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Banken und die Generation Y: Der zweite Aspekt

Vor einigen Wochen habe ich mich erstmals intensiver mit der Generation Y, den Digital Natives oder Millenials auseinandergesetzt. Der Namen für die nach 1980 geborene Generation, deren Mitglieder ja eigentlich so wenig gemeinsam haben, wie keine andere Generation zuvor. Wer zunächst den ersten Teil lesen möchten, kann dies hier tun_

Banken und-die-Generation Y Empfehlungen in 2 Aspekten (Aspekt 1)

Im 2. Teil geht es um die Anforderungen der Digital Natives an den Bankarbeitsplaz.

Die Generation Y und der Arbeitsplatz (Aspekt 2)

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Eigentlich wird es immer schwerer Menschen anhand von Merkmalen, Werten oder Einstellungen zu kategorisieren und in Einheiten einzuteilen, um sie dann besser verstehen oder z.B  zu Marketing- und Vertriebszwecken  erfolgsversprechender erreichen zu können  (klassische Marktforschung ist übrigens nicht web2.0 fähig, denn Sie ist nicht transparent und hat immer einen dem Befragten nicht bekannten Hintergedanken).  Es wird von Jahr zu Jahr schwerer Einheiten zu finden, die eine solche Einordnung erlauben würde, weil die Menschen prinzipiell immer mehr Auswahlmöglichkeiten besitzen und selbst bei gleichen oder ähnlichen Einkommensverhältnissen sich in Werten, Einstellungen und Verhalten vollkommen voneinander unterscheiden können.  Da hilft dann meistens nur noch der kleinste gemeinsame Nenner, der aber zu irrtümlichen Annahmen führt.

Auch wenn es darum geht, einzuschätzen, was eine Generation zukünftig von ihrer Arbeit, dem Arbeitsplatz oder dem Arbeitgeber erwartet, ist man von diesem Phänomen durchaus betroffen. Die wesentliche Gemeinsamkeit der Generation Y besteht darin, dass Sie mit dem Internet groß geworden sind, dennoch nutzen Sie das Internet ganz unterschiedlich.  Unterschiedliche Bildung, Zugangsmöglichkeiten, Vorlieben und persönliche Voraussetzungen sind nur einige der Bedingungen, welche die Internetnutzung beeinflussen.

Dennoch haben  fast alle Menschen der Generation Y die Gemeinsamkeit mit dem Internet aufgewachsen zu sein. Für sie ist das Internet ein natürliches Lebensmittel, welches sie mehr oder weniger intensiv nutzen, ob es sich dabei eher um eine konsumtive oder um eine aktive Nutzung handelt, spielt eigentlich keine Rolle. Im Zeitverlauf wird sich die Nutzung ohnehin ändern, denn auch die Nachzügler,  die Älteren und  weniger gebildeten werden das  Medium zukünftig vollkommen selbstverständlich und intensiv nutzen.

Für Arbeitgeber ist vor allem auch entscheidend, dass die intensiven und kreativen Internetnutzer, die- wie Studien beweisen – gebildet sind und attraktive Mitarbeiter wären, bestimmte Anforderungen an ihren Arbeitsplatz stellen, die eng mit dem Internet und der Internetnutzung zusammen hängen. Die Digital Nativen sind anders

Das erwarten Digital Natives von Ihrem Arbeitgeber

Beginnen wir mit ganz beeindruckenden Zahlen aus der Studie the 8098 exchange von strategy one und edelmann

  • 74 % der Millenials sagen, dass Technik Ihr Leben leichter macht, mehr als die Hälfte sagen, dass sie Ihnen dabei hilft, näher bei ihren Freunden zu sein.
  • 75 % haben ein Profil in sozialen Netzwerken, 55 % besuchen dieses soziale Netzwerk mehr als einmal am Tag, 60 % greifen drahtlos auf das Netz zu (PEW)

Technik wird ganz natürlich eingesetzt und sozial genutzt. Insofern ist es kein Wunder, dass die Community, Teamwork und der freie Austausch von Daten und Informationen  wesentliche Anforderungen dieser Generation an ihre Arbeit sind. Geprägt von der kontrollierten und strukturierten Welt der Eltern, in der es vor allem um bewahren und nicht um verändern ging, werden Grenzen ausgelotet und Grenzüberschreitungen durch Technik vorgenommen. Die Fragen was möglich ist, was man anders machen und neu erfinden kann, treiben die Digital Natives um. Was für meine Generation die Friedensdemo oder die Musik war, also eine Möglichkeit gegen die Eltern zu opponieren, ist nun das Internet, welches die Eltern in der Regel nicht beherrschen oder sogar verdammen,  z.B. weil es sich vor allem auch kontrollierenden Mechanismen entzieht und weil die Auseinandersetzung eben Zeit und Aufwand erfordert.

