title

Blog

Apropos Dienende Banken

Banken waren niemals Diener

Die Geschichte der Banken war von Anfang an eine Geschichte der Macht. Und diese Geschichte war – welch Wunder – eine Geschichte, in der Männer die Hauptrolle spielten. Man muss nicht die gesamte Weltliteratur gelesen haben, um feststellen zu können, wie diese mächtigen Männer von der Mehrheit der Menschen beurteilt und eben von den Autoren beschrieben wurden.

Die Geschichte der Banken war und ist zusätzlich eine Geschichte des Rechts, der Regulierung und der Politik. Noch heute sind zahlreiche Produkte für den Kunden eher Zwangsprodukte. Der Mensch braucht ein Gehaltskonto, er benötigt diverse Versicherungen oder eine Riester und Rürup Rente. Gerade die beiden zuletzt genannten Produkte beschreiben die Verbindung zwischen Politik/Staat und den Banken ganz gut. Menschen brauchen Banken nicht, weil sie ein wirkliches Bedürfnis nach Bankdienstleistungen haben. Menschen brauchen Banken, weil dieses Bedürfnis künstlich geschaffen wurde, z.B. weil Geldgeschäfte reguliert werden müssen und einer zentralen Steuerung bedürfen. Wobei dies auch nur ein vorgeschobener Grund sein könnte.

Historisch betrachtet hat es deshalb zwischen den Banken und deren Kunden eigentlich nie eine richtige Kundenbeziehung gegeben. Die Beziehung war eher eine Abhängigkeit, vergleichbar mit der Beziehung eines Bürgers zum Staat und seinen Behörden. Deshalb hat lange Zeit das Wort Bankbeamter auch den Sprachgebrauch geprägt und Banken haben in ihren Kunden eigentlich auch nur selten Kunden gesehen oder sehen müssen.

Die Kundenbeziehung, die es gar nicht gibt

Eigentlich also kein Wunder, dass Banken sich mit der Kundenbeziehung besonders schwer tun. Für Banken ist es relativ neu, dass der Kunde die Regeln bestimmt. Im Internetzeitalter dreht sich jedoch der Wind und es ist viel von Transparenz, Offenheit, Engagement oder auch Empathie die Rede. Man spricht von Unternehmen und Marken als Diener. Nur wie soll das gehen, wenn nicht einmal mehr Politiker zu wissen scheinen, dass Sie eigentlich Diener des Volkes und nicht einzelner Menschen oder Unternehmen sein sollen.

Servil Brands so schreibt trendwatching.com in seinem Oktober Briefing reagieren auf die Tatsache, dass Konsumenten informierter und fordernder sind als je zuvor. Zudem haben Konsumenten weniger Zeit und mehr Auswahl (thank god/ internet). Erfolg und „Wachstum“ setzen heute voraus, dass die Bank ihren Kunden jeden Wunsch von den Augen abliest auch (wie ich hinzufügen möchte) wenn die Augen gar nicht mehr zu sehen sind.

In Zukunft wird dienen überlebenswichtig

Dienende Marken handeln demnach nach den folgenden (wohl nicht vollständigen) Regeln

  • Dienende Marken lassen Kunden testen
  • Dienende Marken helfen Kunden ihr Leben im Griff zu behalten
  • Dienende Marken helfen Kunden alles in Echtzeit zu finden und zu verstehen
  • Dienende Marken sind da, wenn der Kunde sie wirklich braucht
  • Dienende Marken springen ein, wo Verwaltungen und klassische Institutionen versagen oder sich zurückziehen
  • Dienende Marken helfen den Konsumenten Geld zu sparen
  • Dienende Marken helfen Menschen das Beste aus allem zu machen
  • Dienende Marken bieten Kunden Empfehlungen, die wirklich für sie persönlich relevant sind
  • Dienende Marken bieten einen nahtlosen und widerspruchsfreien Service an

Also legen Sie los und werden Sie zum Motor der Bewegung in Ihrem Unternehmen. Man wird es Ihnen danken, wenn der erste Widerstand erst einmal überwunden ist.

Und welche Regeln für dienende Marken fallen Ihnen noch ein?

Das könnte auch noch für Sie interessant sein:

twentytwo-seven-eine-bank-oder-was

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

  • finanzenlounge

    Kompliment für die Herleitung (Geschichte, Zwangsprodukte, Bankbeamter). Auch die Analogie „dienen/Diener“ ist gelungen, ein Diener soll optimalerweise die Wünsche seiner Herren/innen erfüllen. Hier passt es nicht ganz und immer. Denn es gibt Wünsche, die unerfüllbar sind. Als sehr profanes Beispiel sei genannt, dass Kunden sich von einer Anlage wünschen, dass diese gleichzeitig alle 3 Kriterien des magischen Dreiecks erfüllen. Wird dieser Aspekt berücksichtigt, muss der Begriff „dienen“ mit „Nutzen erfüllen“ übersetzt werden. Hier also zwei Ergänzungen:
    Dienende Marken sind partnerschaftlich
    Dienende Marken sind ehrlich
    Ein schönes Wochenende
    Ihr Wolfgang Gierls

    • electrouncle

      Hallo,

      die Ergänzungen passen super. Danke dafür. Wenn es weitere Ergänzungen gibt, dann werde ich diese in einem neuen Blog Post nochmal ergänzen, dann – wenn ok – natürlich unter Erwähnung des Autoren.

      mfg
      electrouncle Boris Janek

Post A Comment

 

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Fundstück: 50 Minuten Brett King zuhören

Zeit für einen Vortrag eines Banking Revolutionärs Wenn Sie an diesem Wochenende etwas Zeit haben, sollten Sie sich das folgende...

Schließen