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Alexa Gröner erklärt Fundraising 2.0

Diesmal beantwortet Alexa Gröner meine 6 Fragen und eine Zusatzfrage. Sie hat – wie man auf der Internetseite www.fundraising20.de nachlesen kann – ein Team aus professionellen Fundraisern und  Social Media Experten zusammengebracht, um sowohl Online als auch Offline die Möglichkeiten des Internets auszuloten und auszuprobieren. Aber lesen Sie selber über eine weitere Initiative, welche die Finanzwelt verändern wird.

Bitte stellen Sie sich und die Institution für die Sie arbeiten kurz vor

Mein Name ist Alexa Gröner, nach 25 Jahren als Creative Director in fremden und eigenen Werbeagenturen mit dem Schwerpunkt Online-Strategien berate ich seit ca. 5 Jahren freiberuflich Stiftungen, Organisationen, Vereine und Projekte zum Thema Fundraising, Online-Fundraising und Corporate Identity. Meine For-Profit-Erfahrungen bringe ich optimal in den Non-Profit-Bereich ein.

Da ich zu den Internet-Pionieren von 1996 gehöre, war es für mich naheliegend, mich auf das Thema Online-Fundraising zu fokussieren: fundraising2.0 war geboren. Den Startschuss setzte ich im Januar 2010 mit dem fundraising2.0 CAMP, eine Unkonferenz mit über 150 Teilnehmern, das zweite fundraising2.0 CAMP am 21.1.2011 hatte ca. 280 Teilnehmer!

Was ist Fundraising 2.0?

Nach fast 15 Jahren Online-Erfahrung war ich während meiner Ausbildung zur Fundraising-Managerin (FA) 2009 gespannt auf den Online-Fundraising Part. Aber: Fundraising und Online gingen nicht besonders gut zusammen. Erst die sozialen Medien (facebook, twitter, blogs) mit ihrem dialogischen Ansatz brachten wieder Leben in die Online-Fundraising-Diskussion. Bis dato warenSpendenformulare und Spendenshops das Non-Plus-Ultra des Online-Fundraisings.

Fundraising 2.0 beschränkt sich aber nicht darauf, ein Instrument zur Spendenakquise zu sein, fundraising 2.0 bedeutet für die Organisation auch, sich auf einen Spenderdialog einzulassen, dem Unterstützer mehr Einblick indie Projekte zu ermöglichen. Transparenz ist das Stichwort – und auch der Umgang mit öffentlicher Kritik.

Fundraising2.0 als Marke beinhaltet das jährlich stattfindende fundraising2.0 CAMP und den führenden Online-Fundraising fundraising2.0 BLOG, den wir im kleinen Team aufgebaut haben.

Wofür benötigen wir Fundraising 2.0?

Facebook, Blogs, Online-Videos und Twitter sind wunderbare Werkzeuge um mehr von den Projekten zu erzählen, um Interessenten an den Visionen der Organisation teilhaben zu lassen. Zum einen werden (laut Statistik) aus „Freunden“ auch Spender, zum Anderen gibt es der Organisation von Freiwilligen neue Möglichkeiten. Fundraising ist „Friendraising“ – eine alteFundraiser-Weisheit, die jetzt neue Dimensionen bekommt.

Der klassische Spenden-Brief ist immer noch das Instrument Nr. 1. Zahlenprognostizieren eine Änderung zugunsten der Online-Fundraising-Instrumente frühestens in 5 – 10 Jahren. Die Hauptspendergruppe von Menschen 60+, die wenig und spezielle Online-Verhalten haben, erklärt diese Verzögerung der Online-Fundraising Relevanz.

Eine amerikanisch/kanadische Studie von 2009 zeigt allerdings, dass die Gruppe der 25 – 45 jährigen zusammen genommen gleich viel spendet wie die Gruppe der 60+ Spender. Für Deutschland gibt es solche Zahlen bisher nicht. Außerdem sind viele Online-Fundraising-Instrumente und Plattformen noch in der Findungs-Phase, es gibt viele Instrumente wie SMS-Spenden, Crowdfunding-Plattformen oder facebook-Spenden-Module die sich momentan ausprobieren. Zahlen dazu liegen auch noch nicht vor.

Wo sehen Sie Mängel im traditionellen Fundraising und wie kann Fundraising 2.0 diese lösen?