Bei der beschriebenen Generation gibt es nicht nur keine Trennung zwischen Internet und realer Welt mehr. Auch die Linie zwischen Arbeit und Privatleben bricht auf. Dort wo Konsum und soziale Beziehungen im Mittelpunkt stehen und diese Beziehungen überwiegend auch nicht mehr auf konkrete Orte oder Ländergrenzen beschränkt sind, wird diese Trennung zunehmend obsolet. Das Internet ist weder an vorgegebene Zeiten noch an einen bestimmten Ort gebunden, dadurch wird die Fahrt zum Arbeitsplatz unwichtiger.<< Ein Satz wie: Ich komme zur spät zur Arbeit, wird in bestimmten Branchen schon bald nur noch mitleidige Lacher hervorrufen.>> Auf der anderen Seite stellt man, wenn man schon noch dazu gezwungen wird einen solchen Ort aufzusuchen, ganz andere Ansprüche an diesen Ort.

Die junge Generation besteht aus geübten Netzwerkern. Vernetztes Arbeiten ist deshalb ein Muss. Fähigkeiten sind wichtiger als Funktionsrollen. Starre Strukturen werden als störend wahrgenommen. Es kann nicht nachvollzogen werden, wieso sich der Mensch den Strukturen z.B. der IT Infrastruktur anpassen soll und nicht umgekehrt. Fähigkeiten und Verlinkung stehen im Mittelpunkt. Was man nicht kann, holt man sich durch Verlinkung hinzu.

Digital Natives wünschen sich flache Hierarchien. Kompetenz geht vor Alter. Diskussion vor Befehl. Status ergibt sich nicht mehr nur über Geld sondern über  erfolgreiche Problemlösungen. Werte wie Selbstverantwortung und Eigenverantwortung stehen auch am Arbeitsplatz im Mittelpunkt. Man möchte sich erproben, kämpft dabei aber nicht mit Ellbogen gegen andere. Eine abgeschottete auf Misstrauen basierende Kultur wirkt abstoßend. Aus Kollegen werden Freunde. Auch wenn diese durch das Internet geprägte Freundschaften einen etwas anderen Charakter haben (mit anders meine ich jedoch nicht schlechter), als es beispielsweise meine Generation gewohnt ist oder war.

In der modernen Ökonomie ist Wissen nicht Macht. Dies wird jenen Menschen Probleme bereiten, die genau mit umgekehrten Erfahrungen groß geworden sind. Gerade in Banken wimmelt es nur so von (zumindest gefühlten) Wissensmonopolen. Im Jahr 2010 können nur wenige Banken die Tatsache akzeptieren, dass das Wissen von den Zentren in die Peripherie  wandert.  Es wird also auch in dieser Hinsicht nicht einfach sein Mitarbeiter zu gewinnen, die nach den Spielregeln der Ökonomie 2.0 handeln können.

Was wird noch erwartet?

  • Die Auflösung klassischer Arbeitszeitmodelle
  • Die Veränderung von Arbeitsorten. Wer Privatleben und Arbeitsleben nicht mehr trennt, wünscht sich ein angenehmes Arbeitsumfeld und möchte von einem Ort aus arbeiten, an welchem er sich wohlfühlt.
  • Der freie Zugriff auf Daten, wie man es im Internet gewohnt ist. Dies erfordert auch das Vertrauen der Geschäftsführung in die Mitarbeiter und umgekehrt.
  • Mehr Möglichkeiten zur Mitbestimmung, jedoch als normaler Bestandteil des Alltags und nicht über betrieblich geregelte und nur  temporär geltende Bestimmungen.
  • Motivierende und abwechslungsreiche Tätigkeiten mit einem hohen Grad an Selbstbestimmung und Autonomie
  • Ein Unternehmen das innovativ ist und auf welches sie stolz sein können, weil es sich z.B. ethisch und moralisch korrekt verhält oder ökologisch verantwortlich.
  • Es sollte Raum für Störungen und Regelbrüche geben. Man möchte sich selbst ausprobieren. In Stein gemeißelte Regeln aus vergangenen Zeiten werden nicht akzeptiert. Fehler dürfen und müssen sogar gemacht werden, damit man aus diesen lernen kann

Deshalb brauchen Sie Digital Natives

Über den Siegeszug des Internets müssen wir  an dieser Stelle nicht mehr diskutieren. Die Bankenbranche hat zu diesem Siegeszug sicherlich auch mit beigetragen. So gehört Online Banking heute zu einer der beliebtesten Online Aktivitäten von Verbrauchern. Mittlerweile nutzen über 50 Millionen Deutsche das Internet. Längst sind nicht mehr nur die jungen Menschen internetaffin. Auch ältere Menschen erkennen die Vorteile dieses sozialen Hilfsmittels und konfrontieren die Banken mit neuen Erwartungen.

