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Crowdfunding beerdigt: Gott schütze und vor dieser Bundesregierung

Aus aktuellen Anlass veröffentliche ich heute noch einmal den Blogbeitrag  vom 13. August 2014, denn gestern ist es wirklich passiert. Die Bundesregierung hat das Gesetz zum Kleinanlegerschutz verabschiedet, welches das demokratischste Finanzierungsinstrument der Welt erheblich gefährdet. Aber nicht nur das: Deutschland wird als Standort für Crowdinvesting und für startups einen weiteren Schritt zurückgeworfen. Statt Innovationen und vor allem die digitale Erneuerung in Deutschland zu fördern, schüttet man lieber das Kind mit dem Bade aus.

 

In einem ausführlichen Artikel von netzwertig.com gibt es mehr Informationen. Es ist darüber an der Zeit eine Initiative zu starten, um gemeinsam ein umdenken innerhalb der Politik zu erreichen. Erste Ideen sind gestern in meinen sozialen Netzwerken bereits aufgepoppt. Ich werde Euch auf dem Laufenden halten und über die ein oder andere Aktion auch noch berichten.

 

http://netzwertig.com/2014/11/13/regulierung-von-crowdinvesting-die-bundesregierung-macht-es-kompliziert/

 

Mir platzt der Kragen

Auf dem Weg zur Arbeit ist mir heute mehrmals der Kragen geplatzt. Weil das ungesund ist, versuchte ich mich abzuregen. Außerdem versuche ich im Internet nach der Regel „Don´t be stupid “ zu handeln. Das bedeutet übersetzt: Blogge nicht, wenn Du Dich über etwas aufgeregt hat. Nun gelingt mir die Entspannung aber nicht und mein Kragen – inzwischen ganz schön zerfetzt – möchte immer wieder aufs Neue platzen.

 

Dabei liegt der Anlass für den geplatzten Kragen schon einige Tage zurück. Es handelt sich um den Aktionsplan der Bundesregierung zum Verbraucherschutz im Finanzmarkt. Dieser Aktionsplan, der ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung des Schutzes von Kleinanlegern enthält, droht das aufkeimende Pflänzchen crowdfunding in Deutschland nahezu im Keim zu ersticken. Das ist einerseits nicht gut für die Gründerkultur in Deutschland, bietet andererseits aber auch nicht wirklich mehr Schutz für Verbraucher. Denn wer dumm ist und sich dumm verhält, dem hilft kein Verbraucherschutz sondern Bildung und Kompetenz.

In einem Land, welches seinen Bürgern das Denken abnimmt, weil es diese für doof hält oder lieber unmündig sieht, lässt sich jedoch keine Kompetenz aufbauen. Über die Zukunftschancen dieses Landes müssen wir gar nicht erst reden. Deutschland macht sich international gerade einen Namen darin, mit Angst und Aktionismus auf Veränderungen  zu reagieren. Besonders dann, wenn die Veränderungen mit dem Internet zu tun haben. Unser neues Markenzeichen lautet: Angst Made in Germany. Während in vielen anderen Ländern crowdfunding gerade erleichtert wird, z.b. in den USA und Großbritannien, möchte man in Deutschland offenbar den gegenteiligen Weg gehen und das, obwohl man crowdfunding im Koalitionsvertrag noch fördern wollte. Durch crowdfunding mehr Wettbewerb zu erreichen und damit auch Banken zu mehr Qualität zu bewegen, auf diese Idee kommt der deutsche Verbraucherschützer nicht.

 

Companisto nennt in einer Stellungnahme – nachlesbar im Companisto Blog – die drei kritischsten Aspekte der geplanten Regelungen aus dem Aktionsplan der Bundesregierung:

  • Medienbruch durch Unterschreiben eines Vermögensanlagen-Informationsblattes
  • Eine im europäischen Vergleich viel zu niedrige Investitions-Obergrenze
  • Wettbewerbsnachteil durch nationalen Alleingang entgegen der Empfehlung der EU-Kommission

 

Es geht um mehr als crowdfunding

Ich bin der Meinung, dass wir vor dieser Bundesregierung und  vor der Politik und deren Vertretern  langsam Angst bekommen müssen. Hier geht es nicht um crowdfunding. Wobei die Vertreter der Bundesregierung möglicherweise ja der Meinung sind, dass ihr Bildungssystem mittlerweile so schlecht ist und die Bürger inzwischen derart erfolgreich entmündigt und wohl auch desillusioniert sind, dass man ihnen eigene Entscheidungen nicht mehr zumuten kann.

 

Was kommt als nächster Schritt? Eine Staatsbank für Alle?

 

Das Problem ist leider viel grundsätzlicher. Unsere Politiker sind den komplexen Problemen, welche die digitale Moderne aufwirft einfach nicht mehr gewachsen. In dieser Moderne gibt es darüber hinaus unzählige weitere Feuernester, die auflodern, ausglimmen und dann wieder entflammen. Die Finanzkrise ist nicht vorbei, Kriege häufen sich wieder, die Grenzlinien zwischen Gut und Böse verschwimmen, Lobbyismus und Parteipolitik verhindert grundsätzliche Veränderungen. Es wird verwaltet statt entwickelt.Die Probleme der Gegenwart und Zukunft erfordern  gänzlich neue Lösungsstrategien, denen sich unsere körperlich oder geistig alternden Politiker nicht mehr stellen können oder möchten. Crowdfunding ist nur ein Beispiel. Fracking und Freihandelsabkommen sind weitere Beispiele. Es ließe sich eine endlose Liste erstellen, die täglich länger werden wird.

 

Müssen wir da nicht etwas tun?

 

Mehr Infos zu den Plänen der Bundesregierung:

Bundesregierung. Aktionsplan der Bundesregierung zum Verbraucherschutz im Finanzmarkt

Bundesregierung. Maßnahmenpaket zur Verbesserung des Schutzes von Kleinanlegern (pdf. Dokument)

Für Gründer . Regierung stoppt crowdinvesting und andere News

Gründerszene. Crowd Plattformen warnen vor Regierungsplänen

 

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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