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Auch google liebe PFM

Diskussionen

Finance20 meldet sich heute aus Dresden. Den sonnigen Tag verbrachten wir in geschlossenen Räumen. Spannende Gesprächsthemen entschädigten jedoch für die entgangenen Sonnenstrahlen: Diskutiert wurde über Social Media und Innovationen in der Bankenbranche.

Personal Finance Management

Personal Finance Management ist eine solche Innovation, mit der sich auch immer mehr Banken auseinandersetzen. Aber ist Personal Finance Management wirklich eine Chance für etablierte Banken? Und wenn ja, welche Voraussetzungen und Rahmenbedingungen müssen die Banken schaffen damit PFM sowohl für den Kunden als auch für die Bank?

Verbraucher- daran besteht kein Zweifel – werden Personal Finance Management lieben. Nur wem würde der Verbraucher das persönliche Finanzmanagement anvertrauen und was würde er vom Anbieter oder sagen wir besser Partner erwarten? Würde seine Wahl auf eine Bank fallen oder auf einen eher unabhängigen Partner, der die jeweils beste kundenindividuelle Lösung bzw. das beste Angebot garantiert und dabei keine internen Provisionsregelungen beachten muss? Und welchem Partner würde man die für persönliches Finanzmanagement erforderlichen sehr privaten und umfassenden Daten freiwillig zur Verfügung stellen?

Ist die Bank der richtige Partner?

Banken, welche auf die Karte Personal Finance Management setzen möchten, müssten ihr Geschäftsmodell anpassen. Denn unabhängige Beratung erfordert nunmal auch das Angebot von Fremdprodukten und den Zugriff auf die Daten der anderen Banken innerhalb eines Accounts. Welche Bank würde dieses Risiko heute schon eingehen. Abgesehen davon, müsste – wenn die Bank doch bereit wäre dieses Riskio einzugehen -Personal Finance Management Geld kosten. Und schon ist die nächste Frage fällig: Wären Verbraucher bereit, hierfür zu bezahlen? Ich bin skeptisch, denn nicht zuletzt durch das Internet haben Verbraucher gelernt, dass es nicht immer erforderlich ist, für Dienstleistungen oder Produkte Geld zu bezahlen. Der gefühlte Wert von Finanzdienstleistungen geht gegen Null. Die Finanzkrise hat diese Haltung noch verstärkt.

Google als Partner?

Personal Finance Management wäre damit möglicherweise ein Angebot, welches man besser bei Nicht Banken nachfragt. Und in der Tat kommt die Idee ja nicht aus der Bankenwelt. Wobei auch diese Anbieter nur dann dauerhaft unabhängiges Finanzmanagement anbieten können, wenn Verbraucher bereit sind dafür zu bezahlen. Ansonsten wird der Anbieter solche Partner bevorzugen müssen, welche die höchsten Erträge versprechen.

Google könnte ein solcher Anbieter sein. Nur: Würden Verbraucher google vertrauen? Die deutschen Verbraucher mit Sicherheit nicht. Allerdings hält dies google nicht davon ab ein eigenes Personal Finance Angebot zu launchen.

http://mashable.com/2011/05/19/google-advisor/

Und man sieht: Google, Facebook oder Apple müssen keine Bank gründen, um zu Konkurrenten der Banken und Disruptoren der Bankenbranche zu werden. Sie werden dies auch nicht tun und dennoch werden sie die Bankenwelt weiter verändern.

In diesem Sinne: Schöne Grüsse aus Dresden. Eine Frage liegt mir jedoch noch auf dem Herzen: Ist Personal Finance Management eine Chance für Banken?

Auch bei Volksbanken wird PFM diskutiert. Zum Beispiel im Innovationsblog der Volksbank Bühl

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=XBicXcJkra4]
Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • Hansjörg Leichsenring

    Hallo Herr Janek

    was Google da anbietet ist aus meiner Sicht kein PFM, sondern ein Produktvergleich. Derartige haben wir in deutschland schon viele, mehr oder weniger beliebt, vor allem bei den Anbietern als Affiliate Kanal.

    Persönliches Finanz Management ist die Verknüpfung von bisher schon vorhandenen PC-basierten Homebanking-Programmen, wie Quicken oder Star-Money mit attraktiven webbasierten Lösungen, die nicht nur eine weitgehend automatische Kategorisierung persönlicher Einnahmen und Ausgaben verschiedener Konten (Kontokonsolidierung) sowie eine automatische Finanzstatus-Aktualisierung bieten, sondern vor allem durch eine stark vereinfachte Nutzer-freundliche Bedienung auszeichnen sowie Web 2.0 Elemente enthalten.

    Sie schaffen nicht nur Grundlagen für eine haushaltsbezogene Budgetierung sondern bieten Ansätze für eine einfache Finanzplanung im Hinblick auf die Erreichung individuellen Zielen und halten Entwicklungen der persönlichen Finanzen automatisch nach. Sie zeigen Budgetüberschreitungen wie Einsparungen übersichtlich an und ermöglichen es sogar automatische Einsparungshinweise zu generieren.

