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Banken sind wie Eltern oder Grosseltern

oder warum Social Media Kaum einen Unterschied macht

Banken sind  wie Eltern. Man braucht Sie, emanzipiert sich aber im Laufe des Lebens von Ihnen und noch während man bei den Eltern wohnt, spielen andere Bezugsgruppen oder Personen eine bedeutendere Rolle.

Auf der anderen Seite verfügen die Eltern und auch die Banken über Erfahrungswissen, auf welches man – wenn man in der Lage ist dieses in die eigene Lebenswelt zu übertragen und entsprechend zu erweitern – dann zurückgreifen kann, wenn man es braucht.

Niemals würden Kinder es aber akzeptieren, wenn die Eltern versuchen würden, in ihre Lebenswelten einzudringen und diese zu vermischen. Eltern sind eigentlich uncool, auch wenn sie noch so vorzeigbar erscheinen und man sie vielleicht auch mal mit auf eine Party (wenn sie zahlen) nehmen könnte. Hinzu kommt , dass die Lebenswerkzeuge der Eltern selten so weit von denen der Jugendlichen entfernt waren wie heute und die Eltern vor allem moderne Technologien (eben weil sie diese als Technologien verstehen) kaum noch inhaltlich umfassen können.

Technologien

Auch für die Banken gilt dieses Unverständnis für Technologien. Sie betrachten neue Technologien immer  mit dem alten Fernglas  und deshalb werden zunächst mal die alten Lösungen auf neue Geräte übertragen. So wird dann z.B. aus dem Online Banking mobile banking.

Das Banken etwas tun müssen, um in dieser sich dramatisch verändernden Welt weiter existieren zu können und vor allem auch um jene Menschen zu erreichen, die sich kulturell immer weiter von den „Werten“ „Regeln“ „Kontaktwegen“ und auch Produkten der Banken entfernen, ist inzwischen selbst den Verantwortlichen Mitarbeitern dieser Unternehmensspezies bekannt. Deshalb beschäftigen sich natürlich auch immer mehr Banken mit Social Media:  Müssen wir oder müssen wir nicht? Und wenn wir müssen, wen sprechen wir wie an und was kann passieren? Spätestens wenn der Social Media Prophet vor der Unternehmenspforte steht muss man dann doch. Oder – weil das Lemminge Prinzip ja sehr beliebt ist – wenn die anderen voran gehen.

bizreport: It is clear from the results that technology plays an important role in youngsters‘ lives and without it they would feel isolated and uninformed   –>>

Eltern müssen draussen bleiben

Aber ist Social Media wirklich der Schlüssel zum Herz und zum Verstand der jungen Menschen. Wollen diese sich überhaupt mit einer Bank vernetzen. Wünschen Sie sich coole Banken mit coolen Aktionen? Schauen wir noch einmal auf Eltern und Großeltern. Möchten sich junge Menschen überhaupt mit Ihren Eltern auf Facebook und Co vernetzen? Freiwillig sicher nicht. Der Facebook Account oder die sozialen online Netzwerke der jungen Menschen, sind die abgeschlossenen Kinder- oder Jugendzimmer meiner Generation. Jeder darf rein: Außer die Eltern und Großeltern, die ja ihre Ratschläge und Maßregelungen auch dann geben, wenn Sie gar nicht gewünscht sind. Die ständig unser schlechtes Gewissen befördern: Hast Du die Hausaufgaben auch gemacht? Die Zähne geputzt? Dein Zimmer aufgeräumt? Komm nicht so spät nach Hause! Blah, blah, blah!

Und die Banken? Schon an die Altersvorsorge gedacht? Bitte das Konto nicht überziehen? Bausparen? Unfall + Berufsunfähigkeitsversicherung? Wer möchte sich schon mit einem Unternehmen vernetzen, dass sich ständig um solche Themen dreht und wenn es mal einen anderen Weg geht, eben nur so cool sein kann, wie Erwachsene es eben können. Auch der jugendlichste vierzig oder fünfzig Jährige, ist kein potentieller Freund für die junge Zielgruppe. Auch nicht in den sozialen Medien.

ZDNet: Gen Y consumers want their financial services provider to be reliable and trustworthy, and „do not want their bank as a Facebook friend or try to be cool“, said Graham Brown, cofounder and partner of research firm, Mobile Youth.–>>

Banken bleiben Banken

Banken sind und bleiben der seriöse Partner auf den man zugeht, wenn man ihn braucht. Aber auch nur dann.

Deshalb sollten Banken sich viel stärker auf den mobilen Kanal konzentrieren. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass jedes Kind , jeder Teenie, jeder Jugendliche ein Mobiltelefon besitzt und damit all die Sachen macht, für die wir früher Zeitungen und Bücher kaufen, einen Brief schreiben, uns persönlich treffen, einen Schallplattenspieler besitzen oder auch eine Geldbörse mit uns führen mussten?