Fundraising ist eine sehr vielschichtige Aufgabe in einer Organisation odereinem Projekt. Besonders bei sinkender institutioneller Unterstützung sind die Projekt-/Vereins- oder Organisationsmitglieder gefordert entweder das Projekt zu beenden oder nachhaltiges Fundraising aufzubauen. Das ist ein langwieriger Prozess. Traditionelles Fundraising fokussiert sich meist auf Spendenbriefe (Mailings) oder institutioneller Unterstützung. Fundraising 2.0 bietet neue, innovative Fundraising-Ansätze, die auf einem Dialog mit den Unterstützern basieren. Aktuell ist das eine sehr aufwendige und monetär wenig erfolgreiche Art des Fundraisings (mit Ausnahme der Katastrophen-Hilfen, hier ist das Online-Fundraising sehr erfolgreich) und die Organisationen werden in diese Instrumente wachsen. Ich bin mir sicher, dass die Möglichkeiten des Online-Fundraisings noch lange nicht ausgelotet sind.

Von welchen Unternehmen oder aus welchen Bereichen erwarten Sie die größten Impulse und besten Ideen zur Verbesserung der bisherigen Praxen?

Momentan sind drei Entwicklungen zu beobachten:

1. Die Silversurfer (+60) haben im Internet die größten Zuwachsraten. Die kombinierte On- Offline-Kommunikation gerade mit diesen Zielgruppen finde ich sehr spannend.

2. Mobile Spendenmöglichkeiten wie z.B. SMS Spenden via spendino und

3. Facebook Spendenapplikationen, die es im deutschen Markt noch nicht gibt, entsprechend Causes dem amerikanischen Markt.

Alle drei genannten Online-/Mobile-Fundraising-Instrumente sind aber nie alsEinzel-Fundraising-Lösung zu sehen, sondern immer eingebettet in eineFundraising- und Kommunikationsstrategie. Um ein Projekt erfolgreich zufinanzieren, sollte die Cross-Media-Konzeption immer die Basis sein.

Welche Rolle spielen oder können Banken beim Fundraising 2.0 spielen.

Manche Banken, wie z.B. die Bank für Sozialwirtschaft, entwickeln Schnittstellen und Widgets, die ihre Kunden kostenfrei in ihre Webseiten oder vielleicht sogar facebook-Fanpages einbinden können. Die Banken informieren ihre Kunden (besonders den Senioren) über die Sicherheit beim Online-Spenden. Die Kommunikation von Banken und ihren Kunden ist eine Verbindung, die auf Vertrauen basiert, hier können Banken ihren Kunden auf viele Arten Mut machen, auch Online zu spenden oder auch Organisationen und Stiftungen Wege zum Online-Fundraising aufzuzeigen.

Als dritten Punkt fällt mir noch die Schnittstelle zwischen Online-Spendeund Fundraising-Datenbank bzw. Buchhaltung ein. Einfache Anbindung an die Buchhaltung von Online-Formular oder anderen Online-Instrumenten wäreebenfalls eine gute Unterstützung der Banken für gemeinnützige Organisationen.

Wie sehen Sie grundsätzlich die Zukunft von Non Profit Unternehmen in Zeiten der Finanzkrise. Haben sie eine Zukunft ohne Fundraising 2.0?

Fundraising 2.0 ist ein Fundraising-Instrument, kein Allheilmittel, da die Umsätze via Online-Fundraising noch sehr gering sind (0,1%). Das liegt natürlich auch an dem Umgang der Organisationen mit dem Thema Online und Social Media allgemein. Die Finanzkrise spielt für den Durchschnittsspender keine Rolle, sondern eher für Stiftungen, die ihr Vermögen für die von ihnen unterstützen Projekte zuverlässig anlegen müssen. Hier gab es einige Absagen von Stiftungs-Anträgen mit der Begründung der Finanzkrise.

Die private Zusatzfrage:

Was machen Sie, wenn Sie sich nicht mit Fundraising beschäftigen? Sprich wie verbringen Sie gerne Ihre Freizeit.

Am liebsten schlendere ich: ich besuche Galerien, Museen, Städte, Berge, amStrand und gehe einfach spazieren und gucke. Am liebsten in Venedig, Amsterdam und New York.

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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