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Die bescheidene Bank

Wie halten wir es eigentlich mit bescheidenen Menschen? In der Regel mögen wir solche Menschen. Sie sind beliebt. Bescheidenen Menschen schreibt man folgende Verhaltensweisen oder Eigenschaften zu:

sie sind genügsam,

sie stellen sich nicht in den Mittelpunkt,

sie beanspruchen wenig für sich,

sie ordnen die eigenen Interessen den Interessen der Anderen unter.

Bescheidene Menschen

Bescheidene Menschen finden sich häufig auch in dienenden Berufen und es kommt dabei gar nicht so selten vor, dass sie die eigene Person einem höheren Ziel oder Zweck unterwerfen. Eine solche Person war beispielsweise Helmut Schmidt. Ein Politiker Typus, den man in der aktuellen Garde der politischen aber auch wirtschaftlichen Führungskräfte kaum noch findet.

Regel für das soziale Web

Wenn wir in Sachen sozialem Internet etwas gelernt haben, dann – da sind sich wohl die meisten Gurus – einig, dass wir dadurch zurück zu einer menschlicheren Kommunikation bzw. Ansprache finden und dass sich für Unternehmen, die diese Regeln dort beherzigen neue Erfolgschancen ergeben, während Unternehmen, welche nicht in der Lage sind sich entsprechend anzupassen, keine Chance mehr in der Internetökonomie besitzen.

Bescheidenheit als besonders menschliche Qualität, die zumeist auch zu höherer Beliebtheit zumindest aber zu Bewunderung führt, sollte insofern auch eine Eigenschaft sein, mit welcher Unternehmen im sozialen Internet aber auch außerhalb erfolgreich sein sollten.

Menschliche QualitÄten

Die bescheidene Bank würde zum Beispiel:

ihre Interessen den Bedürfnissen und Zielen der Menschen unterordnen,

sie würde zunächst intensiv zuhören und prüfen, wie sie den Menschen helfen könnte,

sie würde weniger über sich selbst sprechen

sie wäre geduldig und nicht auf die schnelle Überzeugung und den schnellen Erfolg aus,

sie würde Fehler eingestehen, bereit sein sich für eine höhere Sache zu verändern und hätte den Gesamtzusammenhang im Blick.

Um das mal kurz zu übersetzen. Die bescheidene Bank würde nicht in jedem Online Kanal schreiben wie toll sie ist, wie toll die Konditionen sind und welche tollen neuen Produkte sie hat. Sie würde nicht in allen Online Kanälen mit Gewinnspielen und uninteressanten Informationen aufwarten und nur solche Gespräche zulassen oder führen, welche sie selber initiiert haben. Sie würden eben andere Menschen auch Gespräche initiieren lassen und sich nur einmischen, wenn sie wirklich helfen könnten. Die bescheidene Bank hätte Geduld und ließe sich nicht durch qunatitative Erfolge (mehr Gewinnspiele, mehr Fans, höhere Preise, mehr Interessenten, mehr Kunden, mehr Provisionen, weniger Mitarbeiter..) blenden. usw.

Sowas kann es nicht geben

Aber eine bescheidene Bank ist ja eigentlich unmöglich. Nicht in diesem Wirtschaftssystem, nicht in dieser Gesellschaft, nicht in dieser Welt. Oder?

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Hansjörg Leichsenring

    Interessanter, fast schon philosophischer Ansatz. Um mal eine provokante Gegenthese auszustellen: Können und dürfen Banken in Zeiten von Finanzkrise und höheren Eigenmittelanforderungen überhaupt bescheiden sein? Müssen Sie nicht vielmehr mit ihrer (vermeintlichen) Stärke ihre Sicherheit unter „Beweis“ stellen und so um Kunden buhlen?
    Wollen Kunden überhaupt bescheidene Banken?

  • Udo Gimbel

    Ein bescheidenes Unternehmen bräuchte auch bescheidene Mitarbeiter/innen, denn Unternehmen werden durch die Menschen, welche für sie arbeiten, geprägt. Mich erinnert dieser Ansatz etwas an die „neuen Menschen“, die man für diverse „Langzeit-Experimente“ (Nationalsozialismus, Sozialismus, Kommunismus, Scientology etc.) benötigt(e). Interessant dabei ist, dass hier immer gänzlich unbescheidene Menschen an der Spitze standen/stehen.