    Hinzu kommen automatische Vergleiche mit Nutzern gleicher Struktur innerhalb einer repräsentativen Vergleichsgruppe und sogar die Möglichkeit des Austauschs mit anderen innerhalb einer Financial Social Community.

    Bekannte Anbieter in den USA sind Mint (als unabhängiger Anbieter), Strands oder Jodlee. In Europa ist Meniga dabei, den Markt zu bereiten und hat u.a. bei der diesjährigen Finovate eine Auszeichnung für seine europäische PFM Lösung bekommen.

    Die Vorteile eines eigenen PFM-Angebots für die Kunden aus Bankensicht sind zahlreich. Studien belegen, dass Finanzinstitute, die Ihren Kunden PFM anbieten daraus eine erhöhte Kundenloyalität, eine höhere Cross Selling Quote, geringere Kosten und erhöhte Erträge ziehen können.

    Es ist für mich nur eine Frage der Zeit, bis auch hierzulande von den Banken die Vorteile entdeckt werden und man diese attraktive Leistung den eigenen Kunden anbietet, Noch lassen sich First-Mover Wettbewerbsvorteile erzielen.

    Wer mehr über PFM wissen möchte, darf sich gerne direkt an mich wenden.

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring

    • electrouncle

      Hallo Herr Leichsenring,

      natürlich bietet google kein PFM im eigebtlichen Sinne. Dennoch
      gehen die Aktivitäten in diese Richtung und meiner Meinung braucht es solche Zwischenschritte um den Verbraucher mitzunehmen.

      Darüber hinaus werden Banken – so meine Meinung -mit vorhandenen Geschäftsmodellen PFM nur schwer monetarisieren können. Und vor allem stellt es keinen Mehrwert für den Verbraucher da, wenn ich nicht die für mich optimale sondern fur die Bank lukrativste erhalte.PFM würde die Banken in einen survival of the fittest Wettbewerb führen. Welche Bank wird und kann sich diesem Wettbewerb heute wirklich stellen? Die genannten Studien stammen ja meistens auch von Unternehmen, die in diesem Marktbereich Wettbewerbschancen sehe.

      Ich sehe prinzipiell mehr Chancen für eine Nicht- oder Neubank, wobei auch dort eine Diskrepanz zwischen Monetarisierung und Unabhängigkeit besteht.

      Ansonsten bin ich ein Fan von PFM . Vielleicht müsste man ja ehrlicherweise auch von bank supported PFM sprechen.

      Die Diskussion ist eröffnet

      grüsse

  • Hansjörg Leichsenring

    Hallo Herr Janek

    Da muss ich nochmal nachlegen: Klar können sie Banken ein PFM Angebot refinanzieren, zumal es nicht so teuer ist, wie Sie möglicherweise denken. Hier nur einige Ansätze, die aus Erfahrungen der Banken resultieren, bei denen PFM im Einsatz ist:
    1. Kundenbindung steigt: Die Churnrate sinkt, dadurch sinkt der Druck auf der (teuren) Neukundenakquisition
    2. Mehr Online Banking, dadurch Kostensenkung
    3. Mehr Kartennutzung, weniger Bargeld, auch dadurch Kostensenkung
    4. Cross Selling steigt: PFM bietet zahlreiche (neue) Cross Selling Möglichkeiten
    5. Mehr Mittelzufluss: Kunden konzentrieren mehr bei der Bank, die ihnen PFM anbietet
    6. Qualität tritt in den Vordergrund, dadurch entfällt so manche Preisdiskussion

    Dies trifft alles auf „normale“ Banken zu. Insbesondere Ihre Bankengruppe, die Volks- und Raiffeisenbanken, sie sich im Wettbewerb m den Erstbankplatz befinden, könnten deutlich profitieren.
    Gleiches gilt aber auch zugegebenermaßen für alle Banken, die darum kämpfen, das Gehaltsgirokonto als Dreh- und Angelpunkt der Kundenbeziehung bei sich zu haben.

    Die Erfahrungen aus den USA aber auch hierzulande mit Kontoblick zeigen übrigens, dass Verbraucher den Banken mehr ver- und zutrauen als unabhängigen Anbietern.

    Beste Grüße

    Hansjörg Leichsenring

    • electrouncle

      Hallo Herr Leichsenring,

      ich leg dann auch nochmal nach. Vorweg aber nochmal: Ich unterstütze und befürworte die Nutzung von PFM durch Banken! Mir ging es auch nicht um Refinanzierung, die ist natürlich möglich. Meiner Meinung nach ist der Ansatz nur nicht mit den Geschäftsmodellen der bestehenden deutschen Banken kompatibel. Und solange das alte Pferd sich noch irgendwie bewegt, wird es in D nicht zu Grabe getragen.

