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Bullshit Sätze

Nochmal Nachtragend

Ein Satz ist schnell gesagt. Zum Beispiel dieser Satz: Banken wollen beraten, Kunden wollen entscheiden! Wir stellen sofort fest, dass es sich um eine polarisierende Aussage handelt, die ein konkretes Ziel verfolgt. Nämlich das Banken den Kunden eine Leistung verkaufen möchten, die diese gar nicht wünschen oder brauchen. Darüber hinaus möchte der Sprecher darauf hindeuten, dass die Beratung von Banken nicht zur Entscheidung des Kunden beiträgt.

Einen solchen Satz kann man so nicht stehen lassen, auch wenn er von einem eher bankkritschen Publikum gerne
gehört wird. Wobei einschränkend gesagt werden muss: Viele Teilnehmer der re-publica sind eher Internet euphorisch und weniger kritisch gegenüber irgend etwas.

Aber zurück zu meinem „Bullshit-Satz“: Banken wollen beraten und Kunden wollen entscheiden! Wieder wird uns eine schwarz/weisse Welt verkauft. Gibt es die Kunden? Gibt es die Banken? Wollen Direktbanken zum Beispiel wirklich beraten? Müssen Banken nicht sogar beraten, weil es (1) rechtliche Regelungen gibt und weil es (2) in der Regel auch für die Bank nicht gut sein sollte, wenn der Kunde sich verspekuliert? Wäre es ohnehin nicht besser (3), wenn der Anbieter von Finanzdienstleistungen  bzw. deren Mitarbeiter eine Beziehung zu ihren Kunden aufbauen würde? Egal,  ob dies nun eine Beziehung ist, die von Angesicht zu Angesicht oder über technologische Möglichkeiten geführt wird? Und ist es nicht so, dass die meisten Menschen sich  wünschen in Finanzfragen möglichst unkomplizierte, zukunftssichere, zeitsparenende, nachvollziehbare und vertrauenserweckende Lösungen brauchen.

Mit anderen Worten: Menschen suchen Entscheidungshilfen. Sie suchen nach Angeboten, welche die ständig wachsende Lebenskomplexität reduzieren. Und sehr viele Kunden suchen und brauchen dann eben doch Beratung. Denn bei allerBegeisterung für die Möglichkeiten des Internets: Warum haben Genossenschaftsbanken und Sparkassen noch so viele Kunden? Tendenz steigend!, wenn Kunden lieber direkt entscheiden wollen. Menschen wollen auch nicht unbedingt entscheiden, Sie müssen entscheiden und das unter immer mehr Optionen, womit die Gefahr eine folgenreiche Fehlentscheidung zu treffen zunimmt.

Retail Banken müssen – wenn sie denn auch in Zukunft noch existieren möchten – Services anbieten, welche die Komplexität reduzieren. Sie müssen die Bedürfnisse von Kunden rasch erfassen können und passende Lösungen präsentieren, die sich an den individuellen Präferenzen des Kunden orientiert. Banken müssen nicht noch mehr Optionen oder noch mehr Produkte anbieten. Sie müssen vereinfachen und Sie müssen Menschen beraten. Wie diese Beratung inhaltlich und in der Form aussieht, dass ist eine ganz andere Frage, aber Menschen greifen für Ihre Entscheidungen gerne auf vorgedachte Lösungen und vertrauensvolle Partner zurück.

Und deshalb kann und möchte ich solchen polarisierenden Bullshit nicht mehr hören, zumal es dafür doch Talks Shows im Fernsehen gibt

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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