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Echo 2012: Schrott Business statt Show Business

Letzten Donnerstag schaute ich Fernsehen. Ich sehe leider noch sehr oft Fernsehen. Für die Bar Netzwerk war ich zu müde, also habe ich in meinem kleinen Zimmer auf Schloss Montabaur bei der ADG immer mal wieder in den Echo 2012 gezappt. Nehmen Sie es mir nicht übel, hier geht es heute nicht um Banking und Finance, denn offensichtlich gibt es Branchen, die sind noch viel schlimmer dran.

Auch deutsche Künstler möchten ab und zu mal einen Preis bekommen und weil kein anderes Land auf der Welt einem deutschen Künstler freiwillig einen Preis aushändigen würde, muss man eben seinen eigenen „Publikumspreis“ erfinden. Dieser wird nun seit 1992 verteilt und mit der Verleihung des Preises kann man dann auch mal die ein oder andere vom Fernsehzuschauer teuer bezahlte „Fernsehstunde“ verschwenden. Wer noch nach einem Grund für die Abschaffung der GEZ-Gebühr sucht, kann nach dieser Sendung die Suche einstellen

Das deutsche Show Business besteht offensichtlich aus wenig talentierten, wenig einfallsreichen und oder alternden ewig gestrigen Künstlern, die sich gegenseitig feiern und nebenbei kleine Ereignisse der Film- und Fernsehgeschichte nachspielen. Oder wieso kommen Ina Müller (diese Frau ist kaum zu ertragen) und Barbara Schöneberger (diese Frau ist noch viel weniger zu ertragen)  darauf, sich auf der Bühne zu küssen? Wen soll das noch schockieren und welche Generation sprechen diese Moderatorinnen eigentlich an? Hatte Pop Musik nicht mal was mit Jugendkultur zu tun? 

Aber warum schaue ich mir sowas auch an und noch viel schlimmer: Warum überrascht mich das noch. Man muss ja nur das deutsche Dudel Radio einschalten, um zu erkennen, dass es um die deutsche Pop- und Rock Musik noch viel schlimmer bestellt ist, als um jede andere Branche. Jede Minute BFBS entlarvt die Armseligkeit deutscher Unterhaltung. Wie kann es sein, dass eine Band wie die „Toten Hosen“ oder die Ärzte nach wie vor die Arenen füllen und ansonsten nur Plagiat Pop- und Rock oder volkstümliche Pop Musik ala Silbermond die Radiowellen verschmutzen. Warum hört man einige Songs 50 bis 100 mal am Tag und zwar auf allen Radiosendern? Und warum beschweren sich dann noch Vertreter dieser Branche, über das böse Internet, welches die Einnahmen der Künstler und Verlage auffressen soll. Dabei sind es doch die Künstler, Verlage und Medien selber, die den Musik Interessierten verprellen und zu Tode quälen.

Pop Musik stand für mich auch immer für Devianz. Sie hat in Frage gestellt und war mal ein Motor zumindest aber ein Anstoß für Veränderung. Wie soll man von Unternehmen Veränderungen erwarten, wenn die Jugend nicht mal mehr mit einer Popkultur aufwächst, die noch etwas verändern möchte.

Auf der Facebook Seite von Mario Sixtus habe ich am Freitag den folgenden Link gefunden, der auf einen Artikel von Malte Welding hinwies. Malte Welding fragt in seinem Essay zur deutschen Fernsehkultur, ob das Volk vor Langeweile stirbt. Diesem Artikel ist kaum noch etwas hinzuzufügen, außer vielleicht: Ich bin bei der Verleihung des Echo 2012 nicht an Langeweile gestorben, weil die Wut mich wach gehalten hat. I

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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