      Das die deutschen Verbraucher in der Mehrzahl den Banken durchaus noch vertrauen (vor allem wohl auch aus Bequemlichkeit und Desinteresse am Thema) stelle ich auch nicht in Abrede. Die Frage ist, ob dies so bleiben würde wenn ich ein Werkzeug hätte mit dem ich selbstständig und zukünftig vielleicht sogar ohne jede Assistenz meine Finanzen managen könnte. Wofür bräuchte ich die Bank dann noch, ausser für die Bereitstellung der Infrastruktur. Und dann ist da auch noch das Problem mit den Daten. Wem gehören diese z.B. Wer darf diese nutzen? Inwiefern dürfen diese an Dritte weitergegeben werden? Und, und, und

      Das Banking der Banken wird natürlich zukünftig anders aussehen. Aber wirkliches PFM, also das wovon der Verbraucher träumen sollte, wird kurzfristig und mittelfristig nicht kommen. Banken sind ja klassische Intermediäre und diese werden durch das Internet ja eher ausgeschaltet, wobei dies natürlich für die Banken als staatstragende Institutionen nicht oder nur mit Abstrichen gilt. Die
      Chancen für Genossenschaftsbanken sehe ich nicht in einer Technologie sondern im nachhaltigen, Menschen und -Werte orientierten Banking. Also im Social Business, dass sich wieder stärker an den irgendwie wieder moderner werdenden Ideen der Gründer orientiert. Aber vielleicht bin ich auch nur ein weltfremder Sozialromantiker.

      Beste Grüße aus dem Zug von Nürnberg nach Stuttgart

  • Hansjörg Leichsenring

    Hallo Herr Janek

    eine wirklich spannende Diskussion. Ich sehe eine Zukunft für die Banken, zumindest dann, wenn sie sich endlich um das kümmern, was wirklich wichtig für sie ist, nämlich die Beziehung zum Kunden.

    Dem Kunden das Leben leichter und nicht schwerer machen muss die Devise sein. Wenn die Banken das endlich beherzigen (und einige tun es oder beginnen zumindest, es zu tun), dann sind sie auf dem richtigen Weg. Da ist PFM ein (wichtiger) Ansatz von vielen.

    Beste Grüße (heute aus Bremen)

    Hansjörg Leichsenring

  • Dennis Kapl

    Ein interessanter Anbieter stellt für mich der US-amerikanische Anbieter „mint“ dar, s. 90 seconds introduction on youtube:

    http://www.youtube.com/watch?v=rK6WLHNYjwM

  • Dennis Kapl

    Ich sehe gerade, dass Hr. Leichsenring den Anbieter schon erwähnt hat. Da war ich wohl zu langsam;)

    • electrouncle

      Hallo, kein Problem. Ich habe hier über PFM und Mint erstmals vor ca. 2 Jahren geschrieben. Eigentlich ist das für Banken gar kein so langer Zeitraum. Ich meine: Der Zeitraum von damals bis zur Erkenntnis, dass PFM für Kunden interessant sein könnte. Allerdings gibt ea in D aber auch noch keine Bank die PFM einsetzt. Das Grundprinzip ist eigentlich ja noch älter. Die deutsche Bank ist damit zum Jahrtausendende ordentlich auf die Nase gefallen. Zudem sollte man nicht verkennen, dass solche Entwicklungen erst über den Druck neuer Anbieter in dwn Fokus der Banken gerückt ist.

  • AP

    Wie das Rennen um PFM ausgeht ist aus meiner Sicht noch völlig offen.
    Was wollen die Nutzer?
    – Sind sie bereit dafür zu zahlen?
    – Vertrauen sie eher einer Bank, einem unabhängigen Anbieter oder suchen sie diskrete stand-alone Lösungen?
    – Sind sie bereit Daten fremder Banken preiszugeben?
    – Welcher Qualitätsanspruch ist vorhanden?
    – Welcher Nutzen wird erwartet?

    Was machen die Anbieter?
    -Wer ist am schnellsten?
    – Wer kann Daten von Dritten integrieren?
    – Sind die Lösungen kostenfrei?
    – Wer hat genug Marketingpower?

    Wenig ist heute bekannt:
    Programmbasierte Lösung werden nur von einer kleinen Minderheit genutzt. Ich vermute, das es an den Kosten und der Arbeit liegt.
    Finanzstatusinformationen im Banking werden gerne genutzt.

    Es bleibt spannend.
    AP

  • Hansjörg Leichsenring

    Es gibt schon Antworten (Erfahrungen aus ausländischen PFM Projekten)

    Was wollen die Nutzer?
    – Sind sie bereit dafür zu zahlen? Eher nein
    – Vertrauen sie eher einer Bank, einem unabhängigen Anbieter oder suchen sie diskrete stand-alone Lösungen? Eher einer Bank
    – Sind sie bereit Daten fremder Banken preiszugeben? Ja
    – Welcher Qualitätsanspruch ist vorhanden? Ein hoher
    – Welcher Nutzen wird erwartet? Übersicht und Hilfestellung, vor allem automatische Kategorisierung

    Was machen die Anbieter?
    -Wer ist am schnellsten? Da bin ich voreingenommen
    – Wer kann Daten von Dritten integrieren? Eigentlich jede PFM Anwendung
    – Sind die Lösungen kostenfrei? Das kommt auf die Bank an, die es anbietet.
    – Wer hat genug Marketingpower? PFM ist eine Pull-Option. Kunden nehmen ein gutes Angebot sehr schnell an.

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