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Banken in der Fintech Falle

Als Verbraucher haben wir häufig den Eindruck, dass sich Banken und deren Angebote kaum voneinander unterscheiden. Es scheint eine unsichtbare Regel zu geben, die Banken und deren Gestalter zur Angleichung, zum Nachmachen und  zum Hinterherlaufen zwingt.

 

Diese unsichtbare Regel nährt sich aus dem Streben nach Effizienz, aus dem Prinzip der Risikovermeidung, der Kontrolle durch und Abhängigkeit von externen Regulierern, den inzestuösen Rekrutierungsmassnahmen der Personalabteilungen und neuerdings aus dem Trend technologischen Veränderungen  zu folgen bzw. folgen zu müssen.

 

Nehmen wir das Beispiel PFM. Vor einigen Jahren kamen erste Fintech startups mit diesem Produkt und einem entsprechenden Geschäftsmodell auf den Markt. Es waren natürlich nicht die Banken, die dieses Produkt entwickelten, denn mehr Transparenz würde dort (intern) eher als Nachteil statt als Mehrwert betrachtet. Das durchaus beeindruckende Nutzerwachstum von Anbietern wie “ Mint“ erzeugte Sorgenfalten bei den Banken und führte gleichzeitig zu Überlegungen von Software Anbietern aber auch von den Fintech Startups – weil deren Geschäftsmodelle alleine noch nicht tragfähig waren- White Label Produkte für Banken anzubieten.

 

Das Produkt PFM war auf der letzten Finovate bereits Standard und wurde von vielen Anbietern als Software Produkt für Banken angeboten. Immer mehr Banken haben inzwischen eine Version von Meniga, Strands, Mysis (IND Group) usw. im Einsatz. Der Vorsprung den man damit gewinnen kann oder könnte, reicht vielleicht für 12 Monate, ist dann aber wieder verpufft, bevor er überhaupt Wirkung erzielen kann. Zumal die Banken kaufen oder entwickeln, weil die Anderen es auch machen. Eine Bereitschaft der Kunden für dieses Angebot zu bezahlen, kann ich auch nicht ausmachen. Die Banken sind aber wieder ein Stück gleicher geworden. Austauschbarer, Beliebiger, Überflüssiger!

 

Immer mehr spricht demnach dafür, dass die Banken sich selber auflösen werden. Nicht alle Bereiche des Bankgeschäftes lassen sich leicht kopieren oder ersetzen, aber um so einfacher sich eine Leistung  herstellen und erbringen lässt, desto weniger wird es zu deren Erbringung Banken bedürfenen. Wir brauchen wirklich keine Banken mehr!

 

In einer Branche, die sich zu 100% digitalisieren ließe, gibt es wenig Spielraum für Differenzierung. Um wettbewerbsfähig bleiben zu können, werden alle Banken den technologischen Fortschritt mitgehen müssen, dieser bietet für den First Mover oder aber auch den Second Followern immer nur einen sehr kurzfristigen und immer weniger nachhaltigen Vorteil. Die Banken werden außerdem immer seltener First Mover sein. auf gar keinen Fall im technologischen Bereich. Hier haben reine Technologieunternehmen, Startups und neue – von Anfang an aus Digitalisierung setzende Banken – immer einen Vorteil. Alle potentiellen nicht technischen Mehrwerte – wie zum Beispiel persönliche Beratung oder eine ausgeprägte Filialpräsenz – sind zu teuer oder finden keinen bzw. nur einen Nischenmarkt. Das Banking für die 99 % wird zum Wald- und Wiesen Geschäft, das jeder nebenbei anbieten kann, wenn er es denn will und wenn er das Vertrauen des Verbrauchers findet. Allerdings reicht hier schon das Vertrauen in die Marke, das Unternehmen und das Hauptangebot dieser Marke, dass aber nicht Banking sein wird.

Fintech ist eine Chance für den Kunden aber nicht  für die Banken. Fintech ist der Anfang vom Ende der Banken. Die Banken stecken in der Falle. Neue Geschäftsmodelle und Geschäftsideen verzweifelt gesucht. Schon heute sollte man auf Unternehmen wie Nokia schauen. Vom Gummistiefel Produzenten zum High Tech Unternehmen und vielleicht auch zurück. Banken müssten ja nicht unbedingt als Banken überleben.

 

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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