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Die Kraft der regionalen crowd

Aus der Gegenwart in die Zukunft des Internets

Die amerikanische Altimeter group steht für echte Qualität bei der Analyse der digitalen Ökonomie. In letzter Zeit beschäftigt sich das Unternehmen verstärkt mit der „Sharing Economy“ die sie als ein weiteres Muster im Prozess der Digitalisierung ausmacht. Die bisherigen Muster:

  • Das Internet entsteht und entwickelt sich, Unternehmens Websites (Vergangenheit)
  • Social Media und dann Social Busines (Gegenwart)
  • Sharing Startups dann kollaborative Ökonomie (Zukunft)

Nicht alle Ökonomien dieser Welt sind innerhalb der Muster gleich weit fortgeschritten. Zwar kann man auch Deutschland attestieren, dass man sich in Muster 2 und damit in der Gegenwart befindet. Allerdings verharren wir wohl überwiegend in Social Media, nur wenige Unternehmen sind bereits im Bereich Social Business unterwegs. Deutschland, seine Menschen, Institutionen und auch Unternehmen tun sich schwer mit dieser Entwicklung.

Die crowd als Ökosystem

Ein wesentliches Element der Sharing Economy ist die crowd. Sie war bzw. ist schon für Social Media und Social Business relevant, wird auf dem Weg in die Sharing Economy aber immer wichtiger.

Jedes Unternehmen lebt in einer eigenen, nicht geschlossenen – also mit eher offenen Grenzen zu betrachtenden – Crowd, die es auf dem Weg in die Sharing Economy immer intensiver zu nutzen gilt.

Die Crowd ist möglicherweise das Überlebenselexier moderner Unternehmen. Zu dieser Crowd gehören für eine Volksbank Raiffeisenbank zum Beispiel:

  • Die Mitarbeiter
  • Die Kunden
  • Die Mitglieder
  • Die Einwohner des Geschäftsgebietes
  • Regionale Institutionen
  • Regionale Unternehmen
  • Die regionale Wirtschaft (etwas abstrakt)

Diese crowd wird nun immer mehr zur Welt der Bank. Ist also nicht mehr nur Umwelt, wobei sie natürlich Beides ist und die Zustände ständig wechseln. Diese Sichtweise ist neu, obwohl sie grundsätzlich vertraut sein sollte, die Bereitschaft die crowd wirklich zu beteiligen und ihr zu dienen, steht aber meistens nur auf dem Papier und war vor 150 Jahren wohl wesentlich ausgeprägter als  heute. Man könnte sagen: Damals wurde die crowd noch erkannt, heute scheint die gegenseitige Bedingung und Beeinflussung nicht erkannt zu werden.

Nutzung der crowd

Wie kann die Bank nun die crowd nutzen? Beziehungsweise, eigentlich müssten wir fragen: Wie muss die Bank nun die crowd nutzen?

Die crowd ist, so die Altimeter Group – die Basis für Resilienz. Sie macht Unternehmen ein Stück weit antifragil, sichert die Überlebensfähigkeit in einer niemals kalkulierbaren Umwelt. Durch die crowd  oder deren Aktivierung reduziert das Unternehmen Risiken, bewegt sich schneller und kann gleichzeitig wachsen, wobei ich „wachsen“ hier lieber durch anpassen oder wandeln ersetzen würde, da ich persönlich nicht den Wachstumsgott anbete.

  • Das Unternehmen muss die eigene crowd erschließen, indem es sich mit dem eigenen Ökosystem vernetzt, wodurch es Vielfalt erschließen und aus dieser Vielfalt neue Ideen generieren kann.
  • Die Nutzung der crowd erleichtert die Anpassung an sich verändernde Markterfordernisse. Schnelle Richtungswechsel werden möglich. Bisher untätige Ressourcen können schnell aktiviert werden. Das Unternehmen aktiviert damit Selbstheilungskräfte
  • Die Crowd kann je nach Situation und Bedarf größere Teile der Belastung übernehmen, um im Umfang zuzunehmen oder auch abzunehmen. Wachstum kann dann zum Beispiel erzielt werden, indem Aufgaben an die crowd vergeben werden.
  • Nicht unerwähnt bleiben sollte die Tatsache, dass die Vernetzung mit der crowd auch die Bindung und das Vertrauen untereinander erhöhen wird, wodurch auch schlechte Zeiten gemeinsam überstanden werden können.

Unternehmen, welche die crowd nicht aktivieren können, sind aus Sicht der Altimeter Group fragil, weil sie isoliert agieren, nur linear wachsen und auf jene Menschen angewiesen sind, die sie einstellen bzw. die bereit sind sich einstellen zu lassen.

Die Volksbanken Raiffeisenbanken

Für Volksbanken Raiffeisenbanken als eher traditionellen Player wäre also die Entwicklung eines auf dieser crowd basierenden Geschäfts- oder Organisationsmodells ein sehr empfehlenswerter, wenn nicht sogar überlebenswichtiger Schritt, dessen Ausführung ihr grundsätzlich auch  leicht fallen sollte, da die genossenschaftliche Idee das Prinzip der Gemeinschaft bereits in sich trägt. Die mehr als 150. –jährige Geschichte spricht dafür, dass der genetische Code dieser Vereinigung durchaus bereits gewisse Aspekte von Resilienz aufgewiesen hat. Es darf allerdings nicht verkannt werden, dass die Veränderungen in der Umwelt eine dramatische Herausforderung darstellen, welchen einzelne Organismen zum Opfer fallen werden, um das Ökosystem fortführen zu können.

Die Aktivierung der weiter oben genannten Gruppen wäre eine zu nutzende Chance. Die Vielfalt, welche die genossenschaftlichen Banken über ihre jeweils regionalen crowds hervorbringen könnte, wäre ungleich größer als die aller anderen konkurrierenden Finanzunternehmen. Wahrscheinlich wäre auch der Weg zur Aktivierung leichter, da die Beziehung zu den Gruppen in der Regel intensiver als bei anderen Finanzunternehmen sein müsste.

Nutzt die Bank die crowd, dann kann sie sich schneller wandeln. Sie kann nach Bedarf wachsen und schrumpfen. Auch Anpassungen des Geschäftsmodells können durch die enge Vernetzung mit der crowd gelingen, da Bedürfnisse und auch Potentiale nahezu automatisch in den Kern des Ökosystems eindringen können. Volksbanken Raiffeisenbanken müssten dann wirklich mehr als Geld und Zinsen bieten. Manche neue Dienstleistung ließe sich dabei sogar in der Vergangenheit finden.

Eine leidenschaftliche crowd, die hinter einer Idee steht, von der sie selber profitiert und deren Teil sie auch ist, versorgt die Bank mit einem Reservoir erneuerbarer Energien. Die Crowd erledigt den Job der Bank bzw. sie nutzt das Potential der Hilfe zur Selbsthilfe.

Die kollaborative Ökonomie ist eine Chance für die genossenschaftliche Gruppe, die allerdings beim Schopfe gepackt werden müsste. Bisher hat dies nur die Volksbank Bühl mit ihrer crowdfunding Plattform gemacht.

Quelle

Meet the resilient corporations von Jermiah Owyang

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