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Bank der Zukunft

Dies ist ein Gastartikel von Frank Thumbach.

Frank Thumbach arbeitet als freier Autor und betreibt selbst das Informationsportal wirtschaft-und-finanzen.net.

 

Ein Markt mit über 70 Start-up-Unternehmen allein in Deutschland: Das ist FinTech. Banking ohne Bank: Auch das ist FinTech. Und eine vielversprechende Perspektive für nationale und internationale Banken, die sich frühzeitig ein innovatives Image geben wollen: Sogar das ist FinTech. Doch welche neuen Technologien könnten sich in der Finanzdienstleistung entwickeln, und welche Vorteile hat der Kunde davon? Und wie könnten sich solche Technologien im internationalen Umfeld positionieren? Der Blick in die Zukunft verspricht spannende Zeiten, er könnte bei manchem Bankvorstand für ein leichtes Unbehagen sorgen.

 

Vier Schwerpunkte revolutionieren die Finanzdienstleistung

Vereinfacht gesagt, deckt FinTech in der Finanzdienstleistung vier Kernbereiche ab. Ein wichtiges Standbein ist zweifellos das Persönliche Finanz-Management, das seinen Ursprung in den USA hat und das sich in Deutschland derzeit von Nord nach Süd entwickelt. Vorreiter in Deutschland ist die comdirect-Bank Pionier, sie bietet ihren Kunden seit Anfang 2014 ein Persönliches Finanz-Management an. Unter der Bezeichnung „Persönlicher Finanzmanager“ ist es im Online-Banking des comdirect-Accounts integriert. Einige Banken aus dem Genossenschaftskonzern und die DAB-Bank bieten ihren Kunden diese Leistungen inzwischen auch an, weitere Banken dürften folgen.

 

Die Anlage von Vermögen läuft als sehr profitables Geschäft ebenfalls nicht mehr ausschließlich über die Banken. In der jüngeren Vergangenheit waren viele Anbieter durch eine wiederholte Falschberatung in die Kritik geraten, viele Kunden sind deshalb nicht mehr bereit, Provisionen für die Beratung zu zahlen und wickeln ihre Vermögensanlage über Trading- und Beratungsplattformen zunehmend selbst ab. Startups wie Vaamo, Geldempfehlung oder Moneymeets setzen hier an und bieten ihren Privatkunden eine online-gestützte Optimierung des Portfolios an.

 

Und auch für die Finanzierung und die Kreditvergabe hat FinTech ein passendes Angebot zur Auswahl. Unternehmen wie Smava oder Auxmoney arbeiten in Deutschland nach dem Prinzip des Peer-to-Peer-Lending, bei dem Kreditgeber und Kreditnehmer ohne Einschaltung der Banken vermittelt werden.

 

Und schließlich gibt es auch im Bereich Payment und Zahlungsverkehr einige vielversprechende FinTech-Startups, die mit digitalen Technologien und Finanzdienstleistungen für den Kunden interessant werden. Nach einer aktuellen europäischen Studie gehen 95 Prozent der befragten europäischen Bankmanager davon aus, dass das traditionelle Bankgeschäft mit der wichtigen Abwicklung des Zahlungsverkehrs national und international schon bald in Gefahr gerät, wenn die klassischen Banken auf die Entwicklungen im FinTech-Bereich keine Antwort finden. PayPal ist als Modell bereits am Markt etabliert und hat die Banken schon heute erhebliche Marktanteile gekostet. Hinzu kommen Bezahlsysteme wie Apple Pay, das seit Herbst 2014 in den USA am Markt Fuß fasst, und auch Google, Amazon und einige Mobilfunkanbieter wollen den Zahlungsverkehr mit eigenen Lösungen revolutionieren. Nimmt man dann Startups wie Cashcloud hinzu, die auf eine elektronische Geldbörse im Handy setzen, mit dem man bezahlen und Zahlungen über E-Mail, Facebook oder Twitter anstoßen kann, wird klar, welche Innovationen im nationalen und im internationalen Zahlungsverkehr in Zukunft denkbar sind.

 

Mobile Menschen setzen auf FinTech

Das erklärte Ziel der FinTech-Start Ups liegt auf der Hand: Sie wollen den Banken in ihrem traditionellen Geschäft Kunden und Marktanteile abjagen. Die Angebote sind durchaus attraktiv, der Nutzen ist für den Kunden schnell verständlich. Natürlich wird sich erst in einigen Jahren zeigen, ob das Kundenverhalten nachhaltig zu ändern ist und ob sich die heute so vielversprechenden Startups mit ihren Ideen am Markt positionieren können.

 

Doch der mobile Mensch setzt zunehmend auf die Digitalisierung von Dienstleistungen, die er selbst individuell und flexibel zu jeder Tageszeit und an jedem Ort in Anspruch nehmen kann. Wer beruflich viel unterwegs ist und vielleicht sogar häufig für längere Zeit im Ausland arbeitet, weiß einige der neuen Angebote im Bereich Zahlungsverkehr schon heute zu schätzen. Gehälter werden heute in Euro und in wenigen Monaten in Britischen Pfund gezahlt, um im nächsten Jahr in US-Dollar überwiesen zu werden. Die Miete für eine Wohnung am Projektstandort ist in den kommenden Monaten in Euro zu zahlen, in einem halben Jahr befindet sich der Wohnsitz in der Schweiz, am Jahresende steht eine Projektarbeit in Singapur an. Die Abwicklung des Zahlungsverkehrs im In- und Ausland muss sich an diese Lebensumstände anpassen, doch die heutige Finanzdienstleistung der Banken ist darauf kaum ausgerichtet. Die Abläufe der internen und externen Prozesse sowie die Kommunikation mit dem Kunden müssen darauf ausgerichtet werden, um mit dem mobilen Leben der modernen Bankkunden mithalten zu können.

 

FinTech bietet in allen vier Kernbereichen der Finanzdienstleistung dazu eine Basis, doch das digitale Zeitalter ist in der Bankdienstleistung noch lange nicht etabliert. Es bedarf noch einiger Anstrengungen, bis die internationale Bank der Zukunft vollständig global und digital arbeitet. Bis es so weit ist, darf man als interessierter Kunde die Entwicklung mit Spannung verfolgen, um die eine oder andere FinTech-App bei Bedarf dann auch bald einmal selbst zu nutzen.

 

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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