vor allem im Bereich Enterprise 2.0 noch herausragende Möglichkeiten. Bei fast allen Teilnehmern beginnt die Social Media Anwendung aber eher im Kontakt mit der Aussenwelt
  • Es braucht immer einen Social Media Verantwortlichen und dieser muss sich im Unternehmen sehr gut auskennen, darüber hinaus benötigt er ein gutes Standing, um Konflikte aushalten zu können
  • Für Unternehmen ist es nicht leicht die Kommunikationsregeln von Social Media zu lernen und zu praktizieren.
  • Social Media ist sehr stark von Personen abhängig
  • Anfängliche Ängste stellen sich in der Regel als unbegründet heraus
  • Social Media stellt bestehende Strukturen und Machtverhältnisse in Frage
  • Social Media stößt auf interne Widerstände und erzeugt Verunsicherungen, da es es inerhalb der Unternehmen noch keine Maßstäbe gibt, nach welcher sich Erfolg oder Misserfolg bewerten ließe.
  • Die Bankbranche wird sich in den nächsten Jahren sehr stark verändern. Ein Motor dieser Veränderungen ist das Internet und Genossenschaftsbanken müssen sich hier professioneller aufstellen
  • Alle Banken werden mit Social Media konfrontiert werden, es gibt keine Möglichkeit nicht Social Media zu nutzen bzw. nicht von Social Media Nutzung betroffen zu sein
  • Es herrscht der Wunsch nach Möglichkeiten den Erfolg von Social Media auch messen zu können, aber es geht um mehr als Leads oder Abschlüsse
  • Social Media ist nicht sozial
  • Banken und Zentralinstitute müssen sich gegenseitig unterstützen und sich am Kunden (Endverbraucher) orientieren, damit überhaupt Erfolge erzielt werden können
  • Social Media macht Spass
  • Bankprodukte und Bankthemen lassen sich nur schwer emotionalisieren. Gerade genossenschaftliche Banken wollen, können und sollten aber mehr bieten als Geld und Zinsen.
  • Wir brauchen mehr Unterhaltung. Und mehr Substanz (DNA)
  • Social Media wird zur Normalitität. Insofern wird der Begriff zu einem Auslaufmodell. Dies gilt auch für den Begriff Digitalisierung.
  • Dies bedeutet: Social Media wird zur Aufgabe von Jedem und damit von Niemanden
  • Social Media ist auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft.
  • Der Eisatz von externen Agenturen ist nur zu Beginn hilfreich. Jedes Unternehmen muss für sich seinen eigenen Weg finden.
  • Das Ende der Social Media Gurus ist gekommen
  • Das Medium ist nicht die Botschaft.
  • Social Media ist Selbstorganisation von unten
  • Es wird ein zweites Barcamp geben

Mein Fazit: Schluss mit Social Media Dogmen: Erlaubt ist was funktioniert

Ich habe viele nette und leidenschaftliche Menschen kennen gelernt.  Ich bekam einen Einblick in die tägliche Arbeit meiner Kollegen, konnte Stolz über erzielte Erfolge teilen und mitleiden bei der Darstellung von Schwierigkeiten. Ich habe gelernt, wie viele unterschiedliche Sichtweisen es in Sachen Social Media gibt und wie professionell sich die Unternehmen mit dem Thema auseinandersetzen bevor sie loslegen. Ich habe erfahren, wie viele Faktoren bei der Auseinandersetzung mit Social Media zu berücksichtigen sind

Mir wurden die Ideen hinter den Konzepten und Aktivitäten vermittelt, wodurch sich mir Ansätze, die ich vorher eher kritisch betrachtete, auf einmal erschlossen.

Ich denke die Zeit des Dogmatismuses und der kritischen Social Media Gurus ist vorbei. Social Media ist menschlich und hier ist prinzipiell alles möglich und vieles erlaubt. Sogar Werbung in Social Media Kanälen, denn Unternehmen möchten und müssen Geld verdienen. Sie verkaufen Produkte an Menschen und wenn Werbung sich als Werbung darstellt, dann darf und kann sie durchaus hilfreich für Menschen sein. Wenn Werbung menschliche Emotionen zeigt und hervorruft und das Publikum zu Reaktionen bewegt  – einem Lächeln oder einem lobenden Kommentar – dann kann sie nichts falsch gemacht haben. Wenn Unternehmen die Social Media Kanäle zunächst mit Werbung bespielen, weil sie z.B. noch nicht wissen, was funktionieren kann und was die Menschen wirklich wünschen, dann ist das legitim. Auch Unternehmen müssen erst lernen. Diese Bereitchaft sollten sie allerdings mitbringen.

Aber bei Werbung darf es nicht bleiben. Zunächst einmal braucht man ein gutes Produkt, welches menschliche Bedürfnisse befriedigt. Dieses Produkt muss unter fairen Bedingungen hergestellt und verkauft werden. Seine Herstellung sollte weder Mensch noch Natur schaden. Dieses Produkt muss einen echten nachhaltigen Wert darstellen. Die Menschen für bzw. mit denen das Produkt entwickelt wird, sollten dabei ernst genommen werden. Der Versuch gleichberechtigt, ehrlich und authentisch miteinander umzugehen, ist wesentlicher Bestandteil unterehmerischen Handelns. Das Internet bietet hier ganz neue Möglichkeiten und wer diese nutzt, brauch sich vor der Zukunft nicht zu fürchten.

Eine Bausparkasse die Millionen Menschen den Traum vom und das Bedürfnis nach einem eigenen Haus erfüllt hat, braucht keine Nachhilfe von Social Media Gurus. Sie ist schon lange DNA bzw. Teil der „Intention Economy.

Im März 2011 gehts weiter

Es wird ein zweites Barcamp geben. Wir wollen mehr genossenschaftliche Unternehmen einladen, wobei auch die Skeptiker und Kritiker stärker zu Wort kommen sollen. Unser Barcamp wird dann hoffentlich noch experimenteller und moderner werden, denn „Unorganisation“ will erst mal gelernt sein bzw. Organisation erst mal verlernt werden.

Mein musikalisches Resümee des Tages

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Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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