    Gesellschaftspolitisch wirksamer als „Bescheidenheit“ ist „Verantwortung“. Verantwortliche Unternehmer/n. Sie geben Menschen leistungsgerechten Lohn, bieten gesunde, verständliche Produkte an, bemühen sich um ein partnerschaftliches zu ihren Kunden und geben schlussendlich der Gesellschaft in ihrem Wirkungsbereich durch Steuern, Abgaben und nicht zuletzt Spenden einen angemessenen Anteil. Das kann man auch auf Banken beziehen.

    Abschließend etwas zu zwei großen Deutschen: Adenauer, der gesagt haben soll „Nehmen Sie die Menschen so wie sie sind. Es gibt keine anderen.“
    Und Helmut Schmidt hat sicher (und auch verdient) das Image des bescheiden dienenden Hanseaten – aber er war zu seiner Zeit als aktiver Politiker ein ausgesprochener Machtmensch – und das war auch gut so.

    In diesem Sinne – nur keine falsche Bescheidenheit!

  • Boris

    Hallo zuammen,

    @Herr Leichsenring – das ist in der Tat eine eher philosophische Frage, zumal man Bescheidenheit ja in vielerlei Hinsicht und aus vielen Perspektiven betrachten kann. Grundsätzlich -und damit bin ich auch bei Ihnen Herr Gimbel – geht es mir ja darum die eigenen Interessen hinter die Interessen der Kunden zurückzustellen. Sie sprechen ja implizit auch das Problem der Unterscheidung von Mensch und Organistion an. Braucht eine Bank dafür bescheidene Mitarbeiter? Entsteht die Bescheidenheit aus der Summe bescheidenenr Mitarbeiter oder ist es vielleicht so, dass das Unternehmen (die Bank) schon lange keinen Raum mehr lässt für Eigenschaften und Werte, die nicht zur Unternehmensstrategie passt. Bei den Genossenschaftsbanken soll das mit der Bescheidenheit ja durchaus funktionieren. Zumindest wenn wir unseren Werbekampagnen glauben schencken dürfen. Es geht ja nicht darum was die Banken sondern was unsere Kunden antreibt. In allen kommunikativen Berechen geht es dann eben auch darum einmal auf den ersten Schritt der anderen zu warten. Mit Scientology oder extremen politischen Richtungen kann man Bescheidenheit von Unternehmen sicherlich nicht in Verbindung bringen. Ich denke – und das wird zukünftig auch ein wichtigeres Thema in diesem Blog sein – es ist an der Zeit sich mit der Soziologie und Psychologie von Unternehmen aber auch den grösseren Systemen zu beschäftigen, denn hier liegen auch die Barrieren, die wirklich substanzielle Veränderungen verhindern.
    Helmut Schmidt mag zwar auch ein Machtmensch gewesen sein, er war aber – und ist – in der Darstellung und Inanspruchnahme von Erfolgen durchaus auch sehr bescheiden.
    Jetzt aber noch mal zu Ihnen Herr Leichsenring. Die Frage, die sich mir stellen würde wäre. Für wen muss das die Bank tun? Für sich oder für die Kunden?

    mfg
    Boris Janek

  • Matthias Schubert

    Hallo Herr Janek,

    ich selbst mache gerade sehr gute Erfahrungen mit einer Bank. Ob sie bescheiden ist? Auf die eine oder andere Weise schon ein bißchen, denn sie kommuniziert zwar auch über die Social Media-Kanäle, setzt sich dabei aber meist eher für ihre Werte und Überzeugungen ein. Ich rede von der Ethikbank.

    Auf jeden Fall erlebe ich die Ethikbank, obwohl sie eine Direktbank ist, als sehr menschlich. Ruft man dort an, erreicht man tatsächlich meist die auf der Website angegebene Frau Ahlendorf, bzw. sie ruft kurzfristig zurück. Also kein anonymes Call-Center.

