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Crowdfunding: Groß oder Nachhaltig?

Die deutsche Wirtschaft basiert auf einem gesunden mittelständischen Fundament, auch wenn das deutsche Pionierunternehmertum ein wenig in die Jahre gekommen scheint. Ausserdem wird uns immer stärker bewusst, das „Small beautiful(er) als Big“ ist. Dennoch scheint die Sehnsucht nach Größe, nach dem Superlativ, irgendwie in unseren Genen zu stecken. Auch einige crowdinvesting Anbieter sind deshalb auf der Jagd nach Rekorden.

Groß

Die Crowdinvesting Plattform seedmatch kündigt das erste Finanzierungsvorhaben über 200.000 Euro an. Honestly, ein Unternehmen aus Karlsruhe, möchte 400.000 Euro über eine zweite Finanzierungsrunde bei seedmatch einsammeln, nachdem man im August 2012 bereits 100.000 Euro bei seedmatch generieren könnte.

Honestly (www.honestly.de) hat eine App für Kunden entwickelt, die direktes, anonymes und nicht-öffentliches Feedback an Geschäftsführer serviceorientierter Unternehmen ermöglicht. Im August 2012 hat sich das Startup bereits erfolgreich über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch finanziert – damals in 172 Minuten. Am 21. Februar startet die 400.000-Euro-Anschlussfinanzierung bei Seedmatch, Privatpersonen können sich erneut ab 250 Euro an Honestly beteiligen

Nachhaltig

Zum Glück ist die Finanzierung über die crowd nicht mehr nur – zumindest auf den ersten Blick -beeindruckenden Start up Ideen vorbehalten. United Equity bereitet das Feld für die Crowd- Mittelstandsfinanzierung. Kein leichtes Terrain, denn ich stelle es mir gar nicht so einfach, vor einen eher konservativ wirtschaftenden und denkenden Mittelständer von dieser ungewohnten Finanzierungsmöglichkeit zu überzeugen. Um so erfreulicher, dass endlich das zweite Finanzierungsprojekt eingestellt werden konnte. Das Unternehmen: Kamin und Schornsteinbau Rieder benötigt eine Summe von 50.000 Euro. Investoren erhalten eine Rendite von 6,5 Prozent, Laufzeit 5 Jahre, Anlageform Genussrechte

Beeindruckend

Lothar Lochmaier hat vor kurzer Zeit eine sehr spannende und informative Artikelserie zum Thema crowdfinance geschrieben. Hier geht es zum ersten von insgesamt 4 Teilen. Er weist dort zurecht darauf hin, dass sich in dieser recht jungen und boomenden Branche die Spreu vom Weizen trennen wird (muss). Es wird sehr schnell zu einer Konsolidierung kommen. Und über allen Anbietern schwebt die Gefahr einer Kollektivschuld, wenn einmal was schief geht:

Läuft hier etwas im Geschäftsmodell aus dem Lot, so wird die aufstrebende junge Branche anschließend in kollektive Sippenhaft genommen. Im Klartext: Während wir uns bei einem konventionellen Bankkredit – und erst recht beim hochselektiven Venture Capital – längst an eine gewisse standardisierte Kreditausfallrate und das damit verbundene Scheitern einer Gründer- oder Wagniskapitalidee gewöhnt haben, so wäre das Scheitern eines via Crowdinvesting finanzierten Unternehmens ein Novum. Erst recht gilt dies für die hierzulande vorherrschende risikoaverse Grundhaltung im Land der Dichter und Denker.

Die Jagd nach Größe mag da ein mögliches Risiko darstellen, auch wenn die erreichten Größenordnungen vor allem von Marktführer seedmatch sehr beeindruckend sind.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Lothar Lochmaier

    Im Moment haben wir noch einen Anbieterüberhang, wo sich die Seriösen erst von den grauen Kapitalmarktmäusen trennen sollten. Aber auch die Mittelständler haben junge Nachfolger im Management, die Crowdfinance oder -investing als „normale“ technisch-soziale Evolution sehen. Leider fehlt hier die Haltung, dass eine „gescheiterte Idee“ oftmals der Beginn und die Voraussetzung für den Erfolg danach ist. Oder wie Albert Einstein es (sinngemäß) so formuliert hat:

    „Die reinste Form des Wahnsinns ist es alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert“.

  • Kleine Presseschau vom 21. Februar 2013 | Die Börsenblogger

    […] Finance 2.0: Crowdfunding: Groß oder Nachhaltig? […]

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