Das Internet hat und wird die Arbeitswelt der Unternehmen weiter verändern. Dieses Veränderungstempo nimmt zu. Viele von uns haben heute schon vergessen, dass auch die E Mail durch das Internet hervorgebracht wurde und heute so selbstverständlich ist, als existiere sie schon seit 100 Jahren, auch wenn viele Banken dies immer noch nicht erkannt zu haben scheinen. Aber das ist eine andere Geschichte.

In der web2.0 Welt basiert Unternehmenserfolg maßgeblich auf Wissen. Der Kunde rückt in eine zentralere Rolle. Hermetisch nach außen abgeschlossen Unternehmen haben in der Regel kaum noch Marktchancen. Das Tempo der Veränderung stellt interne Entwicklungs- und Planungsabteilungen vor beinahe unlösbare Herausforderungen, klassische hierarchisch organisierte Modelle verlieren gegenüber Netzwerkorganisationen an Boden. Selbstorganisation ergänzt und ersetzt Organisation.

<<Studien belegen übrigens, dass die besten Innovationsideen ohnehin in der Regel von Kunden und Mitarbeitern und nicht von den dafür verantwortlichen Stabsstellen kommen.>>

Die Digital Nativen sind in diese Veränderungskultur hineingeboren. Sie gehen damit natürlich um und müssen nicht erst die althergebrachten und nicht mehr funktionierenden Praxen verlernen.

Banken sind nicht der ideale Arbeitgeber

Wer die Realität innerhalb einer Bank kennt, hat berechtigten Grund zur Skepsis.  Die interne Organisation und auch die über Jahrzehnte gewachsenen Kulturen bringen heute nicht die Arbeitsbedingungen hervor, in welchen sich Digital Natives wohlfühlen.  Die Arbeitswelt von Banken ist deshalb auch wenig geeignet, um die besonderen Fähigkeiten, Einstellungen und Zielsetzungen des Digital Nativen entsprechend nutzen also zielführend einsetzen zu können.

  • Banken sind streng hierarchisch organisiert
  • In Banken sind Wissensmonopole an der Tagesordnung. Wissen ist Macht und führt zu entsprechenden positionellen Vorteilen
  • Viele Mitarbeiter sind älter und schon lange Jahre in der Bank aktiv. Es fehlt an Erneuerung und Inputs durch neue Mitarbeiter und vor allem durch Quereinsteiger
  • Die Berufsausbildung der Bankmitarbeiter ist stark formalisiert und an der internen Ausstattung der Banken ausgerichtet. Verwaltungsaspekte, juristische Regeln und Sicherheitsaspekte stehen im Vordergrund. Quereinsteiger haben überhaupt nicht die Möglichkeit von einer Bank angestellt zu werden, weil die einzelnen Bankengruppen auch spezifische Bankausbildungen etabliert haben
  • In Banken dominieren das Verhalten prägende Werte wie Sicherheit, Null Fehlertoleranz, Misstrauen, Angst, Stabilität, Langsamkeit
  • Die Möglichkeit zu flexiblen Arbeitszeiten, flexiblen Arbeitsbedingungen, ortsunabhängigen Tätigkeiten sind gering bis nicht vorhanden. Starke Betriebsräte blockieren flexiblere Regelungen
  • Stellenbeschreibungen und Rollen bieten wenig Möglichkeiten zur Auslegung, kreativer Weiterentwicklung oder gar zum Regelbruch
  • Technische Systeme entsprechen nicht den Möglichkeiten des Internets. Sie sind wenig intuitiv, erfordern eine strickte Befolgung der durch das System vorgegebenen  Schritte. Sie machen keinen Spaß und bieten in der Regel keine Schnittstellen bzw. diese Schnittstellen werden nicht geöffnet
  • Die Nutzung der Internettechnologien und der freie Zugang zu diesen sind in der Regel aus Sicherheitsgründen nicht möglich oder auf bestimmte Arbeitsplätze beschränkt. Dadurch ist der Alltag innerhalb der Bank vollkommen abgeriegelt von den interaktiven und kooperativen Handlungsfeldern der jungen Generation