    Das mag auch daran liegen, dass die Ethikbank vergleichsweise klein und überschaubar ist. Aber gerade das, und das daraus entstehende -gefühlte- persönliche Verhältnis, macht sie vielleicht so sympathisch. Wir werden sehen, ob das so bleibt, wenn sie weiter wächst.

    Ich habe gerade einen eigenen Blogbeitrag über das, wie ich finde, gelungene After-Sales-Marketing der Ethikbank veröffentlicht (http://goo.gl/2hbYD). Dieser zeigt an einem weiteren Beispiel die menschlich-partnerschaftlichen Züge dieser Bank. Es würde mich freuen, wenn Sie Interesse haben ihn zu lesen.

    Viele Grüße

    Matthias Schubert

    • Boris

      Hallo,

      das Klingt ja sehr gut. Und um beim Thema Bescheidenheit zu bleiben. Wenn die Bank das soziale Internet eben sehr zurückhaltend nutzt und eben in den Dienst der Kunden stellt, anstatt nach Fans zu jagen und mit Gewinnspielen zu Ködern, dann ist dies genau ein Aspekt der von mir gemeinten Bescheidenheit. Schliesslich leben wir ja in einer Welt – und da müssen wir uns nichts vormachen – in welcher das Wohl eines Unternehmens oder einer Institution – vor das Wohl eines Menschen geht und wir akzptieren dies alles jeden Tag aufs Neue einfach ganz selbstverständlich bzw. tragen selber dazu bei.

  • Hansjörg Leichsenring

    Herr Schubert, Herr Janek

    Ist irgendwie spannend, dass wir uns in den aktuellen Beiträgen unserer Blogs parallel mit unterschiedlichen Aspekten desselben Themas befassen.

    Ich habe ja gerade einen Artikel zum Thema Leitbilder und Geschäftserhik von Banken geschrieben (Der-Bank-Blog: http://bit.ly/fI9CWr).

    Zu Ihrer Frage Herr Janek: Stärke zeigen für die Bank oder für den Kunden?

    Seit dem Desaster der isländischen Banken (Stichwort Kaupthing Bank) wissen auch deutsche Sparer, was eine Einlagensicherung wert ist. Und eine solche Einlagensicherung funktioniert nur mit starken Banken. Aus eigener Erfahrung (ich habe letztes Jahr eine Bank in die Deutsche Bankenaufsicht und den Einlagensicherungsfond begleitet), kann ich sagen, dass das alles andere als eine Alibi-Veranstaltung ist. Um aufgenommen zu werden, wird hart geprüft und auch dann fragen die Prüfer streng nach, wenn Änderungen der Geschäftspolitik vorgenommen werden.

    Letztlich und das habe ich in meinem o.g. Blogbeitrag auch geschrieben, benötigen Banken Gewinn, um erfolgreich zu sein. In Zeiten erhöhter Eigenmittelunterlegung ist damit Gewinn gerade für Volksbanken und Sparkassen, die nicht mal eben eine Kapitalerhöhung vornehmen können, ebenso wichtig geworden, wie für Privatbanken. Von daher glaube ich, dass zu viel vermeintliche Bescheidenheit nicht im Kundeninteresse ist.

    Aber ich glaube, im Ergebnis liegen wir mit unserer Beurteilung nicht weit auseinander, Bescheidenheit im Auftreten ist in Zeiten der Bankenkrise und des Vertrauensverlustes der Kunden sicherlich der bessere Weg, als prhlend durch den Markt zu laufen…

    Beste Grüße
    Hansjörg Leichsenring

    http://www.der-bank-blog.de
    http://www.hansjoerg-leichsenring.de

    • Boris

      Hallo,

      ich denke auch, dass wir da nicht weit auseinander liegen. Wobei natürlich auch die Sachzwänge des Bankensystems hinterfragbar wären. Ich denke in einer Welt in welcher das Modell Goldmann Sachs oder mit Abstrichen auch Deutsche Bank unhinterfragt weiter den dominierenden und den Weg vorgebenden Faktor ausmacht, werden es Volksbanken Raiffeisenbanken und Sparkassen nicht leicht haben dauerhaft zu bestehen und dann sieht es auch für den Kunden nicht so rosig aus.

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