Der mobile Kanal wird für diese Generation der wesentliche Zugangsweg zu Banken sein. Mit entsprechenden Geräten und vernünftigen Tarifen ausgestattet, wird die kommende Generation alles, überall auf dem bequemsten und schnellsten Weg, also mit dem Smartphone durchführen. Eine mobile Bank wäre eine coole Bank und hätte große Chancen die Mehrheit der jungen Kunden zu gewinnen.

bizreport:So important is technology to today’s youth that over half (53%) would give up their sense of smell rather than lose access to it. To them, losing the ability to explore and communicate via technology would be like a blind man losing his stick.–>>

Seriösität und Kompetenz werden aber nach wie vor erwartet. Alles andere wäre phising for compliments, unauthentisch, anbiedernd, wenig emphatisch und vor allem unvernünftig. Wie lautet einer der berühmtesten deutschen Werbeslogans: Wenn´s um Geld geht…! ABER NUR DANN  Das mit dem Hero, kann calimero besser.

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=g1-3SLC43DM]

Zum weiter lesen

Banks should´nt act cool with gen y consumers

53 of youngsters would give up sense of smell to stay connected

Univesal McCann Studie: The truth about youth

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Stephan Raif

    Hallo Herr Janek,

    ich recherchiere gerade über Banken & Social Media und habe so Ihren interessanten Artikel entdeckt.

    Sehen Sie das heute auch noch so, dass Banken nicht unbedingt ins Social Media gehören? In einer Studie habe ich gelesen, dass die Bankkunden schon ein SoM-Engagement Ihrer Bank erwarten und darüber hinaus sogar Beratungsleistungen in einem gewissen Maß erwarten.

    Ihre Meinung dazu würde mich interessieren.

    Danke und beste Grüße

    Stephan Raif

    • electrouncle

      Hallo,

      ich versuche in meinem Blog immer ein wenig zu provozieren und plädiere dafür die Bedeutung von Social Media in der Bankenbranche nicht überzubewerten. Social Media löst nicht alle Probleme. Im Gegenteil einige Probleme werden erst sichtbar und entstehen erst durch Social Media. Und Banken können aufgrund Ihrer Strukturen und Kultur oft gar nicht richtig darauf reagieren. Auf der anderen Seite bleibt den Banken aber auch nichts anderes übrig Social Media als Kommunikationskanal zu integrieren und natürlich wird über kurz oder lang auch die ein oder andere Anwendung z. B das Banking direkt über Social Media genutzt werden können. In anderen Ländern ist das ja schon lange üblich.

      mfg
      Boris Janek

      • Stephan Raif

        Hallo zurück,

        und danke fürs rasche Feedback. Ich stelle derzeit fest, dass manche Banken, beispielsweise die Sparkassen und Volksbanken – aber auch die meisten anderen – SoM scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Obwohl auch dort im Marketing so langsam die Erkenntnis durch sickert, man müsse auch hier etwas tun.

        Gibt es aus Ihrer Sicht gute Beispiele für erfolgreiches Engagement einer Bank in SoM? Und – welche Bank in welchem Land nutzt beispielsweise das Banking über Social Media?

        Herzliche Grüße

        Stephan Raif

        • electrouncle

          Hallo,

          das ist nicht einfach zu beantworten. Wann sind die Social Media Aktivitäten einer Bank erfolgreich? Eingentlich nur dann, wenn Social Media dazu beiträgt die Unternehmensziele der Bank zu erreichen. Das aber kann keine Studie der Welt bewerten, zumindest keine, die von aussen Fans oder Dialoge bewertet.Ich bin der Meinung, dass Social Media erst dann seine Kraft entfacht, wenn es dezentral von jedem Mitarbeiter zur Erledigung
          der täglichen Aufgaben genutzt wird. Ich kenne bisher keine Studie, die das bewertet und man muss bei jeder Studie, die zu der Aussage kommt, dass Banken Social Media intensiver nutzen sollten oder falsch nutzen oder das Kunden die Social Media Nutzung durch die Bank erwarten, immer berücksichtigen, dass die Studien Herausgeber, dadurch
          eben Geschäft generieren möchten.

          Und dann kommt hinzu, dass der Kunde möglicherweise auch andere Maßstäbe als die Bank ansetzt. Also wann ist Social Media aus Sicht des Kunden erfolgreich. Im Idealfall würde das übereinstimmen. Aber tut es das wirklich? Kann es eigentlich nicht, weil Kunde und Bank nunmal unterschiedliche Interessenslagen haben. Was würden Sie denn von Ihrer Bank erwarten?

          In der genossenschaftlichen Welt sollten Sie mal ein Auge auf die Volksbank Bühl werfen, da diese Bank die weitgehendste Integration von Social Media in die Unternehmensorganisation geschafft hat , obwohl es Volksbanken gibt, die mehr Fans auf Ihren Seiten haben. Gute Arbeit leistet auch die GLS Bank, aber dann hört es fast schon auf.

          Die indische ICICI Bank bietet ihr Online Banking übrigens über Facebook an. Auch sehr spannend ist der Ansatz der neuseeländischen ASB Bank

          mfg
          Boris Janek

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