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7 Fragen und eine Zusatzfrage an einen (fast) Digital Native

Die Frage, wie das Mediennutzungsverhalten der jungen Menschen, die Entwicklung von Banken, deren zukünftige Kommunikations- und Vertriebswege und deren Arbeitswelt verändert, beschäftigt mich hier in letzter Zeit häufiger. Bevor es bald den zweiten Teil meines Artikels zur Generation Y gibt, er wird von der Arbeitswelt der Banken handeln, nun ein Interview mit einem jungen Mann, der in sechs spannenden Antworten beschreibt, welche Bedeutung das Internet in seinem Lebensalltag hat und welche Erwartungen er in diesem Zusammenhang an Banken stellt. Jochen Döring ist eigentlich vier Jahre zu alt, um definitorisch noch als Digital Native durchzugehen. Sein Internetverhalten ist allerdings eines Digital Natives durchaus würdig.
Hier gibt es mehr Informationen zu Jochen http://twitter.com/#!/jochendoering

 

Und jetzt geht es los:

1. Du gehörst zu den sogenannten Digital Natives. Bitte beschreibe mir, wie Du die digitalen Medien an einem typischen Tag nutzt?

Meine ersten Kontakt mit dem Netz hatte ich 1994 im Hochschulrechenzentrum meiner Heimatstadt, da erinnere ich mich noch an Wetterkarten die abgerufen habe. Durch meinen Bruder hatte ich dann (langsamen, analogen) Zugang über das Uninetz, seitdem bin ich online. 2003 bin ich in einer Kölner Onlineredaktion quer eingestiegen. Dort  hatte ich dann Kontakt zu Marketingthemen, habe mich weitergebildet und an verschieden Projekten gearbeitet, seit diesem Jahr arbeite ich freiberuflich. Aber nun zu meinem typischen Tag. Beim Frühstück checke ich die Nachrichteneingänge und News auf den üblichen Kanälen. Normalerweise läuft immer mein Desktop-Rechner, daneben nutze manchmal parallel einen Laptop und für unterwegs ein Smartphone. Daneben tickert twitter, das schalte ich aber auch gerne mal stumm. Auch Facebook ist im Hintergrund aktiv. Obendrein habe ich häufig noch ein Instant-Messaging-Dienst offen und tausche mich mit meinem Netzwerk aus. Da ich beruflich auch viel im Netz unterwegs bin, gibt da keine klare Trennung. Für einige Arbeiten nutze ich auch noch Dropbox als Cloud und kollaborative Plattformen. Im großen und ganzen bin ich immer vom Web umgeben, wenn ich es nicht bewusst abschalte.
2. Nutzt Du noch andere Medien und welche Bedeutung haben diese im Vergleich zu den digitalen Medien für Dich?

Andere Medien? Das hat radikal abgenommen die letzten Jahre, vor 15 Jahren hatte ich sogar mal eine Zeitung abonniert, heute lese ich vielleicht mal eine Sonntagsausgabe, wenn ich auf Reisen bin. Ab und zu kaufe ich auch mal eine Zeitschrift. Einen Fernseher besitze ich derzeit auch nicht, ebenso kein separates Radio. Nichtsdestotrotz finde ich Medien wichtig, die mir Inhalte anbieten, nach denen ich Inch sowieso schon suche, z. B. Radio statt Podscast. Einen festen Platz in meiner Mediennutzung hat noch das Buch aus Papier, ob ich das einmal gegen einen ausgereiften E-Book-Reader tauschen werde, weiß ich noch nicht. Musik habe ich auch lange nicht mehr von CD gehört, meinen MD-Player habe ich vor Jahren schon verschenkt und meine MCs stauben vor sich hin. Meine Musiksammlung ist fast komplett digitalisiert und neue Musik beziehe ich auch digital.
3. Was erwartest Du von Deiner Bank?

