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Commons basiertes Banking

Brauchen wir Commons inspiriertes Banking?

Wir alle möchten gerne in die Glaskugel schauen. Was macht die Zukunft mit den Banken? Wird es keine mehr geben? Werden Fintech Unternehmen die Banken ablösen? Werden Banken und Fintech Unternehmen kooperieren und irgendwie „nettere“ FinTech Banken oder wie immer man diese Gebilde dann auch nennt, entstehen?

 

Irrelevant für Kunden

Für uns Verbraucher und Kunden ist die Beantwortung der Frage jedoch vollkommen irrelevant? Sie lässt sich darüber hinaus auch nicht auf die Finanzbranche reduzieren. Viel interessanter ist doch die Frage, ob die Ökonomie sich wieder darauf zurückbesinnen kann, dass sie eigentlich für das Wohl der Menschen und zwar aller Menschen sorgen sollte.

 

Brot und Spiele Gesellschaft

Aus diesem Grund müssen wir uns ganz genau ansehen, wohin uns die technologischen Errungenschaften und neuen Geschäftsmodelle der digitalen Organisationen wirklich führen. Ist es aus Kundensicht bzw. auch aus Sicht der in der Finanzbranche arbeitenden Menschen gut, wenn sich wenige Plattform Unternehmen herausbilden, die mit der Kraft der Null Werte einseitig extrahieren und die dabei eine größer werdende Zahl von Menschen hinterlassen, die im schlechtesten Falle aufs Abstellgleis, und im besten Falle gerade noch in eine durch ein Grundeinkommen abgesicherte Brot und Spiele Gesellschaft entlassen werden?

 

Einbahnstraße VC Finanzierung

Bei der Gründung von FinTech Startups spielen diese gesellschaftlichen Fragen nur selten eine Rolle. Was bleibt auch anderes übrig, wenn man letztendlich auf das Geld von Venture Capital Unternehmen angewiesen ist, die nicht daran interessiert sind, dass die entwickelte Lösung mehr Gerechtigkeit, Freiheit, Selbständigkeit und Selbstkontrolle herstellt. Bis auf Crowdinvesting gibt es wenig Möglichkeiten, dem Schicksal einer VC-Werte getriebenen Entwicklung zu entgehen.

 

Banken suchen keinen eigenen Weg

Zumal sich bisher auch keine Bankengruppe sich hier deutlich anders positioniert. Obwohl ja nicht alle Bankengruppen gleich sind. Noch gibt es sie ja, die anderen Banken. Diese möchten aber offensichtlich alle erst einmal so werden wie Fintechs. Oder – falls sie dies nicht möchten – haben sie in der Mehrheit noch nicht erkannt – dass digitale Technologien auch eine Chance sein können. Stattdessen glauben sie, dass in der Ablehnung digitaler Technologien und in der Verharrung in sich überholenden Vertriebs-, Marketing-, und Geschäftsmodellen die Differenzierung liegt.

 

Commons Ökonomie als Blaupause?

Die Peer to Peer und Commons Ökonomie wäre die Blaupause für ein Gegenmodell. Um sich mit (einem) diesem Gegenmodell zu positionieren, wäre es aber essentiell Haltung zu zeigen, anstatt sich – ähnlich wie unsere Parteien – von Moden und Meinungen hin und her treiben zu lassen und damit letztendlich jenen in die Karten zu spielen, die mit ihrer Shareholder Value Kultur auch den Rest kooperativer Strukturen zugunsten einer digitalen Ego Welt mit der finalen Allmachtsphantasie der Silicon Valley Kultur, der Singularity, zerstören werden. Und dabei werden gerade jene Banken auf der Strecke bleiben, welche die Menschen vielleicht wirklich noch wollen und brauchen.

 

Grundprinzipien der Commons Ökonomie

Michel Bauwens fasst auf Shareable: „10 ways o accelerate the peer to peer and commons economy“, zusammen, wie eine p2p Ökonomie entstehen könnte und skizziert damit auch ein Rahmenwerk für Gründer, die wirklich grundsätzliche Veränderungen hervorbringen möchten.  Die 10 Regeln folgen den Prinzipien: Offen und Frei, Fair und Nachhaltig:

 

  • Dabei wird auf Teilen, offene Kooperationsformen, Reziprozität, Open Value Accounting und den Wiederaufbau von Solidaritätssystemen gesetzt.
  • Offenes und nachhaltiges Design, Open Source, Kreislaufökonomie und gegenseitige Koordination sind die Stichworte im Hinblick auf das Prinzip der Fairness.
  • Cosmo Lokalisation, im Sinne von regional produzieren und globales Design, Co Ownership, Co Governance, Co Working und generatives Kapital sind die Eckpfeiler einer nachhaltigen Commons Ökonomie

 

Auch Douglas Rushkoff hat in seinem Buch: „Throwing Rocks at the google“ bus Kriterien für eine neue Ökonomie vorgeschlagen, die er Digital Distribuism nennt:

 

  • Richtung/Ausrichtung der Ökonomie: Kreislauf
  • Zweck: nachhaltiger Wohlstand für Alle
  • Unternehmen: Platform Coop (z.B. Mondragon, La Zooz)
  • Währung: Bitcoin und p2p, (Zirkulation statt Anhäufung und Schulden)
  • Investment: Crowdfunding
  • Produktion: Kollaboration + Kooperation
  • Marketing: Nutzwert (legacy. Nachhaltige Produkt Attribute, Unternehmensethik
  • Kommunikation; Netzwerke
  • Land + Ressourcen: Öffentliche Commons
  • Lohn: Wertaustausch ( Community Mitglied)
  • Skalierung: Strategisch begrenzt, beschränkt
  • Optimiert für: Austausch von Werten

 

In eine ähnliche Richtung geht ja auch die Gemeinwohlökonomie aus der heraus aktuell die Bank für Gemeinwohl  gegründet wird. Eine  der wenigen anderen Herangehensweisen, allerdings mit dem Manko kaum sichtbarer digitaler Kompetenz.

 

Was man nun tun könnte

Es gilt nun sich mit diesen Entwicklungen auseinanderzusetzen und dort eine Position zu entwickeln, aus der heraus sich ein Rahmenwerk für eine Bewegung kooperativer Startup Gründungen generieren lässt. Um anschließend speziell darauf ausgerichtete Lean Enterprise Modelle und genossenschaftlich geprägte Inkubatoren zu bauen, die ähnlich produktiv wie die VC gestützte Startupkultur sind.

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Manni

    Ich bin inzwischen voll bei Dir, in dem Thema.
    Der Punkt ist, Solange Google, Facebook, Amazon etc. nicht auch eine Bank anbieten, werden sie sich nicht bewegen.
    Wenn sie dann weiter Kunden verlieren, wird es zu spät sein.
    Gerade erhalten Sie wieder ein Geschenk von der Deutschen Bank und der Commerzbank, was mittelfristig hilft, solange eben Google &Co. keine Bank anbietet.

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