Diese Liste ließe sich sicherlich noch weiter fortsetzen. Sie mag aber an dieser Stelle genügen, um zu belegen, dass Banken alles andere als ein idealer Arbeitgeber für Digital Natives sind. Das wirft natürlich die Frage auf, ob Banken zukünftig überhaupt  die Chance haben solche Mitarbeiter anzuwerben. Wenn Sie mir in meiner These folgen, dass Digital Natives für die Zukunft der Banken überlebenswichtig sein werden, dann müssen Banken entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, um solche Mitarbeiter anwerben zu können. Dies bedeutet, dass schon heute mit der Veränderung der Organisationsmodelle und Strukturen begonnen werden muss. Hierbei helfen möglicherweise jene Digital Residents, die erkannt haben, wie stark die Bankenwelt in den nächsten Jahren durch das Internet verändert werden wird. In dem einen oder anderen Fall wird man auch auf externe Berater zurückgreifen müssen. In jedem Fall steht vor der Veränderung die Erkenntnis, dass Veränderung der einzige Weg in die Zukunft sein kann. Eine Zukunft in der es ohnehin immer schwerer wird die geeigneten Mitarbeiter zu finden, um in einer Wissens- und Kreativitätsökonomie überhaupt noch überleben zu können

Was Banken tun müssen, um Digital Natives anwerben zu können

Die Frage kann man eigentlich sehr einfach und pauschal beantworten. Banken müssen nahezu alles verändern, um Digital Natives anwerben zu können. Sie müssen die Bereitschaft mitbringen ihre Welt von jungen Menschen gänzlich neu erfinden zu lassen. Denn diese jungen Menschen beherrschen das Medium Internet besser und wenden es natürlicher an als unsere Generation, selbst wenn man sich zu den Digitalen Immigranten zählen darf.

Wir brauchen die Bereitschaft zu lernen ohne ständig den sprichwörtlichen erhobenen Zeigefinger der Vergangenheit bzw. der Seniorität  mitlaufen zu lassen.

Das Problem der Veränderung haben ja nicht die jungen Menschen sondern wir.  Wir müssen die alten Handlungspraxen überdenken und überarbeiten und wir müssen uns intensiver mit dem Internet auseinandersetzen.

Wenn wir über einzelne Maßnahmen nachdenken, dann müssen Banken sich stärker nach außen öffnen. Dabei hilft zum Beispiel Social Media. Sie müssen für zukünftige Bewerber einsehbar sein. Schon im Vorfeld sollte erkennbar sein, was sie in einer Bank erwartet und darüber hinaus sollte aktiv über Veränderungen diskutiert werden.

Die Kultur von Banken wird sich verändern. Neue Handlungsweisen sollten eingeübt werden. Netzwerken ohne Angst vor  Wissens- und Machtverlust muss geübt werden und sollte in Fleisch und Blut übergehen.  Banken brauchen ein Innovationsteam und eine ausgeprägte Fehlerkultur. Aus Angestellten, die nur ihren Job machen, müssen leidenschaftliche Mitarbeiter werden, die Fans ihrer eigenen Marke sind. Hierfür müssen Banken Räume bieten und sie müssen sich auf die Suche nach verborgenen Talenten machen.

Banken brauchen Störungen und Störer. Die- durch eigene Ausbildungsgänge und entsprechende Personalauswahlregeln aufgebauten – Monokulturen sollten aufgelöst werden.

In der Bank der Zukunft gilt der freie Ideenwettbewerb. Risikohandeln (natürlich nicht, wenn es um das Geld der Kunden geht) und Innovationen sollten belohnt werden, aber nicht nur durch monetäre Anreize. Kollaborative Intelligenz wird wichtig und Innovation wird zur ständigen Aufgabe. Eigenverantworlichkeit, Erlebniswelt Arbeit, mehr Autonomie, die Vermittlung von Sinn, die Veränderung der Arbeitsbedingungen (inhaltlich, architektionisch, etc.) sind weitere Stichworte, mit denen Banken sich beschäftigen müssen.

Weiterführende Links und Quellen:

http://www.dnadigital.de/

http://millennialmarketing.com/

http://www.mobileyouth.org/

Oder fragen Sie den jungen Menschen von nebenan

[Vimeo 17732723]

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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