An erster Stelle Seriosität und Verlässlichkeit. Das Vertrauen in Banken hat in letzter Zeit natürlich gelitten, deshalb finde ich auch neue Ansätze wie smava interessant. Für den Zahlungsverkehr habe ich bisher keine Alternativen, da besteht ein klares Abhängigkeitsverhältnis.  Eigentlich kann ich nur die Leistungen vergleichen und gucken, ob es eine ‚ethics policy‘ gibt, mit der ich Leben kann. Banken wie die GLS-Bank sind da sicher Vorreiter, alleine die Konditionen halten mich dann (bisher) doch ab. Eine gute Nutzbarkeit, vor allem beim Onlinebanking (benutze auch eine mobile App), ist mich wichtig, da habe ich schon einige lästige Überraschungen erlebt. Die Sicherheitstandards beim Onlinebanking sind auch entscheidend, da wundert doch  z. B., das viele Banken noch vierstellige numerische PINs zum anmelden vorgeben.
4. Soll diese so bleiben wie sie ist oder erwartest du diese auch in sozialen Netzwerken oder bei twitter treffen und ansprechen zu können?

Einen Gefällt-mir-Button für meinen Kontostand brauche ich sicher nicht;)  Wenn es Banken aber schaffen sollten, sich durch ihre Präsenz den Kunden gegenüber zu öffnen und eine ernsthafte Transparenz schaffen, dann wäre es doch ein Versuch wert. Zurzeit bin ich aber noch weit davon entfernt, mich mit einem klassischen Bankinstitut als Freund z. B. auf Facebook zu „befreunden“. Und wenn SM-Kanäle bedient werden, dann sollten sie auch bespielt werden, bei einer Anfrage zur Usability bei der Commerzbank habe ich schlicht keine Antwort erhalten, das bleibt natürlich negativ hängen. Grundsätzlich begrüße ich zusätzliche und unbürokratische Kanäle.
5. Wie sähe Dein bevorzugter Arbeitsplatz aus?
Idealerweise so: klare Strukturen und organisatorische Absprachen, echtes Teamplay, genug Freiheiten bei der Arbeitsgestaltung, flexible Arbeitszeitkonzepte und die Möglichkeit out-of-office zu arbeiten sowie attraktive Entwicklungsmöglichkeiten. Zudem ein zentrales Büro in einer Großstadt mit angenehmen ‚workspace‘, das ich mitgestalten kann.
6. Wäre eine Bank ein potentieller Arbeitgeber und wenn nein – warum nicht?

Ja, warum denn nicht? Wenn es dort Arbeitsplätze gibt, wie ich sie eben beschrieben habe.
7. Wenn Dir ein anderes Unternehmen Finanzprodukte anbieten würde (z.B. Apple) würdest Du diese nutzen?

Eher nein. Angebote wie die z. B. die C&A Bank überzeugen mich nicht, da denke ich „Schuster bleib bei deinem Leisten“, da bin ich eher konservativ und vertraue eher etablierten Instituten. Bei Mikropayment sieht das etwas anders aus, ein vernünftiges Mikropayment-System (sicher, einfach und schnell) würde ich  z. B. auch von Apple nutzen.
Die Zusatzfrage:
Welchen Film hast Du zuletzt geschaut und welche Musik hörst Du gerade.

Tatsächlich: The Social Network. Musikalisch begleitet mich gerade „Wrong Shirt EP“ von Till Krüger auf meinem Lieblingslabel „200 Records“

Hier die weiteren Interviews aus der Serie:

Die weiteren Interviews der Reihe

Marco Ripanti ( ekaabo GmbH, Yiid.com)

Katharina Beck (Institut für Social Banking)

Axel Liebetrau (Zufkunftsforscher und Managementberater)

Matthias Kröner (Fidorbank AG)

Thorsten Hahn (Banking Club)

Frank Kleinert ( Innovationsmanager bei einer Rechenzentrale)

Alexandre Janicki (Credible Finance)

Herr Carlo Bewersdorf (Asstel ProKunde)

Florian Schwarz und Florian Schwarzbauer (Die Bankonauten)

Marko Haschej (Raiffeisenbank Eberndorf)

Guido Augustin (Bürgschaftsbank Hessen)

Lothar Lochmaier (Social Banking 2.0)

Suitbert Monz (R+V)

Dr. Harald Meissner (Hochschulprofessor und Unternehmer)

Mustapha Behan (whofinance)

Boris Janek

AUTHOR - Boris Janek

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